Archive for Juni, 2006

Es lebt

Holz arbeitet, so sagt man ja. Seit wir in Kanada sind, können wir dieses Phänomen endlich ausführlich beobachten. Zum Beispiel an unserer Arbeitsplatte in der Küche.
Die ist aus Buche und schließt am Fliesenspiegel mit einer kleinen Leiste ab. Eingebaut wurde sie im letzten Jahr kurz vor unserem Einzug, wahrscheinlich im Juli – also bei hoher Luftfeuchtigkeit (aktuell haben wir eine Innenluftfeuchtigkeit von knapp 70%, bei 80% waren wir aber auch schon). Zum Zeitpunkt des Einbaus passte alles perfekt, so wie jetzt auch. Anders sieht es im Winter aus (Innenluftfeuchtigkeit mit Luftbefeuchter bei rund 50%, vor dem Kauf des Gerätes bei 35%). Da haben wir zwischen Leiste und Fliesenspiegel eine Lücke von gut einem halben Zentimeter. Das ist nicht nur hässlich, sondern macht auch ein bisschen nervös. Schließlich zweifelt man an seinen handwerklichen Fähigkeiten, wenn nicht einmal eine Leiste hält.

Und die Moral von der Geschicht? Manche Problem lösen sich von ganz allein, man muss nur ein halbes Jahr darüber schlafen.

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30. Juni 2006 at 08:05 Hinterlasse einen Kommentar

Es geschehen noch Zeichen

und Wunder. Gestern habe ich doch tatsächlich zum allerersten Mal eine pro-aktive Information von shift.tv erhalten, die besagte, dass sie Probleme mit dem Wetter haben und sich bemühen, etwaige Badfiles zu reparieren. Diese Offenheit traf mich hart, hatte ich mich doch längst damit abgefunden, shift.tv – und damit ein fast alltägliches Ärgernis – aus meinem TV-Portfolio zu entfernen. Es sind ja nicht nur die Aufnahmen, die immer wieder in der Vorbereitung hängen bleiben und nie runtergeladen werden können oder das allgegenwärtige Blocking- und Freezing-Problem. Es ist auch die völlige Ignoranz von Support-Anfragen – der Punkt „Kritik“ ist als Anfrage-Kategorie nicht einmal vorgesehen. Und dann die tollen Aktionen, um Neukunden zu gewinnen. In regelmäßigen Abständen, meist zu Feiertagen, bekommen Neukunden das Angebot, die doppelte Aufnahmekapazität nutzen zu können; als seit Monaten brav zahlender Bestandskunde guckt man in die Röhre.

Dagegen macht OTR immer mehr Spaß. Die Jungs arbeiten emsig daran, ihr Programmangebot, die Downloadkapazitäten und die Menüführung zu verbessern. Ihr Kundenservice war schon immer spitze und die Werbung sehe ich mittlerweile als das, was es ist, nämlich die Finanzierung dieses Projektes. Ein kleiner Wermutstropfen bleibt: Sendungen der dritten Programme kann man nur im Pooling aufzeichnen (das bedeutet, dass die Sendung aufgenommen wird, die von den meisten Leuten ausgewählt wurde) und da verlieren meine Tatorte immer gegen Videoclips auf Viva oder Benjamin Blümchen auf dem Kinderkanal. Das wäre der einzige Grund, mein Abo bei shift.tv wieder zu verlängern, aber im Sommer gucken wir sowieso kaum Fernsehen und vielleicht vermissen wir die vielen Tatorte dann im Winter gar nicht mehr.

28. Juni 2006 at 07:35 Hinterlasse einen Kommentar

Sch(l)uss mit lustig

Der Problembär ist erlegt und lässt viele Fragen offen. Warum gelang Jägern in so kurzer Zeit das, was finnische Supernasen in zwei Wochen nicht geschafft haben? Warum schreit halb Deutschland auf, wenn indische Kleinbauern einen Elefanten töten, der vorher ihr Dorf und all ihre Felder verwüstet hat, zeigt aber kaum Solidarität mit Gevatter Petz? Und wer ist der Drahtzieher hinter dem ganzen Geschehen?
Ich glaube ja, dass der kanadische Industrieminister (in sein Ressort fällt der Tourismus und natürlich nicht er selber, sondern einer seiner Schergen) die Jäger überredet hat, das Problem aus der Welt zu schaffen. Denn denken wir den Fall doch einmal zu Ende: Wer käme noch nach Kanada, wenn er nach nur ein paar 100 Kilometern Autofahrt den Bären durch heimische Wälder streifen sehen kann? Was machen wir dann hier mit all den Bären und vor allem den Leuten, die sie morgens entsprechend der aktuellen Stauprognosen am Straßenrand aufstellen? Da ist es doch viel einfacher, kurz in die Alte Welt zu reisen, ein paar Jäger aufzutun, die denken, dass Mutti sie nach erfolgreichem Abschuss auch endlich mal wieder ran lässt, und alles ist wieder in Butter. Dass es nun Morddrohungen hagelt und Mutti längst mit dem feschen Burschen vom WWF abgezischt ist, konnte ja keiner ahnen.

