Archive for Januar, 2006

High Efficiency

Heute habe ich endlich das Rätsel gelöst, warum unsere kanadische Waschmaschine dreimal so teuer ist wie unsere deutsche. Sie ist nämlich auch dreimal so schwer!
Unsere Waschmaschine steht im Keller auf einer Palette und hatte sich beim Schleudern etwas verschoben, sodass sie mit einem Fuss in einem Zwischenraum stand. Selbst ist die Frau, also wollte ich sie mal eben wieder richtig hinstellen. Das war gar nicht so einfach und hat mich dazu bewogen, sie mir noch einmal genauer anzuschauen. Und dabei bin ich darauf gekommen, dass es das High Efficiency sein muss, das so schwer ist. Als High Efficiency werden hier nämlich die Waschmaschinen bezeichnet, die man von vorne belädt, deren Trommel sich horizontal dreht und die eine Wasserheizung haben (dafür gibt es sogar spezielles Waschmittel, das ich natürlich auch verwende). Die normale Waschmaschine ist ein Toplader mit sich vertikal drehender Trommel (wobei sich die Wäsche wegen der Gravitation natürlich nicht mitdreht) und ohne Heizung. Das Wasser ist eben so heiß, wie es aus dem Hahn kommt. Kühlt es im Laufe des Waschvorgangs ab, ist es halt kalt.
Was mich jetzt noch bewegt, ist die Frage, warum die nicht einfach ein leichteres High Efficiency aus Deutschland eingebaut haben. Die Maschine ist nämlich „Made in Germany“ und wie der indische Verkäufer so schön sagte „will last a lifetime“.

Advertisements

31. Januar 2006 at 16:17 Hinterlasse einen Kommentar

Moneytalk

Als ich noch in Deutschland gewohnt habe, habe ich immer gedacht, dass Nordamerika das Land der Erfindungen und Innovationen sei. Natürlich weiß ich, dass Nordamerika ein Kontinent ist und USA und Kanada Länder, aber ich habe da nicht gross unterschieden. Die einen spielen gerne Krieg und könnten ihre Allgemeinbildung optimieren, die anderen haben viel Gegend und töten Robbenbabys, weil sich Pelzhandel leider immer noch lohnt.
Trotzdem dachte ich, dass hier in jedem Haushalt ein Multimedia Center steht, die Kühlschränke sich ihre Einkaufslisten selbst schreiben, im Supermarkt alle Einkäufe vom Einkaufswagen gescannt und beim Rausgehen automatisch abgerechnet werden und eben alles viel technisierter ist als in Deutschland.

In Wirklichkeit ist das Ende der technischen Fahnenstange mit dem Blackberry erreicht, an dem sich alle festhalten, seit man in Kneipen und Restaurants nicht mehr rauchen darf. In die Kühlschränke passt zwar der Hirsch vom letzten Jagdausflug rein, aber man muss froh sein, wenn der Eiswürfelbereiter ohne Probleme funktioniert. Komme ich im Supermarkt an die Kasse, nehme ich mir für die Wartezeit erstmal eine der Zeitschriften aus dem Regal, denn die Self Scan Kassen meide ich mittlerweile, weil mich all die Fehlermeldungen einfach kirre machen. Die Anschaffung eines Multimedia Centers ist für die Dauerwerbesendungen auf allen Kanälen, unterbrochen von fünfminütigen Spielfilmeinspielungen, nicht zu rechtfertigen.

Das alles ist gar nichts im Vergleich zum Bankenwesen! Überweisungen, Bankeinzug, Online Banking, Kontoauszugsdrucker? Wo kommen wir denn her? Natürlich kann man hier, wo in Deutschland das freundliche Schild steht „Kreditkartenzahlung erst ab 10,- Euro“, getrost seine Bagel-Combo für 4,50 mit seiner Visa-Karte zahlen. Es ist aber nicht möglich, eine Rechnung zu überweisen. Das scheitert schon allein daran, dass nirgendwo Kontoverbindungen angegeben werden. Was macht man stattdessen? Richtig, man zahlt per Scheck. Handwerkerrechnungen, TV-Gebühren, Handy-Rechnung, Strom, Gas, sogar die Miete – alles per Scheck. Mittlerweile haben wir es geschafft, die Kosten für Wasser, Strom und Gas einziehen zu lassen und auch das Gehalt wird überwiesen.
Doch die Geschichte endet ja nicht damit, dass wir einen Scheck ausstellen und den weitergeben. Der Scheck kommt auch irgendwann per Post wieder zu uns zurück, damit wir ihn ablegen können. Schön abgestempelt von beiden Banken und manuell zu unserem von der Bank ausgedruckten Kontoauszug dazu sortiert. Wenn man nämlich selber einen Kontoauszug am Geldautomaten ausdruckt, kostet das extra Gebühren. Kostenlose Gehaltskonten gibt es hier auch nicht, also hat man die monatlichen Gebühren. Dispokredite kennt man ebenfalls nicht; überzieht man, kostet das Gebühren. Vereinbart man mit der Bank, dass nicht überzogen werden darf und geht dann ein Scheck zurück, kostet das Gebühren. Schecks muss man der Bank natürlich auch abkaufen, dafür gibt es aber auch verschiedene Designs.


