Archive for Oktober, 2006

Happy Halloween

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31. Oktober 2006 at 10:16 2 Kommentare

Im Dunkeln ist gut munkeln

Gestern wurde unser kleines Tal von etwas heimgesucht, das man wohl als steife Brise hätte bezeichnen können. In Hamburg hätte ich meinen Mantelkragen hochgeschlagen und meinen Tagesablauf ansonsten nicht weiter geändert. In Hamburg sind aber auch die Stromleitungen unterirdisch verlegt und laufen damit nicht Gefahr, Opfer fallender Äste oder ganzer Bäume zu werden. Hier ist das nun mal anders und nach einigen kurzen Aussetzern im Laufe des Vormittags blieb mein beleuchteter Kürbis ab viertel vor zwölf dauerhaft dunkel.
Irgendwann so gegen 15 Uhr riefen wir bei Toronto Hydro an, um zu erfahren, wie lange dieser Zustand wohl noch dauern würde. Aber dort lief vorsorglich eine Bandansage, in der alle betroffenen Gebiete in und um Toronto herum aufgezählt wurden (das waren nicht wenige) und die mit der Versicherung endete, dass man an dem Problem arbeiten würde.
Als das Tageslicht zu schwinden begann, sind wir dann doch noch einmal losgefahren und haben uns mit einer Campinglampe und Batterien versorgt – man weiß ja nie. Doch kurz nach 19 Uhr war der Spuk dann vorbei. Für’s nächste Mal sind wir jetzt vorbereitet und waren doch wieder einmal froh, dass wir einen Gaskamin und -herd haben und, auch wenn wir im Dunkeln sitzen, nicht frieren und hungern müssen.

PS: Wenn Ampeln ausfallen und kein Polizist den Verkehr regelt, gilt an Kreuzungen offensichtlich die All-Way-Stop-Regelung. Sehr angenehm, wenn man aus einer kleinen Straße kommt, nach links abbiegen will und sich nach seinen Erfahrungen mit deutschen Vorfahrtsstraßen schon auf eine stundenlange Wartezeit eingestellt hat.

30. Oktober 2006 at 12:12 Hinterlasse einen Kommentar

Stephen says

Am Abend seines Sieges hatte die Welt des Stephen Harper noch einen gewaltigen, wenn auch eingebildeten, Blaustich. Die Kanadier hätten den Wechsel, also ihn, gewählt und er würde ihnen geben, was sie wollten: Abschaffung der staatlichen Kinderbetreuung, härtere Verbrechensbekämpfung, neue Transparenz in Ottawa, Kürzung der GST und garantierte Wartezeiten für Patienten. Mittlerweile wird seine Welt immer oranger und roter und in dieser Woche hat er sich nun bitterlich darüber beschwert, dass die Opposition alle seine schönen Gesetzesvorhaben, für die ihn die Kanadier schließlich gewählt hätten, zu Fall bringen würde.

Und während wir uns eine Träne aus dem rechten Auge reiben, rufen wir ihm zu „Welcome to the world of minorities!“.

