Letzte Runde

Seit gut drei Jahren liegt mein Kanada-Frankreich-Blog brach, dabei hätte es noch ein paar interessante Themen gegeben, über die ich vielleicht – aber eher nicht – irgendwann noch einmal etwas schreibe…

  • Back to the roots beim Online Banking oder wie man lernt, ohne zu leben und sich in Geduld zu üben, wenn auch Franzosen mit Scheck zahlen
  • Survival-Tipps für den Umgang mit Telefonanbietern und Internetprovidern
  • Überleben im Dschungel der französischen Steuergesetze (und was dann als Steuererklärung dabei rauskommt)
  • Käsegenüsse, Mundhygiene und das fehlende Werkzeug (pudern nützt da ja nix)
  • Öffentlicher Nahverkehr und Verkehrsregeln (merke: Autos auf dem Standstreifen der Autobahn haben i.d.R. keine Panne, sondern ein dringendes Bedürfnis, also deren Fahrer haben das)
  • empfehlenswerte Campingplätze
  • schwanger sein und gebären (macht’s woanders, wenn Ihr könnt!)
  • Gleichgesinnte finden (meine wärmste Empfehlung für Message Paris, sofern Ihr auch nur ein paar Brocken Englisch sprecht)
  • Tierarzt-Erlebnisse (besonders beim Spezialisten für alte Kaninchen, dessen Buch wir auch im Regal stehen haben)

…aber auch Frankreich ist abgehakt und wir sind wieder in Hamburg angelangt. Hier ist nun Ende (Gelände) und es geht ab sofort an anderer Stelle und unregelmäßig weiter!

26. Dezember 2012 at 21:26 Hinterlasse einen Kommentar

Silber und Gold

Nach gefühlten 7385 Fernseh-Sondersendungen und Myriaden von Analysen, Zeitzeugenberichten und Livetickern in Print- und Online-Medien scheinen wir nun endlich wieder unsere Ruhe zu haben – das Jubiläum des Mauerfalls ist bis weit über die Grenze der Geschmacklosigkeit hinaus breit getreten worden und selbst Wiedervereinigungsfans litten zuletzt unter akutem Brechreiz.
Aber meinetwegen; es passiert ja nicht mehr viel heutzutage. 9/11 ist lange her, die Bundestagswahl war auch eher langweilig und Michael Jackson ist mittlerweile unter der Erde. Doch muss man dann tatsächlich so weit gehen und jeden Honk dazu interviewen, was er während des Mauerfalls gemacht hat? Auch wenn er mit dem Kicker auf’m Klo gesessen hat?

Ich persönlich habe keine Ahnung, wo ich war und was ich getan habe. Ich könnte allenfalls meine alten Tagebücher rauskramen, aber wenn ich ehrlich bin, interessiert es mich auch nicht die Bohne. Ich erinnere mich lediglich noch an den Ausspruch eines Mitschülers, der meinte: „Das ist der Untergang des Abendlandes.“
So würde er das heute bestimmt nicht mehr sagen (dürfen), also hülle auch ich mich an dieser Stelle in beredetes Schweigen.

12. November 2009 at 17:08 Hinterlasse einen Kommentar

Geheim statt gemein

Als wir Anfang 2005 nach Kanada gezogen sind, war das Problem eigentlich noch gar keins. Zumindest ich fand die gelegentlichen Meinungsumfragen oder Lotterielosverkaufsversuche eher lustig denn störend. Und in Kanada entgingen wir allem Dank zweier Mobiltelefone und keinem Festnetzanschluß. Mittlerweile bin ich ober-angenervt und das regelmäßig und dann oft nicht nur ein- sondern gleich mehrmals am Tag.

