Archive for Mai, 2007

Nicht nur nicht sauber, sondern auch nicht rein

Es hat mich einiges an Überwindung und einen großen Schluck Wein gekostet, dieses hier zu schreiben: Ich fand unsere kanadische Waschmaschine (von Kenmore) besser als unsere deutsche (von Bosch), die wir uns hier neu zugelegt haben. Nicht nur das mehr rein ging (obwohl die gute Bosch auch 8 kg fasst) und die Programme nicht so lange dauerten; sie wusch einfach sauberer.

Das musste ich quasi unter Laborbedingungen feststellen – die Möbelpacker hatten nämlich unser kanadisches Waschmittel mit eingepackt. Und unter Verwendung eben dieses Waschmittels habe ich Fritzis Kleidung, auch ein paar Stücke mit Malör dabei, gewaschen. Fleckenfrei sauber konnte man das Ergebnis leider nicht nennen.

Nun tröstet mich, dass meine alte Kenmore bei Bauknecht in Deutschland hergestellt wird (woher die neue Bosch kommt, weiß ich gar nicht) und so irgendwie doch die ‚Made-in-Germany-Fahne‘ hochgehalten wird.

29. Mai 2007 at 15:46 1 Kommentar

Please, call again

Leute, lasst Euch nichts einreden. Von wegen, die Deutschen würden zuviel Urlaub haben und ein paar Feiertage müssten weg. Alles Mumpitz!
Franzosen haben 25 Tage Urlaub. Und 12 freie Tage für Behördengänge. Und diverse Feiertage – unter anderem den 08. Mai, Kriegsende (warum ziehen wir eigentlich von einem veteranenhörigen Land zum nächsten?).

Immerhin bekommen wir wieder auch am Samstag Post (was wenig nützt, da Pakete von Deutschland nach Frankreich ungefähr so lange unterwegs sind wie nach Kanada). Zumindest Ikea, Baumärkte und Gartencenter haben sonntags geöffnet (kleinere Supermärkte, Metzger und Bäcker ebenfalls, allerdings nur am Vormittag). Dafür hat so manches Geschäft am Montag zu und die Siesta ist hier weit verbreitet. Eine einheitliche Linie gibt es dabei nicht und so stehe ich oft genug vor (gerade) verschlossenen Türen. Nachdem ich zwei Jahre lang nicht an Öffnungszeiten denken musste, ist das ganz schön anstrengend.

24. Mai 2007 at 15:48 Hinterlasse einen Kommentar

Der 7. Sinn

Die einzige Voraussetzung, ein motorisiertes Zweirad zulassen zu können, ist hier offensichtlich das Abbauen der Schalldämpfer. Ich kann mir nur vorstellen, dass diese Maßnahme der Verkehrssicherheit und dem Umweltschutz dienen soll.
Denn man hört die Knatterdinger etwa sieben Minuten bevor man sie sieht und kann sich als Fußgänger in Sicherheit bringen oder als Autofahrer einfach mal rechts anhalten. Unfälle werden zuverlässig vermieden. Und auch der Motorist hört sofort, wann er nun hochschalten muss oder wirklich die absolute Höchstgeschwindigkeit erreicht hat. Das hilft Sprit sparen und damit der Umwelt.

Schlußendlich darf man den psychologischen Aspekt nicht außer Acht lassen: Lächerliches Imponiergehabe wie Kavalierstart oder Fahren auf dem Hinterrad unterbleibt, denn natürlich sind die Mädels von der Geräuschkulisse so beeindruckt, dass sich der solchermaßen röhrende Hirsch vor BH’s, die ihm sogar während der Fahrt zugeworfen werden, schlichtweg nicht retten kann.

Es gibt ein paar Querulanten, die die Schalldämpfer nach der Zulassung wieder anbauen, aber das sind so wenige, dass die Justiz aus Kostengründen auf deren Verfolgung verzichtet.

PS: Auch in Frankreich gilt: Frauen schlagen das Lenkrad nie ganz ein.

22. Mai 2007 at 15:41 Hinterlasse einen Kommentar

Shit happens!

Natürlich hatte ich zur Vorbereitung „A year in the merde“ gelesen und natürlich wollte ich die bitteren Wahrheiten, die darin verkündet wurden, nicht wahrhaben. Wie es eben so ist; das Unangenehme verdrängt man so lange, bis es einfach nicht mehr geht.

