Archive for Mai, 2006

Wer bremst, verliert

In der letzten Woche hielt Premierminister Harper eine Rede vor College-Studenten und kündigte an, die Gesetze zur Bestrafung von illegalen Straßenrennen zu verschärfen. Schön und gut und wichtig, aber ich frage mich allen Ernstes, ob der gute Mann nix besseres zu tun hat. Und stelle mir als Vergleich mal Angie vor, wie sie vor Studenten der Fachhochschule Osnabrück (und nicht vor einer bundesweiten Studentenvereinigung) einen Vortrag zum Thema Sicherheit auf deutschen Strassen hält. Wäre dazu nicht irgendein Beamter aus einer Verkehrsbehörde besser geeignet? Und damit meine ich beileibe nicht den Verkehrsminister. Denn es gibt doch wirklich wichtigere Themen, über die sich Premierminister, Bundeskanzlerinnen und Präsidenten äußern können, auch in Kanada. Spontan fallen mir da das marode Gesundheitswesen ein, der immer wahrscheinlicher werdende Zusammenbruch der Fischereiindustrie, der militärische Einsatz in Afghanistan oder aus aktuellem Anlass vielleicht doch mal etwas zum Umweltschutz (aber dafür erlebt man in Ottawa wohl zu wenige Smog-Tage).

Nun könnte man jetzt sagen, dass es uns ganz schön gut gehen muss, wenn Mr Harper Zeit für Nebensächlichkeiten hat. Ich würde ihn dagegen eher als einen klassischen Procrastinator bezeichnen – sehen wir es mal positiv und nehmen es als Ansporn, dass aus jedem chronischen Aufschieber auch etwas ganz Grosses werden kann.

31. Mai 2006 at 10:02 Hinterlasse einen Kommentar

Darf’s ein Viertel mehr sein?

Heute gehen wir wirklich in die Vollen. Immer noch Smog Advisory, dazu Heat Alert (aktuell 32 Grad, mit der Luftfeuchtigkeit sind's gefühlte 41 Grad) und Humidex Advisory. Und das alles Ende Mai. Nachts kühlt es auch kaum ab und wir gehen heute Abend los und kaufen einen Ventilator, denn ganz unkanadisch versuche ich ja immer noch der künstlich gekühlten Luft irgendwie zu entgehen. Aber vielleicht muss auch ich irgendwann einsehen, dass es ohne nicht geht oder zumindest ziemlich unangenehm ist.
Dafür läuft der öffentliche Nahverkehr wieder, aber sie streiten sich immer noch darum, ob es nun um Sicherheit oder Arbeitszeiten ging und wie man weitermachen soll. Wenigstens steht mittlerweile fest, dass es sich um einen illegalen Streik gehandelt hat und nicht um Aussperrung. Das ist doch schon mal was.

30. Mai 2006 at 13:32 1 Kommentar

I don’t like mondays

Heute kommt alles zusammen. Wir haben unsere erste Smog-Warnung des Jahres (bei aktuell 33 Grad im Schatten). Und außerdem haben die TTC-Mitarbeiter spontan beschlossen zu streiken und das gesamte Nahverkehrsnetz lahmzulegen. 700.000 bis 800.000 Leute mussten heute – ohne Vorwarnung – versuchen, einen anderen Weg zur Arbeit, Schule oder Uni zu finden. Wer zu Fuss gehen konnte war gut dran, denn ab dem späten Morgen war nicht mehr daran zu denken, ein Taxi zu ergattern. Der Verkehr nach Downtown und in Downtown ist ziemlich zusammengebrochen und zusätzliche Staus machen sich bei einer Smog-Warnung natürlich gut.

Bisher ist noch nicht wirklich klar, warum der illegale Streik angezettelt wurde. Die TTC-Mitarbeiter sprechen sogar davon, dass sie ausgesperrt wurden. Bisher behaupten die Gewerkschafter, dass es um Sicherheitsaspekte geht. In der Vergangenheit sei die Anzahl der Angriffe auf Bus- und Streetcar-Fahrer gestiegen und meist würden solche Übergriffe mit Fahrpreisstreitigkeiten beginnen. Sie fordern mehr Schutz für die Fahrer und Videoüberwachung. Das TTC-Management führt dagegen an, dass der Streik auf die Änderung der Arbeitszeiten des Wartungspersonals ziele. Sie sollen zukünftig vermehrt in Nachtschichten arbeiten und zwar ab heute. Komischer Zufall.