28. Oktober 2006 at 09:56 Hinterlasse einen Kommentar

Auf der Flucht

Am letzten Donnerstag hatten wir schon das Gefühl, mitten in die Dreharbeiten zu einem Politthriller hineingeraten zu sein. Um kurz nach 21:00 waren wir auf dem Weg aus Downtown raus zurück nach Hause, als kurz vor der Union Station zwei Polizisten die Kreuzung sperrten. Da das Royal York Hotel gleich nebenan ist, freuten wir uns schon auf eine Promi-Sichtung, den wir in seiner Limousine aber wahrscheinlich doch nicht erkannt hätten. Die Freude währte nicht lange, denn die Polizisten sperrten nur den Querverkehr und winkten uns zur Weiterfahrt durch. Wir dachten uns nichts weiter, fuhren auf die Stadtautobahn und wunderten uns dann, dass außer uns so gut wie kein Auto zu sehen war. Das allein ist schon ein Grund, sich in einer anderen Dimension zu wähnen, denn der Gardiner Expressway ist zu so ziemlich jeder Tages- und Nachtzeit hoffnungslos verstopft.
Dann kamen wir an der nächsten Auffahrt vorbei und sahen wieder einen Polizisten, der die Auffahrt sperrte. Folgerichtig schlossen wir daraus, dass der Promi hinter uns sein müsste und Gerold verlangsamte erstmal die Fahrt, damit wir ihn vielleicht doch noch sehen könnten. Immer wieder rasten Polizisten auf ihren Motorrädern an uns vorbei (alle Polizei-Harleys aus ganz Kanada schienen im Einsatz zu sein) und einer von ihnen forderte uns dann auch unmissverständlich auf, mal einen Zahn zuzulegen. Mit 60 km/h über die Autobahn zu zuckeln, war vielleicht auch etwas übertrieben. Irgendwann sahen wir dann ganz weit hinter uns eine Kolonne mit Blinklichtern, aber da waren wir auch schon kurz vor unserer Ausfahrt. Die wir im Übrigen sowieso hätten nehmen müssen, da sich dort schon ein weiterer Polizist aufgebaut hatte und uns rauswinkte. Wir waren gerade abgefahren, da raste die Kolonne auch schon vorbei.

Wer jetzt tatsächlich so wichtig war, dass für ihn die gesamte Autobahn gesperrt wurde, wissen wir bis heute nicht. Vielleicht war es sogar unser Premierminister, der Mittwoch und Donnerstag in Toronto war, auf dem Weg zum Flughafen. Dafür würde auch sprechen, dass wirklich alle Fahrzeuge die Autobahn verlassen mussten und nicht einmal ein Überholmanöver riskiert wurde. Wir waren jedenfalls froh, vor ihm durchgekommen zu sein, denn in dem Verkehrschaos nach Aufhebung der Sperre möchte ich nicht gesteckt haben wollen.

26. Oktober 2006 at 08:40 Hinterlasse einen Kommentar

Exil Kanada

Das us-amerikanische Rechtssystem war ja schon für manche Kontroverse und Überraschung gut, doch nun treibt es die Kanadier auf die Barrikaden. Am Montag erstmals in den Nachrichten, sorgt der Fall eines verurteilten Sexualstraftäters seitdem für heftige Debatten.
Der Fall ist dieser: Malcolm Watson, ein Lehrer aus Buffalo, wurde mit einer 15-jährigen Schülerin bei sexuellen Handlungen auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums erwischt. Wie der Deal zustande kam ist nicht bekannt, fest steht, dass Mr Watson die Wahl hatte zwischen einem Jahr Gefängnis in den USA oder drei Jahren Bewährung in Kanada. Dreimal darf man raten, für welche Alternative er sich entschieden hat. Nun wohnt Mr Watson mit seiner kanadischen Frau und deren drei Söhnen in Fort Erie und fährt dann und wann rüber in die USA, um sich mit seinem Bewährungshelfer zu treffen.
Während Premier Dalton McGuinty bereits angekündigt hat, dass für Mr Watson kein Platz in Ontario sei, sind nun alle Augen auf den Federal Immigration Minister Monte Solberg und dessen Vorgehen in diesem wohl einmaligen Vorfall gerichtet.

Wäre nicht gerade Kanada als Exil gewählt worden, würden manche Kritiker vielleicht sogar die Kreativität und Innovation und die Möglichkeiten, die sich uns bieten könnten, erkennen, hilft die Abschiebung von Straftätern in Nachbarländer – oder besser noch weiter weg – doch, die Situation in überfüllten Gefängnissen ein wenig zu entspannen.