Ich bin davon überzeugt, daß die Nervensägen, die ihr Geld mit diesem Werbe-Verkaufs-Telefonterror verdienen, bestimmte Leute an bestimmten Tagen anrufen. Also montags und donnerstags sind wir dran, dienstags, mittwochs und freitags die anderen. Ob sie dabei nach Namen oder Straßen oder Nummernkreisen vorgehen… wen juckt’s. Fakt ist, daß natürlich gerade dann, wenn unser Tag ist, die Rufnummernübertragung mal wieder nicht funktioniert (was auch regelmäßig der Fall ist, handelt es sich doch bloß um einen kostenpflichtigen sogenannten Service der France Telecom), ich arglos abnehme (was ich bei „unbekannt“ im Display in der Regel nicht tue) und direkt spucken könnte, sobald ich „Allo?“ „Madame N…?“ höre. Denn erstens melden sich Franzosen nie zuerst mit ihrem Namen, sondern fragen direkt, ob sie auch das richtige Opfer am Rohr haben. Und zweitens heiße ich nicht „Madame N…“, sondern „Madame W…“ – was derjenige wissen dürfte, der einen triftigen Grund hat, mich anzurufen.

Eins steht fest: Mein nächster Telefonanschluß wird ’ne Geheimnummer und mobil bleibe ich prepaid – wenn mich dann zuviele Leute anrufen, werfe ich das Ding einfach weg. Machen die bösen Buben im Tatort auch immer so.

29. Oktober 2009 at 17:27 1 Kommentar

Hinterm Horizont geht’s weiter

Lange, lange wollte ich mich schon daran machen, einmal ein paar unserer Ausflugtipps aufzuschreiben. Und da ich heute vor der Wahl stand, entweder das zu tun oder neue Bezüge für den Wohnwagen zu nähen (es lebe der Individualismus!), beisse ich lieber in den sauren Artikelapfel – auch und vor allem weil der am Ende des Tages fertig und veröffentlicht ist, während ich an den Bezügen wer weiss wie lange sitze.

Hier also unsere „Best of“ (unvollständig und in keiner Reihenfolge, sondern so, wie sie mir einfallen):

  1. Troyes (10): Kleine malerische Stadt mit einer schön renovierten Altstadt. Man kann einige Museen besichtigen oder auch einfach nur durch die schmalen Gassen bummeln und danach eine Kleinigkeit essen.

  2. Provins (77): Mittelalterliche Stadt und seit 2001 Weltkultur- und Naturerbe. Während der Sommermonate werden Ritterspiele aufgeführt.

  3. Chantilly und Senlis (60): Chantilly dürfte Freunden des Pferdesports ein Begriff sein. Man kann das Schloss und die dazugehörigen Ställe besichtigen (haben wir vor, aber noch nicht gemacht). Der Weg ins benachbarten Senlis ist ebenfalls sehenswert, verwunschen und kurvig. Wir waren dort zwar nur lecker essen, man kann sich aber auch die Kathedrale anschauen.

  4. Vaux-le-Vicompte (77): DAS Schloss schlechthin! Jedenfalls im Vergleich zu Fontainebleau und Versailles. Zum Glück gibt es mittlerweile Digitalkameras; ich wüsste nicht, wie viele Filme ich ansonsten verschossen hätte.

  5. Fontainebleau (77) und Versailles (78): Natürlich auch sehenswert, haben mich aber längst nicht so begeistert wie eben Vaux-le-Vicompte.

  6. Die Türme der Notre Dame de Paris (4. Arrondissement): Die grandiose Aussicht ist jede Treppenstufe wert – und auch die Wartezeit, bis man endlich hoch darf.

  7. Opera Garnier (Opera Nationale de Paris, 9. Arrondissement): Sehr üppig geschmücktes Gebäude mit einem wunderschönen Deckengemälde von Marc Chagall.

  8. Marais (4. Arrondissement): Schmale Gassen, schiefe Häuser, interessante Geschäfte und Lokale.

  9. Printemps (9. Arrondissement): Nicht so überlaufen wie die benachbarten Galeries Lafayette, ausserdem gefällt mir das Angebot besser. Das Highlight ist aber auch hier die Aussicht über Paris, die man auf der Dachterrasse gratis geniessen kann.