Zu allem Übel hat Mietzi heute Morgen auch noch ein totes Eichhörnchen gefunden und auf unsere Veranda geschleppt. Wahrscheinlich wollte sie ihren kleinen Rabauken nur ein bisschen Anschauungsunterricht geben, aber das muss nun wirklich nicht vor meiner Küchentür sein. Also hat Gerold das Dingelchen entsorgen müssen, es sah schon ziemlich alt aus und die Leichenstarre hatte auch schon eingesetzt.
Ein toller Start in die neue Woche.

29. Mai 2006 at 13:59 Hinterlasse einen Kommentar

Der Worte sind genug gemacht

Meine Bushaltestelle

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28. Mai 2006 at 18:27 Hinterlasse einen Kommentar

Emergency Room

Gestern Abend waren wir zum ersten mal im ER (für diejenigen, die keine Fans von George Clooney sind (oder wer auch immer nun sein Nachfolger ist): in der Notfallambulanz). Nach meinen bisherigen Erfahrungen mit Hausärzten (immerhin bin ich jetzt bei der dritten angelangt) hatte ich etwas erwartet, das eher einem Feldlazarett ähnelt und im besten Fall AK Barmbek Niveau hat. Ich wurde angenehm überrascht. Schon der Warteraum wirkte hell und sauber, die Empfangsschwester war ausgesprochen freundlich. Nur die Parkgebühren ließen ahnen, dass es hier auch ums Geschäft geht – vier Dollar pro Stunde sind schon happig. Zumal das ganze Prozedere knapp zwei Stunden dauerte, denn es gab nur einen Notfallarzt und der sah sich die Patienten reihum nach jeder Behandlungsstufe an.
Zu den eigentlichen Untersuchungen kann ich natürlich nix sagen, denn Gerold war der Patient, aber ein bisschen sah es hinter der Schiebetür schon wie im Fernsehen aus. Ärzte und Krankenschwestern trugen keine weißen Kittel, sondern schmutzig-grüne Tunika-Hosen-Ensembles und die einzelnen Behandlungs“räume“ waren durch Vorhänge voneinander getrennt. Hat doch auch sein gutes, so bekommt man wenigstens mit, was nebenan läuft und langweilt sich nicht.
Nachdem Gerold untersucht und geröntgt worden war, machten wir uns auf die Suche nach einem Drugstore, um sein Rezept einzulösen; Medikamente bekommt man im Krankenhaus offensichtlich nicht. Ich war nur froh, dass wir einen Drugstore in der Nähe haben, der bis Mitternacht geöffnet hat, denn um halb elf nachts macht es wenig Spaß, eine Notapotheke zu suchen, wenn man keine Ahnung hat, wie das hier organisiert ist. Und man wundert sich, wieviele Leute um diese Uhrzeit im Drugstore ihre Lottoscheine einlösen.