Unsere Bank hat übrigens im Financial District ein Gebäude mit einer vergoldeten Fassade stehen. Angeblich spart das Energie.

31. Januar 2006 at 14:29 Hinterlasse einen Kommentar

Bescherung

Gerold weilte in der letzten Woche in heimischen = deutschen Gefilden, was mir die Gelegenheit gab, wieder einmal einen ausführlichen Wunschzettel zu schreiben. Diesmal gab es unter anderem Bücher, Gesellschaftsspiele und Hörspiele bzw. -bücher von Amazon, zwei Hui Buh T-Shirts nebst Cassette mit Folge 22, Kräutersalz von Bad Reichenhaller (mittlerweile mit Folsäure; ob die das machen, damit mehr Kinder geboren werden?), eine Zackenschere und zwei Flaschen deutschen Wein. Ein paar Dinge vermisst man in der Ferne eben doch oder bekommt sie nicht so, wie man sie lieb gewonnen hat. Tempotaschentücher und Maggi standen ausnahmsweise nicht auf der Liste, davon haben wir mittlerweile einen kleinen Vorrat (zumindest bis zum nächsten Besuch).
Außerdem hatte Gerold ein paar Geschenke für mich im Gepäck, einige noch zu Weihnachten und andere einfach nur so. Wie nett! 🙂
An dieser Stelle gilt mein herzlicher Dank Elfriede (Judith, richtest Du es aus?), Hedda, Nicole und Tobias für die schönen Überraschungen! Ich habe mich sehr gefreut! Für die Ahoi-Brause werde ich mir wohl einen Flachmann Wodka kaufen müssen, um dieses seltsame Getränk mal auszuprobieren.

Deutschland und sogar Hamburg heute in den Nachrichten: Angie in Nahost, Jacko winkt den Fans zu.

30. Januar 2006 at 14:31 Hinterlasse einen Kommentar

Hamburger Winter

DSC00405.JPG

Nachdem wir nun diesen grandiosen Sommer (Socken im Mai aus- und im Oktober wieder angezogen, wann hat man das schon mal in Deutschland?) mit wahrlich tropischen Temperaturen hatten (außer während dieser zwei Wochen im August, als wir Besuch aus Hamburg hatten, aber wir brauchten den Regen dringend), also nach diesem super Sommer brach das längst besiegt geglaubte Deutsche-Jammer-Virus dann im Januar doch bei mir aus. Denn genau bis Weihnachten hatten wir auch einen herrlichen Winter mit viel Schnee und Sonnenschein. Doch dann folgten die grauen Regentage, die ich aus Hamburg so gut kenne und endlich konnte ich allen Freunde per e-mail Trost zusprechen, wenn sie mal wieder über’s deutsche Wetter schimpften.
Diese Woche dann der Durchbruch, knacke kalt, Sonnenschein und strahlend blauer Himmel. In der Sonne brachen bei meinen Gartenbewohnern direkt Frühlingsgefühle aus. Der sehr freundliche Kellner eines sehr guten italienischen Restaurants, das wir gestern entdeckten (Villa, 2277 Bloor Street West), warnte uns zwar vor dem heutigen Schnee, aber das konnte unsere Laune nicht trüben. Ganz im Gegenteil!
Wäre es kalt geblieben, wäre das, was heute in Mengen vom Himmel fällt, sicherlich prima Schnee gewesen. So schwelgen wir doch in Erinnerungen an unsere Hamburger Winter.

29. Januar 2006 at 09:57 Hinterlasse einen Kommentar

Medienalltag

Da ist man in Deutschland ja echt verwöhnt. Man regt sich ein bisschen über die GEZ auf, baut dann die Satellitenschüssel auf oder die DVB-T Antenne und genießt eine Menge frei empfangbarer Programme. Manchmal durch Werbung unterbrochen, aber in der Zeit kann man prima die Wäsche aufhängen, die Gläser auffüllen oder auf Toilette gehen.
Dann kommt man hierher und stellt erstmal fest, dass auch hier nix umsonst ist. So weit, so gut. Dass man fast gar keine Programme empfangen kann, ohne dafür zu bezahlen, ist der erste Schreck. Der Preis, den man zahlen muss, wenn man sich dann doch zu einem Abonnement durchgerungen hat, der zweite. Dass dann die Spielfilme alle 8 Minuten für einige Minuten Werbung unterbrochen werden (mit steigender Tendenz zum Ende des Films), führt dazu, jeden Besucher mit einem DVD-Paket von Amazon zu versorgen und den Fernseher nur noch einzuschalten, um sein Englisch zu verbessern.
Radio hören ist ähnlich, aber hier gibt es wenigstens noch einen Nachrichtensender, der wenig Werbung ausstrahlt. Alle anderen Sender bringen ihre Werbung auch gern zur gleichen Zeit, so dass man ihren Botschaften irgendwie nicht entkommen kann, es sei denn, man schaltet ab.
Der Abschluss eines Handy-Vertrages ist ein besonderes Vergnügen. Man zahlt eine Grundgebühr, eine Zugangsgebühr, eine Gebühr, um den Notruf wählen zu dürfen. Hinzu kommen die Kosten für eingehende (!) und ausgehende Anrufe, SMS, MMS und was es sonst noch gibt. Dann gibt es Zuschläge für Ferngespräche und natürlich die Auslandsgespräche. Irgendwie hatte ich mir die Neue Welt anders vorgestellt.