Und auch das sollte den Industrieminister besorgt stimmen. Top-Suchanfrage, die heute auf meine Seite führte: „in welchem land liegt toronto“. Es ist noch ein weiter Weg.

27. Juni 2006 at 08:58 Hinterlasse einen Kommentar

Und ab geht die Post

Vor einigen Tagen habe ich zum ersten Mal einen Briefkasten gesehen, an dem sich auch eine Information über die Brieflaufzeiten befand. Ich war schon ein bisschen erstaunt: Innerhalb der Greater Toronto Area dauert die Zustellung 2 Tage, in der Provinz Ontario kommt der Brief nach 3 Tagen an und verlässt man die Provinzgrenzen, beträgt die Laufzeit 4 Tage.
Wie war das noch in Deutschland? 1 Tag, höchstens mal 2, wenn's auf die Inseln geht? Kanada ist zwar grösser, hat aber auch weniger Einwohner – das sollte sich eigentlich ausgleichen. Doch dann hat man die Rechnung ohne die beliebteste Zahlungsweise gemacht: Hier wird immer noch viel mit Scheck bezahlt (wir haben letztens doch tatsächlich einen über 60 Cent verschicken müssen, um ein abgeschlossenes Konto auszugleichen). Und die verkürzte Arbeitszeit der Postbediensteten außer Acht gelassen: Es gibt nämlich keine Samstagszustellung (an den Zustand kann ich mich in Deutschland gar nicht mehr erinnern). Was mich zu der Befürchtung veranlasst, dass bei der Post samstags und sonntags insgesamt nicht gearbeitet wird; die Jungs gehören schließlich der Gewerkschaft an und mit denen ist hier wahrlich nicht zu spaßen.

Aber nun Schluss mit der Nörgelei – Hauptsache, die Post kommt überhaupt an. Vor einigen Wochen haben wir dann auch endlich eine schmerzlich vermisste Dezember-Ausgabe einer deutsche Sonntagszeitung erhalten. Die war zwar zugegebenermaßen nicht mehr topaktuell, aber im historischen Kontext doch wieder sehr interessant.

26. Juni 2006 at 08:51 Hinterlasse einen Kommentar

Saugen, nicht blasen

Als wir nach Kanada umsiedelten, ließ ich schweren Herzens meinen super-duper Staubsauger mit rollierender Bürste zurück, weil wir ihn wegen fehlender Netzspannung sowieso nicht hätten betreiben können. Ich ahnte nicht, welch folgenschweren Fehler ich damit beging.
Wir kauften uns hier auch keinen neuen Sauger, denn wir bekamen günstig einen von einem von Gerolds Mitarbeitern, der wieder zurück nach Deutschland ging. Es war eins von diesen Standmodellen, also keiner, den man hinter sich herzieht. Nicht mein Favorit, aber okay.
Auf den ersten Blick war mir das Gerät nicht unsympathisch, besonders beeindruckt war ich von den zwei Lampen, die links und rechts neben der Saugöffnung den Dreck beleuchteten. Frisch ging ich ans Werk, den Dreck hell erleuchtet immer im Blick. Das erste Zimmer war fertig gesaugt, als ich auf dem Rückweg feststellte, dass die zwei Lampen immer noch die gleichen Fussel beleuchteten wie auf dem Hinweg. Noch mal drüber, keine Änderung. Auch nach mehrmaligen, immer verzweifelter werdenden Saugerbewegungen das gleiche Bild. Irgendwann gab ich es auf und wir fuhren zu Canadian Tire und kauften einen neuen Sauger.
Ich hatte vorher schon die Prospekte studiert und ein Modell (mit rollierender Bürste) direkt ins Herz geschlossen. Qualität hat ihren Preis, so kannte ich es jedenfalls bisher, hier war ich mir plötzlich nicht mehr so sicher. Mein favorisiertes Sauggerät hatte nämlich durchaus seinen Preis und Gerold nutzte meine ganz untypische Unsicherheit auch sofort aus. Schlussendlich kam ich mit einem Sauger nach Hause, der ein Viertel meiner Nummer 1 gekostet hatte und – oh Wunder – er saugte wie Gift. Stank zwar auch so und war ganz schön laut, aber ich sah nur die Fussel verschwinden und war glücklich.

