Archive for Februar, 2006

Doggy Bag

Mittlerweile liegt zwar wieder Schnee, aber in der letzten Woche konnte man den Frühling schon riechen, die Leute flanierten die Bloor Street entlang und die Gemüsehändler schützten ihre Auslagen auf dem Bürgersteig mit riesigen Schirmen gegen die Sonne. Im nahegelegenen Park führten die stolzen Hundebesitzer ihre hüpfenden Vierbeiner aus und ich konnte mal wieder ein bemerkenswertes Phänomen beobachten. Hat nämlich der kleine oder auch grosse Wadenbeißer sein Geschäft gemacht, zückt Herrchen oder Frauchen eine Plastiktüte und sammelt seine Hinterlassenschaft wieder ein. It’s the law! Und jeder hält sich daran. Bürgersteige, Spielplätze, Wiesen und Wanderwege – alles haufenfrei. Ob flüssig oder fest, etwaige Ernährungsfehler liegen dem treusorgenden Hundeliebhaber klar auf der Hand.
Manchmal ertappe ich mich noch dabei, dass ich dem Frieden nicht traue und die jahrelang antrainierten Stadtparkwieseschlangenlinien laufe; dann halte ich einen Moment inne, freue mich und schaue mir den plätschernden Fluss an, während ich über den Rasen spaziere.

28. Februar 2006 at 12:09 Hinterlasse einen Kommentar

Weekend Warriors

Samstag ist ein toller Tag, um in den Baumarkt zu gehen oder zu Ikea oder zu Canadian Tire. Sontag ist noch tollerer, aber Samstag ist auch schon gut. Denn samstags fällt der Startschuss für das Project Weekend. Bisher kannte ich Projekte nur aus dem Berufsleben, schließlich war ich mal Projektleiterin. Hier aber kann jeder sein Projekt haben. Wohnzimmer streichen, Badezimmer fliesen, Garagentor auswechseln, neue Möbel für’s Esszimmer – alles Projekte. Und zwar Wochenend-Projekte.
Deshalb laufen samstags lauter vorfreudige Menschen durch die einschlägigen Geschäfte und kaufen all die Zutaten für ein erfolgreiches Projekt ein. Sonntag kann man die gleichen Leute wieder treffen, je nach persönlicher Charakterstärke sind sie zweck-optimistisch, verzweifelt oder stink-sauer, denn die ersten Rückschläge haben sie schon einstecken müssen und das Wochenende neigt sich dem Ende entgegen. Langsam aber sicher realisieren sie, dass sie sich in der kommenden Woche in einem bestenfalls halb fertigen Badezimmer waschen werden, dunkelbraune W
ände im Wohnzimmer doch irgendwie depressiv machen und schwer überzustreichen sind und sie das ganze Gerümpel aus der Garage irgendwo unterbringen müssen.
Nur das neue Esszimmer ist ein Hit, den Ikea hat einen Aufbauservice und der kommt am Mittwoch. Dafür muss man zwar einen Tag Urlaub nehmen, aber mit 15 Tagen pro Jahr kann man schon ein wenig prassen.

27. Februar 2006 at 09:39 Hinterlasse einen Kommentar

Under Construction Part Two

Powderroom_Rahmen.JPG Wohnzimmer_Drywall.JPG

Um die Übergänge und Schraubenlöcher in den Drywalls zu verdecken, werden mehrere Lagen Mörtel (Plaster) aufgetragen. Das Zeug muss am Ende abgeschliffen werden (und dieser Staub findet seinen Weg in wirklich jede Ecke), dann werden die Drywalls vorgestrichen und danach mit mindestens zwei Schichten Wohnraumfarbe versehen. Spart man sich den Voranstrich, tut man sich damit keinen Gefallen. Drywalls saugen Farbe auf wie ein Schwamm und da die Deckkraft der hiesigen Farben sehr zu wünschen übrig lässt, ist man mit solchen Wänden einige Zeit beschäftigt.
Überhaupt Farbe: Kommt man in einen Farbenladen oder Baumarkt, wundert man sich als erstes darüber, dass man nur weiße Farbe kaufen kann. Dann fallen die 17358 Farbkarten auf. Jede Farbe wird sozusagen nach persönlichen Wünschen gemischt. Dazu holt man sich die weiße Grundfarbe mit dem passenden Sheen (davon hängt z.B. die Abwischbarkeit ab und wie gut Unebenheiten im Plaster kaschiert werden) aus dem Regal, zeigt die Farbkarte seiner Wahl vor und verlässt den Laden mit dem Blau seiner Träume.
Das Plywood der Außenwände wird entweder mit einer Art Klinkertapete oder Stucco vorzeigbar verkleidet. Es gibt aber mittlerweile auch Häuser, die tatsächlich verklinkert werden. Wir haben uns für Stucco entschieden. Dazu wird das Haus zuerst mit Styropor verkleidet, das kennt man ja. Neu war für mich, dass auch Fenstersimse, Ziermauern oder was man sonst noch als Verzierung anbringen kann, aus Styropor gemacht werden. Darauf wird ein Mörtel aufgetragen und zum Schluss eine Masse, die dem Haus die Farbe und dem Anstrich die Struktur gibt. Bei uns war ein Trupp polnischer Handwerker eine Woche lang damit beschäftigt. Sie waren nicht nur super schnell, sondern auch ausgesprochen professionell und ordentlich. Ich habe in Deutschland noch nie einen Handwerker erlebt, der jeden Abend so pikobello aufgeräumt hat. Und wir hatten insgesamt grosses Glück mit unseren Handwerkern, obwohl unser Team schon sehr international war. Der Bauleiter war Italiener, die Eltern unseres Zimmermanns Portugiesen, der Kaminbauer war Ire, der Heizungsbauer Pakistani, die Architektin kam aus Kroatien, der Maler und einige zusätzliche Handwerker, die Engpässe überbrückt haben, waren auch Polen. Der Klempner und der Gehilfe des Zimmermanns waren Kanadier, zumindest deren Familien seit mehreren Generationen.
Fortsetzung folgt im dritten Teil!