  10. Quartier Chinois (13. Arrondissement): Nix zum Bummeln, aber zum Essengehen!

  11. La Vallée Village (77): Outlet-Shopping vor den Toren von Paris, quasi in direkter Nachbarschaft zum Disneyland und an 7 Tagen die Woche. Longchamp, Burberry, Ralph Lauren – ich gehe selten ohne Tüten wieder heim, schliesslich heisst es ja auch shopping und nicht sightseeing.

20. Februar 2009 at 18:00 1 Kommentar

Deutsche Sprache, schwere Sprache

Nicht nur die Geschmäcker, auch das Ruhebedürfnis der Leute ist verschieden. Der schwer arbeitende Mann braucht seine Ruhe, das glückliche Kind braucht seine Ruhe und auch die stolze Mutter braucht ihre Ruhe. So weit, so gut.

Schwierig wird es, wenn Papa seine Ruhe braucht, Mama ihre Ruhe braucht und Fritzi „seine“ Ruhe braucht. Da korrigiert die Mama ganz automatisch – „ihre“ Ruhe heisst es richtig. Und da man pädagogisch wertvoll nicht einfach nur korrigiert, sondern auch erklärt, hört sich das dann (vereinfacht) so an: Mein Haus, mein Auto, meine Ruhe. Daraus folgt: Der Mann braucht seine Ruhe, die Frau braucht ihre Ruhe und die Fritzi – als ganz kleine Frau – braucht ebenfalls ihre Ruhe.

Dummerweise weiss Fritzi, dass sie ein Mädchen ist und so kam, was kommen musste: „Das Mädchen braucht ihre Ruhe.“ Da stand ich nun in meinem dünnen Hemd. Ein Junge ist ein kleiner Mann, ein „der“ und braucht seine Ruhe. Ein Mädchen ist zwar eine kleine Frau, aber keine „die“, sondern ein „das“ und braucht ebenfalls seine Ruhe. Nur, wie sag ich’s meinem Kinde?

Heute zumindest gar nicht, ich habe etwas vor mich hin genuschelt und weiter die Betten bezogen.

19. Februar 2009 at 20:57 Hinterlasse einen Kommentar

Glory, glory, hallelujah

Letzte Woche gab es wieder einen dieser Tage, an dem ich die Franzosen gerne in einen Sack gepackt und auf den Mond geschossen hätte. Mich nerven die vollgekackten Bürgersteige, weil ich morgens im Dunkeln nicht sehen kann, ob ich mit dem Kinderwagen gerade durchfahre oder nochmal davon gekommen bin. Ich habe genug von rücksichtslosen Autofahrern, Müttern, die mit ihren kleinen Kindern über rote Ampeln laufen, Bussen, die zu spät oder gerne gar nicht kommen. Ich mag die marode Bausubstanz, die zusammen geklebten Ladenfassaden und den Müll, der überall rumliegt, nicht mehr sehen. Und die Sprache kann ich auch nicht mehr hören – geschweige denn sprechen.

Da kam mir dieser Bericht dann gerade recht! Mag sein, dass der Autor sogar in Paris lebt. Viel eher glaube ich aber, dass er zu viele französische Imagebroschüren gelesen hat oder als Lobbyist in Lohn und Brot steht. Zumindest aber arbeitet er in keinem normalen Büro und hat nur sehr begrenzten Zugang zur Pierre-Normal-Familie. Oder er verbreitet wider besseren Wissens ganz einfach das, was viele Deutsche gern über die Franzosen lesen wollen, damit sie sich darin ergehen können, wie gut es denen und wie schlecht es ihnen geht.

Denn auch in Paris wird am Schreibtisch gegessen. Oder im Gehen, während man etwas einkauft. Oder auch gar nicht. Wenn doch, dann wird abends entsprechend länger gearbeitet und man kann durchaus hinterfragen, ob eine schnelle Mittagspause, dafür aber ein Abendessen mit den Kindern nicht auch Motivation sein kann (statt immer nur von den verrohten Sitten in Deutschland zu schwadronieren).