Bis gestern. Freitag = Putztag und was passierte? Der Staubsauger ging kaputt. Erst wurde er immer lauter und saugte immer weniger, dann überhitzte er und ging aus. Ich versuchte mit dem Handfeger zu retten, was zu retten war, aber letzten Endes kam der schwer arbeitende Mann am Abend nach Hause und fand ein nur halb sauberes Heim vor. Oben hui, unten pfui. Darüber hinaus musste der schwer arbeitende Mann natürlich seine Abendgestaltung überdenken.
Auf unserer Einkaufstour favorisierte ich als erstes wieder ein Modell mit rollierender Bürste (von Hoover), aber letztendlich wurde es doch ein kompakteres und wesentlich leichteres Modell (von Dirt Devil – das klingt schon so schön nach Fussel-Vernichtung) und am späten Abend war das Heim sauber und bereit für's Wochenende.

Happy wife, easy life.

24. Juni 2006 at 12:30 Hinterlasse einen Kommentar

Back to the roots

Normalerweise sieht man hier nur kanadische Fahnen an den Autos flattern – oder polnische wie während des Sterbens von Johannes Paul II. Mittlerweile besinnen sich aber immer mehr Torontonians auf ihre Wurzeln und so wehen die Fahnen von Brasilien, Ecuador, Portugal, Argentinien, Mexiko, Trinidad/Tobago, Korea, England, der Ukraine und auch ein paar aus Deutschland im Fahrtwind.
Auch wir sind zumindest in Teilzeit beflaggt, denn nach dem dritten Sieg der deutschen Mannschaft bekamen Gerold und seine Kollegen von ihrem Irish Pub statt Freibier ein paar Fahnen als Gastgeschenk (ein leckeres Beck’s hätte es auch getan). Das Ding macht aber auf der Autobahn solch einen Lärm, dass wir schon ernsthafte Befürchtungen hatten, dass es uns um die Ohren fliegt – und bevor uns die Polizei wegen Verkehrsgefährdung stilllegt, haben wir das patriotische Stück Stoff doch lieber wieder auf den Rücksitz gelegt.
Mich wundert allerdings, dass wir eine Flagge mit Bundesadler (eine sogenannte Bundesdienstflagge) bekommen haben, denn die wird eigentlich nur von den Bundesbehörden verwendet. Der gemeine Bürger soll die Bundesflagge (ohne Adler) schwenken. Da hat sich doch irgendeiner bei der Bestellung vertan. Oder liegt es am Flaggen-Notstand, dass nun alles auf den Markt geworfen wird, was irgendwie schwarz-rot-gold ist?

23. Juni 2006 at 09:33 Hinterlasse einen Kommentar

Die Lösung

In Deutschland manchmal ein Graus, mittlerweile schmerzlich vermisst, gibt es hier keinen TÜV, der die Funktionsfähigkeit der hiesigen Fahrzeuge in regelmäßigen Abständen kontrolliert. Stattdessen – was allerdings kein wirklicher Ersatz ist – wird zumindest eine Zulassungsuntersuchung durchgeführt. Das bedeutet, hat man sich vor 15 Jahren ein Auto gekauft und damals abnehmen lassen, musste man (sofern es immer noch fährt) in den letzten 15 Jahren nie wieder eine weitere Untersuchung über sein Gefährt ergehen lassen.
Ab einem bestimmten Alter kann man sein Auto dann einfach nicht mehr verkaufen, weil es niemals die Zulassungsuntersuchung bestehen würde und so fährt man es eben, bis es auseinanderfällt (das ist auch einer der Gründe, warum an fast jeder Straßenkreuzung Abschleppwagen auf ihre Opfer warten). Angeblich soll die Polizei besonders verkehrsgefährdende Vehikel still legen; dass sie sich aber sonderlich darum kümmert, konnte ich bisher nicht feststellen.
Fahrzeuge, bei denen ein Großteil der Karosserie von Bindfäden, Tesafilm, Paketklebe- oder Panzerband zusammengehalten wird, durchgerostete Türen oder Kotflügel, fehlende Türgriffe (immerhin zugespachtelt) oder selbst gebaute – und zumeist abenteuerlich konstruierte – Pick Up-Aufbauten würden bei mir durchaus den Tatbestand der Verkehrsgefährdung erfüllen. Im „land of the free“ sieht man das wohl anders. Dabei wäre die Einführung des TÜV das Patentrezept, um der lahmenden Autoindustrie kräftig unter die Arme zu greifen. Myriaden von Schrottkisten müssten ersetzt oder wenigstens ordentlich repariert werden. Ein wahres Fest! Ich verstehe gar nicht, dass noch niemand auf diese Idee gekommen ist.

22. Juni 2006 at 09:10 Hinterlasse einen Kommentar

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