26. Mai 2006 at 08:52 Hinterlasse einen Kommentar

Ein ungleicher Kampf

Seit Ende Februar kommt das Städtchen Caledonia im Süden Ontarios nicht mehr zur Ruhe. Stein des Anstoßes ist ein Stück Land, auf dem Häuser gebaut werden sollen und das die Six Nations als ihr Eigentum betrachten. Nachdem in der Zwischenzeit sowohl Natives als auch Hausbesitzer wechselseitig Barrikaden aufgebaut und sich heftige Auseinandersetzungen untereinander und mit der Polizei geliefert haben, wurde mittlerweile ein Baustopp verhängt und damit vielleicht die Voraussetzung für eine friedliche Lösung des Konfliktes geschaffen.
Die Eigentumsverhältnisse des Landstückes sind umstritten. 1784 haben die Six Nations ein Gebiet von 385.000 Hektar von der britischen Krone erhalten, und zwar für ihre Loyalität während der Amerikanischen Revolution. Henco Industries, die auf dem fraglichen Grundstück eine Neubausiedlung errichten wollen, und zum Erwerb des Grund und Bodens die Firma gekauft haben, die zu dem Zeitpunkt Eigentümer des Landes war, behaupten, dass die britische Krone nur ein Siedlungsrecht an die Six Nations weitergegeben habe. Wie dem auch sei, es kam schon früh nach der Übergabe zu Einschränkungen seitens der britischen Krone und dieses Vorgehen zieht sich bis zum heutigen Tage durch. Erst wurden aus dem 385.000 Hektar 111.000 Hektar, dann wurde Land für den Bau einer Strasse gebraucht, aus den 111.000 Hektar wurde ein Reservat von 8.000 Hektar (das später wieder auf 19.000 Hektar erweitert wurde). Die heute umstrittenen 40 Hektar wurden übrigens am 15. Mai 1848 für 57 Pfund und 10 Shilling von der britischen Krone an George Marlot Ryckman verkauft.
Man mag zu der aktuellen Auseinandersetzung stehen wie man will, die Geschehnisse rund um dieses Grundstück sind doch leider nur allzu symptomatisch für den Umgang mit den Indianern – und dabei ist es ihnen in Kanada noch ein bisschen besser ergangen als in den USA, zumindest was ihre Landrechte betrifft.
Die sogenannte Royal Proclamation behielt auch im neu gegründeten Kanada (1867) ihre Gültigkeit. Damit wurden 1763 alle indianischen Rechtsansprüche auf nicht kolonialisierte Gebiete von der britischen Krone anerkannt. Fragen des Landbesitzes durften nur zwischen der britischen Krone und den Indianern geregelt werden. Indianisches Land kann danach nur dann Dritten überlassen werden, wenn es vorher an die Krone (bzw. heute die kanadische Regierung) abgetreten oder verkauft wurde. Fakt ist aber, dass Provinzregierungen täglich Nutzungsrechte gerade an Großkonzerne vergeben, ohne dass das Land von den Indianern jemals abgetreten wurde.
Mittlerweile wehren sich die Indianer gegen dieses Vorgehen, zumeist mit wenig Erfolg.

24. Mai 2006 at 09:34 Hinterlasse einen Kommentar

Keine bleibende Erinnerung

Gestern haben wir unsere dreiviertel fertige Terrasse mit einem Abendessen bei Kelsey's gefeiert. Kelsey's ist natürlich eine Kette und gehört zu einem Verbund von Gaststätten, als da wären:

  • Swiss Chalet, eine Hähnchenbraterei. Einmal und nie wieder, dabei sieht in der Werbung immer alles so lecker aus. Aber wenn man mit Kindheitserinnerungen an den Wienerwald dahin geht und dann auch noch die, warum auch immer, berühmte hausgemachte Dipsauce probiert, muss es in einer Enttäuschung enden.
  • Harvey's, mein Favorit für Veggie-Burger und Poutine, hinreichend bekannt.
  • Montana's Cookhouse, sehr urig aufgemacht, wie eine Holzfällerhütte, doch der austauschbare Service negiert den guten ersten Eindruck sofort wieder. Ich fand das Bier in den geeisten Gläsern ganz toll (da war ich auch noch ziemlich neu hier), aber leider waren die Chicken Wings trocken und zäh und zu einem zweiten Versuch konnte ich mich bis heute nicht durchringen.
  • Second Cup, ein Coffee Shop wie jeder andere auch.

Zurück zu Kelsey's. Das Essen war gut, die Bedienung ein bisschen seltsam, aber nicht unangenehm. Dennoch kann ich nicht behaupten, dass ich unbedingt noch einmal dahin muss, weil ich noch mehr von der Karte ausprobieren möchte. Ich würde eine Verabredung zwar nicht absagen, nur weil sie dort stattfindet, doch als Treffpunkt würde ich das Lokal auch nicht vorschlagen. Man kann hingehen, muss es aber nicht.

23. Mai 2006 at 14:21 Hinterlasse einen Kommentar

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