Ja, und dann der „Dimanche Soir“. Wir schön heimelig das klingt! Und auch wäre, wenn es leckere Reste vom Mittagessen gäbe. Ein einziger Blick in einen durchschnittlichen französischen Einkaufwagen genügt, um zu wissen, dass wohl auch das „Dimanche Dejeuner“ in erster Linie aus Resten besteht – wenn auch industriell zu einem gesamten Mahl verarbeitet. Wie sieht wohl ein Reste-Essen aus Fertiggerichten aus? Genau!

Wie wäre es, wenn der Autor mal auf die Idee käme, den Leckereien der deutschen Küche zu frönen? Dann würde er z.B. merken, dass mit Sauerkraut, Schweinshaxe und Linseneintopf beliebte französische Gerichte auch anderswo hervorragend zubereitet werden.

Mir jedenfalls geht die Glorifizierung alldessen was französisch ist gehörig auf die Nerven.

PS: Vielleicht warte ich jetzt einfach mal besseres Wetter, den Gewinn der Sofort-Rente oder die Wahl der Dschungelkönigin ab, bis ich wieder etwas schreibe. Das hebt die Stimmung, setzt positive Energien und Blog-Artikel frei!

24. Januar 2009 at 15:18 Hinterlasse einen Kommentar

Freundlichkeit ist eine Zier

Manches, was ich manchmal sage und schreibe, stösst manchem sauer auf. Aber das kann man ja diskutieren!

Ich bin uneingeschränkt dafür, dass Frauen sich nicht zwischen Kind und Karriere entscheiden müssen (wobei das Thema Karriere nicht einmal für Frauen ohne Kind ein Selbstgänger ist). Dazu gehört z.B., dass Kinderbetreuung nicht mehr ausschliesslich oder größtenteils Muttersache ist, sondern auch die Väter zu gleichen Teilen daran partizipieren. Es muss flexible Arbeitszeiten für beide Eltern und vielfältige Betreuungsangebote für die Kinder geben. Finanzielle Unterstützung spielt sicher eine Rolle, ist meiner Meinung nach aber nicht ausschlaggebend. Soviel zu einer frauen- und damit elternfreundlichen Familienpolitik.

Eine kinderfreundliche Familienpolitik sieht für mich anders aus. Kinder brauchen ihre Eltern – nicht nur am Wochenende. Und Kinder brauchen auch Förderung. Die können sie aber nur in einer qualitativ hochwertigen Betreuung bekommen. Eine Erzieherin, die 10 oder gar 15 Kinder gleichzeitig betreut, kann das niemals leisten. Kindern ist nicht damit geholfen, dass es einen Rechtsanspruch auf Betreuung gibt, den Eltern schon und das ist ein Unterschied.

Ich wehre mich dagegen, dass deutsche Mütter immer dann leuchtende Augen bekommen, wenn sie hören, dass ich in Frankreich lebe. Oh, wie kinderfreundlich das Land sei und oh, wie toll das Betreuungsangebot.
Kinder finden im öffentlichen Leben kaum statt. Diejenigen, die Eltern sind, verbringen die meiste Zeit ohne ihre Kinder. Am Wochenende treffen sie dann aufeinander und man sieht die Väter, die ihre Kinder an den Ohren vom Spielzeugregal im Supermarkt wegziehen und die Mütter, die ihren Kindern eine Süssigkeit aus der Hand schlagen und sie dabei anschreien. Kinderfreundlich?

Natürlich ist es für die Kinder immer noch besser, mehr schlecht als recht aber immerhin betreut zu werden, statt allein mit einer restlos überforderten und von niemanden unterstützten Mutter zu Hause zu sein. Aber kinderfreundlich?

Und wirklich frauenfreundlich sind übrigens auch die Franzosen nicht, denn auch wenn arbeitende Mütter voll anerkannt sind, werden die nicht arbeitenden Mütter nicht für voll genommen. Und die Kinder zur Schule, zum Turnen oder in die Musikschule zu bringen, ist auch hier immer noch Muttersache.

23. Januar 2009 at 14:40 Hinterlasse einen Kommentar

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