Archive for Juli, 2007

Á table, s’il vous plait

Dass man in Frankreich gut essen kann, steht in jedem Reiseführer (dass wir wieder in einem Land ohne Currywurst leben, kann sich auch jeder denken). Und tatsächlich gibt es neben Myriaden von Käsesorten einiges zu entdecken.

Zum Beispiel Brot – ein Baguette ist nämlich mitnichten einfach ein Baguette, aber dafür wie im Film als Accessoire, das den ganzen Tag herum getragen wird, ein unverzichtbarer Aspekt des Straßenbildes (das Baguette ist sozusagen der Kaffeebecher der Franzosen). Es gibt das beliebte Stangenbrot in diversen Ausführungen. Als Tradition, Ficelle oder Pain. Um nur drei zu nennen. Und ein Croissant ist nur dann ein Croissant, wenn es ein Hörnchen ist. Das in Deutschland bekannte Schokoladencroissant ist hier ein „Pain au chocolat“. Sehr lecker ist übrigens die Variante „Pain Suisse“ (auch als „Pepito“ oder „Pain Viennois“ oder „Drops“ bekannt) mit Schokostückchen und Pudding.

Fast Food ist, entgegen der landläufigen Meinung, weit verbreitet. Einen McDonalds findet man an fast jeder Straßenecke (Burger King hat das noch nicht geschafft – von meinem Favoriten Harvey’s ganz zu schweigen). Und auch den guten alten Döner bekommt man quasi nachgeworfen. Die Regale in den Supermärkten sind gut gefüllt mit Processed Food, sei es gefroren, eingeschweißt oder von der Bedientheke. Nicht jeder Franzose ist auch ein Küchenchef…
Wer es exotischer mag, ist im Chinesenviertel von Paris bestens aufgehoben. Nicht so authentisch wie in Toronto, aber die Vermicelli schmecken fast noch besser.

Nur vom Wein bin ich bisher nicht begeistert. Es gibt zwar sehr viel davon, und der ist auch noch wesentlich günstiger als in Kanada, aber einen leckeren und süffigen Rotwein habe ich bisher noch nicht entdeckt. Deutschen Wein bekommt man natürlich nicht und deshalb probiere ich mittlerweile die Roséweine durch. Der Mensch ist ja anpassungsfähig.

Advertisements

31. Juli 2007 at 07:09 Hinterlasse einen Kommentar

Lange Finger

Mütter leiden ja immer an irgendeinem Mangel. Sei es an Schlaf oder adäquaten Gesprächspartnern jenseits des „dada“, „jada“ und „heda“ oder eben Zeit. Das bekommen nicht nur die lieben Mitmenschen zu spüren, sondern auch Haushalt und Hobbies. Bloggen ist Luxus geworden, genauso wie mal hinter den Schränken putzen oder mit Gerold den Sonntag verbummeln.

Aber alles jammern hilft nix, es gibt Themen, die müssen an den Mann gebracht werden!

Der gemeine Franzose leidet ja nicht nur am „Made in France“-Wahn, er bleibt auch ganz gern unter sich. Immigranten, insbesondere farbige (müsste man die politisch korrekt eigentlich Afro-Franzosen nennen, so wie Afro-Amerikaner und Afro-Kanadier?), können das eine oder andere Liedchen davon singen.
Es beginnt damit, dass es für sie nahezu unmöglich ist, in guten Gegenden ein Haus oder eine Wohnung zu mieten. Die meisten Vermieter schließen nämlich eine Versicherung gegen Mietausfall ab, was dazu führt, dass faktisch die Versicherungsgesellschaft den Mieter auswählt und neben einem fürstlichen Gehalt und der Kaution auch eine Bürgschaft fordert. Am Ende kommt so eine Menge Geld zusammen. Zuviel für viele und so landen sie in den Hochhausghettos, was einem die Laune schon ganz schön verderben kann.
Im Berufsleben sieht es nicht besser aus. Anders als in Toronto sind die gut bezahlten Bürojobs fast ausschließlich weißen (und männlichen) Franzosen vorbehalten. Die sitzen dann wie Graf Koks hinter ihren großen Schreibtischen und rauchen dort – kein Witz – Zigarre. Mehr Macho geht kaum.

Für die Sicherheit im täglichen Leben sind dagegen die Afro-Franzosen zuständig. Weder anerkannt noch erwünscht, haben sie die Nische „Security“ für sich entdeckt. Neben jeder Supermarktkasse steht einer, am Ein- und Ausgang sowieso und im Laden laufen sie dann auch noch rum. Man könnte fast denken, dass man gerade dabei ist, in die USA einzureisen und nicht Socken für den Liebsten einkauft.
Nun kann die USA den Aufmarsch an Sicherheitspersonal prima mit der Achse des Bösen begründen – aber vor wem müssen sich französische Supermärkte, Warenhäuser und Bekleidungsgeschäfte schützen? Vielleicht ist es einfach so, dass die Franzosen neben Käse und Wein auch ein ordentliches Schnäppchen zu schätzen wissen. Oder als Erfinder des zivilen Ungehorsams mangels ordentlicher Revolutionsgründe alltäglich den Aufstand im Kleinen proben. Statt Großgrundbesitzern müssen dann eben Ladenketten herhalten. Liberté, Egalité, Fraternité.

30. Juli 2007 at 08:11 Hinterlasse einen Kommentar


Aktuelle Beiträge

Juli 2007
M D M D F S S
« Jun   Aug »
 1
2345678
9101112131415
16171819202122
23242526272829
3031  

Feeds