Archive for August, 2007

Mittendrin statt nur dabei

Ich sehe es schon vor mir: Eines schönen Tages hat Fritzi es satt, dass der dicke Angeber in ihrem Kindergarten immer die biologisch-dynamischen Müsliriegel der Anfänger klaut (seine Mutter hat ihn auf Diät gesetzt) und gibt ihm ordentlich eins auf die Nase. Auch wenn den Dickwanst keiner leiden kann, nicht einmal die Erzieherinnen, werde ich zum Rapport in den Kindergarten bestellt, denn der Vater von dem Großmaul ist der Freund des Bürgermeisters (und die regierende Klasse gilt noch was in Frankreich – eine Erzieherin hat Fritzi dennoch heimlich vom Tisch abräumen an diesem Tag befreit, soviel ziviler Ungehorsam muss sein).

Ich komme also in den Kindergarten und höre mir die Standpauke interessiert an. Leider verstehe ich so gut wie kein Wort, Fritzi muss mir übersetzen, ich bekomme trotzdem nur die Hälfte von dem mit, was die Erzieherin sagt, weil Fritzi das schlimmste natürlich weglässt und die ganze Angelegenheit ist allen Beteiligten ziemlich peinlich.
Und was mich am meisten schockiert, ist, dass ich allmählich so etwas wie Verständnis für all die Türken entwickele, die seit Jahren in Deutschland leben und immer noch kein Deutsch sprechen. Wir sind nicht besser. Zwar hatte ich in der Schule französisch, beherrsche davon aber maximal nur noch Bruchteile. Gerold hat einen Lehrer, der zu ihm ins Büro kommt, macht aber nur schleppend Fortschritte. Und aus unserem Vorsatz, abends gemeinsam zu lernen, ist außer einem schlechten Gewissen nicht viel geworden. Wir gucken deutsches Fernsehen, lesen deutsche Zeitungen und Zeitschriften, freuen uns über deutsche Produkte in den Läden (oder wenigstens englische Zutatenlisten), gehen zur deutschen Krabbelgruppe und haben uns in den letzten fünf Monaten eine eigene kleine Welt gebaut, die mit Integration nicht viel zu tun hat.

Wie heißt es so schön: Runter vom Sofa, rein in die Kneipe! In unserem Falle: Raus aus der Bude, rein ins Leben! Sonst kehren wir in einigen Jahren nach Deutschland zurück und haben das französische Leben bestenfalls oberflächlich kennengelernt – wäre doch schade drum.

30. August 2007 at 05:35 Hinterlasse einen Kommentar

Plagegeister

Mit „Paris Plage“ ist natürlich nicht das Ärgernis sondern der Strand von Paris gemeint. Ich ärgere mich zwar am laufenden Band darüber, dass die Fahrstühle – zum Glück – irgendwo enden, bloß nie auf Straßenniveau und ich schreibe auch ein politisch nicht korrektes Web-Tagebuch, aber Paris als Plage zu bezeichnen fällt selbst mir (noch) nicht ein. Vergesst also beim Lesen nie das Augenzwinkern!

PS: Ein Rat in Ehren an den- oder diejenige(n), der oder die alles mögliche zum Thema Pe… googelt und dabei – warum auch immer – auf meiner Seite gelandet ist: Geh doch einfach in eine Videothek und dann in die Ecke für Erwachsene; dort gibt es jede Menge DVDs, die Dir weiterhelfen (stecken schreibt man übrigens mit ck).

24. August 2007 at 12:42 Hinterlasse einen Kommentar

Nach dem Regen ist vor dem Regen

Als der Umzug nach Paris vor der Tür stand, befand sich der blaue Himmel Kanadas ganz oben auf meiner Liste der Dinge, die ich vermissen würde. Dass es hier allerdings derartig trübsinnig grau sein würde, habe ich selbst in meinen schlechtgelauntesten Momenten nicht für möglich gehalten. Es regnet und regnet und regnet. Und wenn es nicht regnet, dann sieht es zumindest so aus, als würde es gleich regnen.

Die meisten Pariser bekommen davon allerdings kaum etwas mit, denn im August ist die Stadt wie ausgestorben – außer den Touristen ist niemand da. Geschäfte, Restaurants und Behörden haben geschlossen, die Büros sind nur mit einer Notmannschaft besetzt. Man bekommt Parkplätze, einen Sitzplatz in der Metro und schafft es, meistens jedenfalls, die Stadt mit dem Auto in einer halbwegs annehmbaren Zeit zu durchqueren. Es ist Ferienzeit, die Fensterläden sind fest verschlossen und ich frage mich, ob der August auch die Hauptsaison für Einbrecher ist – wer würde den unbefugten Zutritt überhaupt bemerken?
Für die Handvoll Daheimgebliebenen wird aber trotzdem einiges geboten. Paris Plage zum Beispiel. Da wird an verschiedenen Stellen entlang der Seine Sand aufgeschüttet, Liegen und Sonnenschirme aufgestellt, es gibt Eisbuden und Umkleidekabinen. Theoretisch könnte man sich, nachdem man die Freude über den Parkplatz direkt am Abgang zur Seine überwunden hat, entspannt bräunen und die Kinder Sandburgen bauen lassen. Wäre da nicht dieses trübsinnige Nass, dass den riesengroßen Sandkasten in eine Wattlandschaft verwandelt hat.

Aber es gibt noch Hoffnung, und die stirbt bekanntlich zuletzt: Im letzten Jahr soll das Augustwetter auch mies gewesen sein – dafür wurde es im September und Oktober noch einmal richtig schön. Also lassen wir die Luft aus Fritzis Planschbecken noch nicht raus.

23. August 2007 at 09:44 Hinterlasse einen Kommentar


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