Archive for Februar, 2007

Strollen wie ein VIP

Was passiert, wenn ein Paar jenseits der 35 sein erstes Kind bekommt? Richtig, es fällt erstmal auf die tolle Werbung rein und kauft all die innovativen Produkte, die das Baby von heute unbedingt braucht, damit daraus auch was wird. Und so zogen wir also los, um den Kinderwagen Xplory von Stokke zu kaufen, denn „Higher is Better“. (Natürlich haben wir hier auch das Sleepi Bett stehen und der Tripp Trapp Stuhl ist bereit, das noch nicht sitzende Kind aufzunehmen.)

Auch wenn wir von den Produkten nach wie vor überzeugt sind, hätte uns der furchtbar miserable Kundenservice (sowohl in Deutschland, als auch im Heimatland Norwegen und in den USA, die für Kanada zuständig sind) eigentlich von der getroffenen Kaufentscheidung abbringen müssen. Stokke tat sein Bestes, es uns unmöglich zu machen, den Xplory überhaupt zu kaufen. Die Homepage von Stokke listet zwar einige Händler auf, aber die hatten alle nur den Stuhl und weder das Bett (das uns schlussendlich ein Kollege von Gerold aus Deutschland mitbrachte) noch den Kinderwagen. Einzig der Super Safety Store in, Ihr ahnt es, Mississauga führte das gesamte Sortiment. Allerdings machte uns der Verkäufer von Anfang an klar, was er vom Xplory hielt, nämlich gar nix. Das gute Stück wäre einfach europäischer Schnick-Schnack und würde zum nordamerikanischen Lebensstil nicht passen. Warum das für einen Bugaboo aus Holland oder Peg Perego aus Italien nicht gilt, würde mich allerdings schon interessieren. Und was für einen Lebensstil überhaupt? Sei’s drum.

Wir haben den Xplory dann online bei einem Shop in Vancouver bestellt. Der konnte auch das Bassinet liefern, das der Super Safety Store nicht im Angebot hatte, da es aus Sicherheitsgründen in Kanada nicht zugelassen war (?). So weit, so gut. Richtig anstrengend wurde es dann, als der Kinderwagen endlich ankam. Dass die erste Lieferung defekt war, kann ja passieren; dass allerdings der Lieferumfang in der Zwischenzeit von Stokke geändert worden war und weder Stokke noch der Laden in Vancouver einen Handlungsbedarf sahen, war dann weniger witzig. Viele e-mails, Telefonate und Drohungen mit einem Anwalt später hatten wir dann endlich den Kinderwagen unserer Wahl und schieben ihn seither stolz durch die nähere und weitere Umgebung. Wir ziehen mit unserem Gefährt alle Blicke auf uns und so mancher Spaziergänger spricht uns auf den Wagen an. Bisher haben wir nur positives Feedback bekommen, aber die Nörgler schweigen sich vielleicht auch lieber aus und lästern hinter unserem Rücken.

Fazit: Wie gesagt, wir sind nach wie vor von den Stokke-Produkten überzeugt. Das Bett ist hier wesentlich teurer als in Deutschland, der Stuhl und der Kinderwagen nicht ganz so viel. Auf den Kundenservice gebe ich hier nichts, da ist man in Deutschland wohl auf der sichereren Seite. Aber das gilt nicht nur für Stokke; Garantien geben alle und Kundenzufriedenheit ist ein grosses Thema, aber in Punkto Verbraucherschutz und -rechte ist Kanada ein echtes Entwicklungsland.

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15. Februar 2007 at 22:23 1 Kommentar

Born to be breastfed

Die Deutschen sind schon wahre Weltmeister im Mütter-ein-schlechtes-Gewissen-einreden (man ist ja gleich eine Rabenmutter, wenn man nur daran denkt, dass man auch gerne mal wieder die Tageszeitung lesen würde), aber die Kanadier holen langsam auf. Zwar ist Stillen in der Öffentlichkeit immer noch ziemlich verpönt (nicht so schlimm wie in den USA, wo man als stillende Mutter schon mal aus dem Flugzeug entfernt wird), aber wozu gibt es schließlich diese tollen Ponchos, die man über sich und sein Baby werfen kann – Nipplegate lässt grüssen. Man sieht dann zwar nicht mehr, wer an der Brust hängt, aber so viele Möglichkeiten gibt es ja nicht.
Entscheidet sich die glückliche Mutter dennoch dafür, nicht zu stillen, geht die Hatz los. Denn auf Schritt und Tritt bekommt man eingetrichtert, wie gut Breastfeeding für Mutter und Kind ist und es gehört schon ein sehr gesundes Nervenkostüm dazu, sich selbst allen möglichen Krebsrisiken auszusetzen und ein zeitlebens krankes Kind gross zu ziehen. Ich stille zwar, aber selbst vor mir haben die Parolen der Jünger des Busens der Natur nicht halt gemacht.
Ich bekam mein Fett von der Public Nurse weg, die auf Wunsch junge Eltern betreut und ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen soll (erst erhält man eine telefonische Beratung und wenn man möchte, kommt sie auch noch mal vorbei). Obwohl meine Milch gut fließt und Fritzi wächst und gedeiht, habe ich so manche Stunde heulend darüber verbracht, dass ich nur acht- bis neun- statt zehnmal stille, sie manchmal zuviel Vor- und zu wenig Hintermilch bekommt (und deswegen grün in ihre Windeln pupst) und meine Milchbildung wegen all der Gedanken, die ich mir mache, sowieso bald zum Erliegen kommt. Als der kleine Wurm Blähungen hatte, wollte ich mich nur noch von Fencheltee ernähren, weil die Public Nurse meinte, dass Milchprodukte, Süßigkeiten, Kaffee und natürlich die üblichen Verdächtigen das Problem sein könnten (dabei wiege ich jetzt schon 4,5 kg weniger als vor meiner Schwangerschaft – ich brauche meine tägliche Ration Schokolade einfach!).
Zum Glück ist meine Kinderärztin eine sehr bodenständige Frau, und nicht fixiert auf’s Stillen, und hat mir erklärt, was eigentlich alles normal ist – und das ist eine ganze Menge!

Fazit: Da man gefragt wird, ob man die Beratung der Public Nurse in Anspruch nehmen möchte, würde ich davon abraten. Denn Stillen ist erklärte Politik der Stadt Toronto und deshalb das Allheilmittel für alles und quasi der Lebensmittelpunkt einer jeden Mutter. Ich finde, das sollte lieber das Baby sein und Ratschläge kann man sich bei erfahrenen Müttern mindestens genauso gut holen.

PS: Auch den Geburtsvorbereitungskurs kann man sich eigentlich sparen – oder zumindest nicht so ernst nehmen. Wir haben den Kurs im Mount Sinai gemacht und gingen davon aus, dass die Trainerinnen daher auf dem neusten Stand seien. Falsch gedacht! Abgesehen davon, dass sie das Thema Geburt, Wehen und Schmerzen völlig verklärt dargestellt haben und der Kaiserschnitt in ihrem Weltbild praktisch gar nicht existierte, hatten sie auch keine Ahnung davon, welche Prozesse bei der Geburt und danach im Krankenhaus ablaufen oder welche Schmerzmittel aktuell angeboten werden. Unsere Ansicht nach 140,- verschenkte Dollar und sechs verpatzte Abende.

13. Februar 2007 at 11:41 1 Kommentar


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