24. Februar 2006 at 08:00 Hinterlasse einen Kommentar

Men at Work

20060222Toronto 002.jpg

Wenn es mittags so aussieht, war die Müllabfuhr da. Wir dürfen jeden zweiten Mittwoch sechs (!) Behälter mit je 20 kg Müll an die Strasse stellen. Das ist eine ganze Menge für einen 2-Personen-Haushalt und mir ist es schon fast peinlich, dass Gerold alle zwei Wochen eine nur halb volle Mülltonne vorne aufstellt. Aber ich denke dann an den folgenden Mittwoch und mir wird wieder wohler zumute. Denn dann wird der Recyclingmüll abgeholt und da schlägt meine Stunde! Altpapier, Plastik und Glas, manchmal muss Gerold dreimal laufen, bis alles an seinem Platz ist. Und wenn ich dann einkaufen gehe, gönne ich mir einen triumphierenden Blick auf die traurige Ausbeute unseres Nachbarn.

23. Februar 2006 at 09:07 Hinterlasse einen Kommentar

Kundenservice

Bei mir ist der Kunde noch König. Schließlich komme ich aus der Logistik und da ist der Servicegedanke ganz wichtig.
Der geneigte Leser kann sich auf der Fotoseite nun auch unsere Home Story anschauen. Allerdings habe ich darauf verzichtet, mich dekorativ auf’s Sofa zu setzen oder fröhliche Nachbarskinder, in Ermangelung eigener, um den Küchentisch zu drapieren.
Alle Fotos öffnen sich mit einem Klick nun auch vergrößert auf einer neuen Seite (mein herzlicher Dank gilt heute Frank – reimt sich!).

22. Februar 2006 at 14:31 2 Kommentare

Das bisschen Haushalt

schrubber.jpg

Im letzten August hatten wir lieben Besuch von Freunden aus Hamburg, die sich zwar über meinen Mitbringselwunsch „Schrubberbürste mit Schraubgewinde“ sehr gewundert haben, peinliche Fragen vom Zoll dennoch in Kauf nahmen und das ersehnte Reinigungsutensil mitbrachten. Es waren ja auch noch andere Sachen auf der Liste und vielleicht hätte der Zoll diese Merkwürdigkeit unter all den anderen auch übersehen.
Warum ich gerade eine Schrubberbürste haben wollte? Dazu muss man wohl einmal gesehen haben, wie eine Reinigungsfachkraft einen öffentlichen Fußboden, z.B. im Food Court einer Mall, mit einem Wischmop ’sauber‘ macht. Dabei verteilt sie gleichmäßig die zuvor eingefangenen Unsauberkeiten und auch diejenigen vom Vortag (oder aus der Vorwoche, dem Vormonat…), die sich noch nicht unwiederbringlich mit den Mopfransen verfilzt haben. Schon allein bei dem Gedanken an all die Keime, die unter meinen Schuhsohlen eine Riesen-Party feiern, wird mir ganz anders. Nun bin ich zwar dafür bekannt, dass ich immer ein Sagrotan-Tüchlein dabei habe, um für die notwendige Umgebungshygiene zu sorgen, allerdings haben die monatelange Bauphase und die diversen Katzen, die sich auf meiner Veranda übergeben (nachdem sie das Futter reingeschlungen haben), dazu geführt, dass ich diese Phobie größenteils überwunden habe. Ich desinfiziere mittlerweile nur noch die Toilettenbrillen in Hotelzimmern. Dennoch finde ich eine gewisse Fußbodengrundsauberkeit schon wichtig und suchte zu diesem Zweck im Supermarkt das Regal mit den Reinigungsgeräten auf. Mops so weit das Auge reicht, aber kein einziger Schrubber! Und das in einem Land, in dem es Raumsprays (wozu auch lüften?) gibt, die 99,9% der geruchsbildenden Keime abtöten. Da kam mir dann unser nahender Besuch in den Sinn und seit dem kann ich glücklich unsere Fußböden schrubben.