25. Oktober 2006 at 11:38 Hinterlasse einen Kommentar

Futtern wie bei Muttern

Und noch ein Highlight bescherte uns der letzte Freitagabend. Nach dem Besuch im Horrorkabinett wollten wir bei Ikea eigentlich ein Oberbett für die Übergangszeit kaufen und Köttbullar essen. Sozusagen ein bisschen Normalität hinterher schieben. Doch daraus wurde nix. Die Bettdecken haben hier alle andere Masse und passen mit ihren 162 x 218 cm nicht in unsere deutschen Bettbezüge und zu den Hackbällchen gab es nur Fritten und keine Kartoffeln mehr.
Doch unsere Mägen knurrten – vorbereitet hatte ich nichts, Freitag ist ja Putztag – und so erinnerten wir uns wieder eines Tipps, den ein Kollege einmal Gerold gegeben hatte und kehrten im „The Musket“ ein. Das Restaurant liegt direkt neben Dimpflmeier, unserer Quelle für Sauerteigbrot und Brez’n, und ist in erster Linie auf deutsche Küche spezialisiert. Als Vorspeise kann man z. B. Rollmops essen, später dann Schnitzel in verschiedenen Variationen und dazu Weißbier trinken. Wir entschieden uns für Schweinshaxe mit Sauerkraut und Roulade mit Rotkohl. Von der Haxe war Gerold ein wenig enttäuscht, denn sie kam aus der Fritteuse, und auch das Sauerkraut haben wir selbst schon besser hinbekommen, aber mit zwei Hefeweizen erscheint die Welt schon in einem anderen Licht. Dafür war meine Roulade lecker – wenn auch nicht annähernd so gut wie die von meiner Oma – und genug Sauce gab es auch.

Fazit: Wenn man schon längere Zeit hier und daher ein wenig verzweifelt ist, kann man im „The Musket“ gut essen. Die Preise und Portionen sind okay und um dem bayrischen Akkordeonspieler zu entgehen, meidet man den Laden einfach am Wochenende.

23. Oktober 2006 at 09:43 Hinterlasse einen Kommentar

Make war not love

Halloween rückt immer näher und auch wenn ich unser Haus schon fröhlich-gruselig dekoriert habe, kann man ja immer noch den einen Geist oder das andere Skelett gut gebrauchen. Also fuhren wir am Freitagabend zum „Amazing Party Store“, einem riesigen Laden, der sich – wie der Name schon sagt – auf Partypeople jeglicher Kulör spezialisiert hat.
Selbst wenn man kein Halloween-Fan ist, lohnt sich ein Rundgang durch die Regalreihen, die vollgestopft sind mit Grusel-Accessoires und Kostümen. Es gab doch vieles, das selbst mir eine Gänsehaut bescherte – künstliche Ratten, die, umgeben von einer Blutlache, in der Falle zappelten oder die Kannibalen-Fleischtheke mit täuschend echt nachgemachten Körperteilen oder Organen in Styroporschalen und mit Frischhaltefolie versehen wie im Supermarkt – und zum Teil recht grenzwertig war – wie der Ladendieb auf dem Elektrischen Stuhl, den eine Angestellter von Zeit zu Zeit in Betrieb nahm.

Ebenfalls bemerkenswert fand ich, wieviele kleine Kinder zwischen den Grabsteinen im künstlichen Nebel rumtobten, beim Ballern mit den Spielzeuggewehren schon mal den einen oder anderen Gummi-Darm nach ihrem Kumpel warfen oder von ihren Vätern rennend zur Vorführung des Elektrischen Stuhls getragen wurden. Und das, wo im Fernsehen zu Beginn jeder entsprechenden Sendung vor Sex, Gewalt, Nackheit oder rüder Sprache gewarnt wird. Was nicht heißen soll, dass man Sexszenen oder nackte Menschen überhaupt sehen würde, dafür umso mehr Gewalt – frei nach dem Motto: Blut statt Brustwarzen.

22. Oktober 2006 at 09:13 Hinterlasse einen Kommentar

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