28. Januar 2006 at 08:57 Hinterlasse einen Kommentar

metric vs. imperial

Auch in Kanada gilt eigentlich das metrische Maßsystem. Also km/h statt Meilen (1 km = 0,6214 mile), Celsius statt Fahrenheit (C=5/9 x (F-32) oder F=9/5 x C + 32), Liter statt Gallonen (1 l = 0,26417 gal), Kilogramm statt Pfund (1 kg = 2,2046 lb) und Meter und Zentimeter statt Fuss (= 0,3048 m) und Inch (= 2,54 cm).
So ganz hat die Umstellung allerdings doch nicht geklappt: Mein Herd backt in Fahrenheit (zum Glück hat unser Grill auf der Veranda ein Thermometer mit beiden Skalen), die Familienpackung Orangensaft fasst 3,78 l (= 1 gallon) und bei Obst und Gemüse wird der Preis für das Pfund ausgewiesen, denn dann ist es ja günstiger.
Völlig fehlgeschlagen ist die Einführung von Metern und Zentimetern. Man braucht gar nicht versuchen, im Baumarkt irgendetwas in m oder cm zu kaufen. Die Antwort lautet dann gerne „I don’t speak centimeters“, abgesehen davon, dass Baumaterialien ausschließlich in foot oder inch ausgezeichnet sind. Zum einen liegt das sicherlich daran, dass die USA, als größter Abnehmer von Baumaterialien, nicht auf das metrische Maßsystem umgestellt haben (siehe auch „Quarter Pounder with Cheese“!). Zum anderen muss man einmal gesehen haben, wie Bauunternehmen eine Neubausiedlung mit mehreren Hundert Häusern in 3 bis 4 Monaten hochziehen, um sich vorzustellen, dass die ein Wörtchen mitzureden haben. Einen Neubau in m und cm zu bauen, würde ja nicht nur bedeuten, dass alle Standard-Baumaterialien zurecht geschnitten werden müssten, auf einmal bräuchte man Türöffnungen von ca. 81,3 cm statt 32 inch oder Fenster mit etwa 86,4 cm statt 34 inch. Und auch wenn die Hersteller von Baumaterialien mitziehen würden, sind immer noch Küchen, Haushaltsgeräte, Möbel usw. in inch hergestellt. Von den alten Häusern, in die bei einem Umbau nichts mehr passen würde, ganz zu schweigen.
Das bedeutet also für uns: 1 inch ist in 16tel unterteilt, 12 inch sind 1 foot, 3 feet sind 1 yard. 1 m sind etwa 39 3/8 inch oder 1 foot und 3 3/8 inch oder 1,0936 yard. Viel Spaß beim Umrechnen von Bauzeichnungen!

27. Januar 2006 at 11:46 Hinterlasse einen Kommentar

ACDC

alte_Verkabelung2.JPG

Wenn man aus Indien nach Kanada kommt, freut man sich sicherlich darüber, nahezu zu jeder Zeit eine 110 Volt Stromversorgung zur Verfügung zu haben. Wenn man aus Deutschland kommt, sind das mindestens 110 Volt zu wenig. Das hat aber nicht nur Nachteile wie beim Wasserkochen, wo erst das Wasserkocher-Kabel heiß wird, dann lange Zeit gar nichts passiert, das Wasser aber doch irgendwann kocht. Oder der Staubsauger, der den Dreck zwar schön beleuchtet, nur leider nicht aufsaugt. Plötzlich mussten wir im Sommer nicht mehr mit dem störenden Kabel beim Rasenmäher oder Hochdruckreiniger kämpfen, die haben hier nämlich einen Benzinmotor. Man versengt sich beim Fönen auch nicht mehr die Kopfhaut, denn so heiß wird der Fön einfach nicht. Und außerdem revidiert man seine Vorurteile über die indischen Mitbürger, wenn man sie als Betreiber des 220 Volt Shops kennenlernt und sie einen mit Adaptern und Transformatoren ausstatten, um die mitgebrachten Elektrogeräte zu betreiben.

26. Januar 2006 at 13:51 Hinterlasse einen Kommentar

Ältere Beiträge


Aktuelle Beiträge

Januar 2006
M D M D F S S
    Feb »
 1
2345678
9101112131415
16171819202122
23242526272829
3031  

Feeds