22. Februar 2006 at 10:58 Hinterlasse einen Kommentar

Under Construction Part One

Bad_ohne_Boden.JPG

Zum Glück kann ich nur etwas über das Umbauen und Ausbauen sagen, Neubau und Anbau blieben mir erspart. Aus sicherer Quelle weiß ich aber, dass auch das bzw. das Ergebnis oft keine wahre Freude ist.
Im März 2005 haben wir ja ein kleines, und wie wir dachten nur oberflächlich zu renovierendes, Häuschen in Toronto gekauft. Wir wurden bald eines besseren belehrt und schlussendlich haben wir das gesamte Haus entkernt (und zwar komplett!) und quasi wieder erneuert gebaut. Das kann einem auch in Deutschland passieren, es ist sogar sehr wahrscheinlich, allerdings kennt man sich dort mit der Bauweise aus und weiß, wie die verschiedenen Werkzeuge und Baumaterialien heißen. Wenn man hier nach einem Zementschleierentferner sucht, ist das schon schwieriger. Die meisten von Euch kennen unsere Umbaugeschichte nur zu gut und da sie allein schon ausreichen würde, um ein Blog zu füllen, will ich nicht mehr näher darauf eingehen, sondern nur ein paar Highlights wiedergeben, an die ich mich immer wieder gerne erinnere.
Um hier ein Haus zu bauen, braucht es nicht viel: Holzbalken (two by four, dazu später mehr), Spanplatten (Plywood), Rigipsplatten (Drywall) und Dachpappe (Shingles) – fertig! Da werden keine Wände gemauert oder Betondecken eingezogen, das würde viel zu lange dauern (am beliebtesten sind die Sendungen auf HGTV – Home and Garden Television, in denen ganze Häuser innerhalb einer Woche renoviert werden oder wahlweise zum Teil an einem Wochenende).
Dreh- und Angelpunkt eines jeden Baus sind die two by fours; immer wenn es darum ging, wie wir dieses oder jenes am besten machen könnten, sollten wir einfach ein paar two by fours nehmen, sie wahlweise irgendwo festnageln oder -schrauben und schon hat man ein Gäste-WC gebaut oder ein Fenster verkleidet. Es war hinterher schon richtig witzig! Two by four bedeutet, dass der Holzbalken zwei mal vier Inches mißt. Natürlich gibt es auch andere Abmessungen, die sind aber längst nicht so populär (gerne werden auch zwei two by fours statt eines dickeren Balkens genommen). Dabei mißt ein two by four gar keine zwei mal vier, sondern nur 1,5 mal 3,5 (das ist zum einen peinlich, wenn man mit dem two by four in der Hand im Baumarkt genau nach eben diesem Balken fragt oder sich blind darauf verlässt und exakt diese Maße braucht). Das kommt daher, dass beim Hobeln ein halbes Inch verloren geht, der Balken aber ursprünglich dieses Maß mal hatte.
Wenn dann erst einmal die Holzkonstruktion steht, werden von innen Drywalls und von außen Plywood angebracht. Dazwischen kommt wenigstens noch Isolierung. Bilder oder noch schlimmer Schränke aufhängen wird so wieder zum Abenteuer. Trifft man den Balken oder trifft man ihn nicht? Interessant ist auch, wie die Elektrokabel in diesen ‚Wänden‘ verlegt werden. Dazu bohrt man einfach Löcher durch die Balken, fädelt das Kabel durch und bringt Steckdosen und Schalter dort an, wo sich ein senkrechter Balken befindet. Zum Schutz (gegen die Isolierung?) werden die Dosen mit Folie umwickelt. Mit Wasserleitungen, aus Kunststoff und daher flexibel, läuft es ähnlich.

neue_Verkabelung2.JPG

Weiter geht’s im zweiten Teil!

21. Februar 2006 at 09:55 1 Kommentar

Ältere Beiträge


Aktuelle Beiträge

Februar 2006
M D M D F S S
« Jan   Mrz »
 12345
6789101112
13141516171819
20212223242526
2728  

Feeds