In Toronto kann man die vereinzelten Haufen, die anarchische Hundebesitzer hinterlassen, prima ignorieren. Zuerst habe ich das hier auch versucht – sozusagen der übliche Vertrauensvorschuss. In weiser Voraussicht die jeweils vor mir liegenden Meter mit den Augen abgesucht und dann gekonnt die Gefahrenstellen umschifft. Mittlerweile gleicht jeder unserer Spaziergänge einem Slalomlauf, denn nicht nur die freie Fläche um jeden Baum herum ist völlig vollgekackt, sondern auch die Bürgersteige selbst. Und dann der bestialische Gestank. Gerade bei den hochsommerlichen Temperaturen, die wir in den letzten Wochen hatten, stinkt es hier wie auf einem Acker, der gerade eine Gülle-Bad genommen hat.
Wer die Scheiße hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen!

21. Mai 2007 at 16:13 Hinterlasse einen Kommentar

Wieder auf Sendung

Nach allzu langer Online-Abstinenz melde ich mich heute zurück. Einen Internetzugang haben wir zwar schon lange, aber in den ersten Wochen fehlte mir schlicht die Muße, unsere Erlebnisse zu Papier zu bringen.

Mitte April kam endlich der Container mit unseren Möbeln angerollt und das Kampieren mit Schlafsofa, Tisch und zwei Stühlen hatte ein Ende. Die Möbelpacker sprachen kein Wort Englisch, wir nicht Französisch und so nahm das Debakel seinen Lauf. Nein, so schlimm war es nicht und dass der frisch abgeschliffene Holzfußboden nun verkratzt ist, lang weniger an ihren Sprachkenntnissen als an der typisch französischen Sorglosigkeit (oder Ignoranz) mit der sie auch grundsätzlich die Bürgersteige als Parkplätze blockieren und Kinderwagen-Schiebern oder auch Rollstuhlfahrern jeden fröhlich begonnenen Spaziergang zur Nervenprobe umgestalten. Zu ihrer Ehrenrettung muss ich aber auch sagen, dass die kanadischen Packer unseren Hausstand derart schlampig verstaut hatten, dass mich bei manchem Karton das kalte Grausen packte. Sowohl AMJ Campbell als auch AGS Paris kann ich für einen Überseeumzug nicht empfehlen.
Und sonst? Wir fühlen uns in unserem neuen Haus (diesmal eine Doppelhaushälfte und ’nur‘ gemietet) sehr wohl – auch wenn man der vorangegangenen Renovierung deutlich anmerkt, dass sie nicht für den Eigenbedarf gemacht wurde. Was andererseits aber auch sehr entspannend ist, weil ich mich wenig für den Zustand des Hauses verantwortlich fühle. Wenn wir wieder ausziehen, schicken wir die Maler durch und gut – herrlich.

Die Eingewöhnung in die neue Umgebung gestaltet sich dagegen nicht ganz so harmonisch. Das liegt natürlich zum einen an der Sprache und damit an uns (obwohl es schon traurig ist, wie wenig Franzosen Englisch sprechen, selbst ganz junge Menschen, und sich daran deutlich zeigt, wie sehr man sich mit abstrusen Ideologien im Grunde nur selbst behindert) und zum anderen daran, dass wir uns einfach noch nicht auskennen bzw. wieder akzeptieren müssen, dass man bestimmte Sachen hier nicht oder nur schwer bekommt.
Bio-Lebensmittel zum Beispiel oder auch Mückennetze. Die Franzosen kaufen alles, solange auf der Verpackung steht, dass es aus Frankreich kommt (in den Werbeblättchen der Supermärkte wird das auch immer extra angegeben). Ob es sich dabei um Mist in Tüten handelt, spielt keine Rolle. Wer Wert auf eine annähernd schadstofffreie Ernährung legt, hat so seine liebe Not, die entsprechenden Produkte zu finden. Gleiches gilt für Waschmittel ohne Parfümzusatz oder ökologisch vertretbare Putzmittel (der Fensterreiniger, den ich in meiner Naivität gekauft habe, treibt einem die Tränen in die Augen). Genauso sieht es mit Mückennetzen für’s Fenster aus. Ein einziger Baumarkt hatte die letztens im Angebot, in allen anderen Läden schauten wir nur in ratlose Gesichter. Dafür kann man sich eimerweise Chemie nach Hause holen, um die Biester – und sich selbst – zu vergiften. Wie vermisse ich doch die Fliegengitter, die in Kanada automatisch mit jedem Fenster geliefert werden.
Wir haben uns nun das Moskitonetz von Ikea zugelegt, unter dem Fritzi und ich beruhigt schlafen können. Gerold muss leider draußen bleiben und sich mit nur noch zwei Dritteln seines Bettes zufrieden geben (das dritte Drittel belegt Fritzi), weil das Netz nicht für beide Betten ausreicht. Heroisch fungiert Gerold nun als Mückenabwehrschirm, wird aber auch kaum gestochen bzw. merkt von den Stichen fast nix.

20. Mai 2007 at 09:17 Hinterlasse einen Kommentar


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