Archive for Januar, 2007

Doctor, Doctor

Heute ist Fritzi 6 Wochen plus 1 Tag alt – perfekt, um meine Trilogie zu beginnen.

Keine Ahnung wie es ist, in Deutschland schwanger zu sein; ich kann meine Erfahrungen nur mit den Erzählungen anderer und dem, was in meinen (deutschen) Büchern steht, vergleichen, aber ich habe den Eindruck, dass eine Schwangerschaft in Deutschland doch eher medizinisch betrachtet wird, während es hier eben ein natürlicher Vorgang ist und – solange kein Grund zur Sorge besteht – auch als solcher behandelt wird. Dazu gehört, dass es eben keinen Mutterpass gibt und man bei den Vorsorgeterminen nicht körperlich untersucht wird – es werden der Blutdruck gemessen, die Herztöne des Kindes abgehört und der Bauch gemessen bzw. abgetastet. Dann gibt es zwei bis drei Ultraschalluntersuchungen und diverse Bluttests. Sogar den Abstrich nimmt man sich selbst ab und meine erste körperliche Untersuchung hatte ich dann eine Woche vor dem errechneten Geburtstermin.
Das mag befremdlich klingen, aber ich fühlte mich dabei gut versorgt und wusste meine Privatsphäre nach anfänglicher Unsicherheit doch sehr zu schätzen.

All das setzt natürlich voraus, dass man auch einen Arzt für die Schwangerschaftsvorsorge hat und da gehen die Probleme dann gleich los.
Kurz bevor ich schwanger wurde, hatte ich eine Hausärztin gefunden – Ihr wisst schon, die im Nachmittagsteekleid. Als ich ihr sagte, dass ich einige Tage überfällig wäre und wir uns ein Kind wünschten, untersuchte sie mich (ich erspare Euch die blutigen Details) und meinte danach ungerührt, dass sich das wohl noch am selben Abend oder spätestens am nächsten Morgen erledigt haben würde. Ich spülte meinen Frust mit drei Hefeweizen runter – was mir in den folgenden neun Monaten einige schlaflose Nächte bescherte – und machte am nächsten Abend einen Test, weil immer noch nix passiert war. Positiv! Also ging die Suche nach einer neuen Hausärztin los. Denn die braucht man, um die Überweisung zu einer Gynäkologin zu bekommen, die ich auch noch finden musste. Einige Zeit und Nervenzusammenbrüche später war ich dann zwar versorgt, kann aber immer noch nicht fassen, dass es ein nun wirklich entwickeltes Land wie Kanada gibt, in dem so ein chronischer Ärztemangel herrscht, dass manchmal sogar Notfallambulanzen deswegen zeitweise geschlossen werden müssen.
Einige Wochen vor Fritzis Geburt machten wir uns dann auf die Suche nach einem Kinderarzt – das gleiche Spiel; diverse Telefonate bis wir endlich eine Ärztin fanden, die halbwegs in der Nähe war und auch neue Patienten annahm. Das bedeutet aber nicht, dass man im Notfall zu ihr hingehen kann. Die Erfahrung mussten wir bereits machen und landeten in der Notfallkinderklinik eines Krankenhauses in der Nähe. Nach vier geschlagenen Stunden Wartezeit wurde unser Engel dann endlich untersucht und trotzdem es sich um eine Kinderklinik handelte, gab es keinen Raum zum Stillen und Wickeln, nur ein völlig kahles Wartezimmer, in dem ein Fernseher zur Unterhaltung der Kinder lief. Da überlegt man sich schon, ob man nicht einfach mal einen günstigen Flug nach Deutschland nimmt und zu einem richtigen Kinderarzt geht.

Fazit: Die ärztliche Versorgung war während meiner Schwangerschaft, die erfreulich unkompliziert war, und auch bei der Geburt, die leider etwas heftiger verlief, sehr gut. Aber mal ganz ehrlich: Mit einem Baby oder Kleinkind würde ich, gerade als First-Time-Parents, nicht hierher kommen, denn die Suche nach einem Arzt und die Angst, ob man auch wirklich die richtige Behandlung bekommt, ist doch sehr belastend.

PS: Stephen H. aus O. ist ja ein smartes Kerlchen und hat sich ein neues Projekt ausgedacht: Andere smarte Kerlchen untersuchen nun 15 Monate lang und für 2,6 Millionen $, wie lange Kinder z. B. auf die Behandlung ihrer Krebserkrankung warten müssen. Wollen wir hoffen, dass es für sie nach 15 Monaten nicht schon zu spät ist.

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25. Januar 2007 at 11:50 Hinterlasse einen Kommentar

Das Böse ißt immer und überall

Ich war früher auch mal so. Legendär ist wohl die Begebenheit, als sich ein Kollege zu einem Plausch mit mir auf meinen Schreibtisch setzte (bestimmt ganz in Gedanken und nichts Böses im Sinn). Die Panik in meinen Augen fiel ihm nicht auf, aber als er weg war, habe ich eiligst die Schreibtischplatte mit Sagrotanspray entkeimt. Ohne Desinfektionsspray oder -tücher bin ich nie aus dem Haus gegangen. Dann kam unser Urlaub in Indien – mit Lebensmittelvergiftung und allem drum und dran. Seitdem bin ich geheilt und robbe sogar durch enge Höhlen voller Fledermausdreck.
Wären wir also vor unserem Urlaub im Land der Yogameister hierher gezogen, ich wäre unter meinesgleichen gelandet und hätte meine Phobie-Liste um den sogenannten „Double Dipper“ ergänzt und nichts dabei gefunden. Als Double Dipper werden diejenigen bezeichnet, die z. B. einen Nacho nehmen, eindippen, abbeißen und wieder eindippen – und zwar mit der Bißseite, igittigitt.

Zwischen den Feiertagen führte nun der Radiosender „The Edge“ – Musik für die Leute, die es etwas rockiger mögen – eine Umfrage durch, ob Chips zum Dippen oder solche mit Geschmack aus hygienischen Gründen vorzuziehen seien. Das Publikum konnte sich nicht recht einig werden. Denn wenn man Chips zum Dippen auf dem Tisch hat, ist der gefürchtete Double Dipper meist nicht weit. Bei Chips mit Geschmack besteht dagegen die Gefahr, dass mindestens einer dabei ist, der sich die Finger nach dem Essen ableckt und mit eben diesen Fingern wieder zugreift. Und das wäre, wie ein Hörer ungerührt feststellte, als ob man für Al Quaida kämpfen würde. Na dann, guten Appetit!

PS: Eigentlich hatte ich ja den Start meiner Trilogie „Schwanger in Kanada“ versprochen, aber ich wollte Euch die gesundheitlichen Aspekte des Chipsessens nicht vorenthalten. Mehr zum Thema dicker Bauch beim nächsten Mal.

8. Januar 2007 at 11:49 Hinterlasse einen Kommentar


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