Archive for März, 2006

Das starke Geschlecht

Pamela Anderson ist nicht nur der Traum schlafloser Männer, sie ist Kanadierin und neben ihrer anatomischen Experimentierfreudigkeit und ihrer Vorliebe für ruppige Rockmusiker auch für ihr Engagement in der Tierrechtsbewegung bekannt. Pam rührt regelmäßig die Werbetrommel gegen das Tragen von Pelzen und für vegetarische Ernährung. Nun hat sie sich dem Protest gegen die kanadische Robbenjagd angeschlossen. Auf der Homepage von PeTA können Tierfreunde und ihr Verfallene eine Petition unterschreiben, die sie dem Premierminister vorlegen wird – sofern auch er ihrem Charme erlegen ist und sich seiner immer deutlicher werdenden Körperfülle nicht zu sehr schämt.
Nun können gerade Frauen dem Kindchenschema der jungen Robben oft nicht widerstehen, aber auch Männer haben allen Grund, solidarisch zu den pelzigen Freunden zu halten – geht es doch schließlich um ihr bestes Stück. Robben werden nämlich nicht nur wegen ihres Felles gejagt, sondern auch ihr P…s ist in pulverisierter Form als Aphrodisiakum in (wer weiß es?) China sehr begehrt. Viagra und Ein-Kind-Politik zum Trotz.

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31. März 2006 at 12:38 Hinterlasse einen Kommentar

Spring has sprung

An unserer Garderobe hängen noch die Winterjacken, aber seit gestern braucht man gar keine mehr. Sollte Wiarton Willie tatsächlich Recht behalten? Egal, es ist warm (über 20 Grad auf der Veranda), die ersten Marienkäfer schwirren umher und ich habe gestern sogar einen Schmetterling gesehen. Unterm Dach des Nachbarschuppen hat ein Eichhörnchen sein Nest gebaut, die Vögel zwitschern was das Zeug hält, überall sprießen Knospen, die ersten Blumen halten zumindest mal ihre Spitzen ans Sonnenlicht und ich habe die letzten beiden Tage im Garten verbracht. In diesem Jahr wird Gemüse angepflanzt und wir haben genau deren zukünftiges Plätzchen bisher als Rumpelecke genutzt. Aber auch Tomaten mögen es gemütlich und so musste das Zeug nun einmal weg. Ich hatte schon fast verdrängt, wie es sich anfühlt, Arbeitshandschuhe zu tragen.

Nicht nur Flora und Fauna verlässt die Deckung, auch Vertreter der menschlichen Spezies können nicht abwarten, ihre blassen Extremitäten an die Luft zu halten. Gerold hat heute tatsächlich unerschrockene Sonnenanbeter in kurzer Hose und T-Shirt bzw. Rock, Bluse und Flip-Flops gesehen und das auf dem Weg zur Arbeit bei muckeligen 5 Grad (oder vielleicht auch 7).

30. März 2006 at 17:02 Hinterlasse einen Kommentar

Trautes Heim

Am Sonntag ereilte uns mal wieder der Ruf der Wildnis. Die Sonne schien, der Himmel war blau und letztes Jahr hatte ich Gerold ein Buch mit dem vielversprechenden Titel „Nature Hikes – Near-Toronto Tails and Adventures“ geschenkt, in dem sehenswerte Natur rund um Toronto beschrieben wird. Also packten wir Buch, Landkarte, Obst und Wasser ein, zogen festes Schuhwerk an und machten uns auf den Weg zum Sheppard's Bush. Falls irgendjemand auf die Idee kommen sollte, auch mal dorthin zu wollen: Lasst es sein.
Nachdem wir den Bush zwischen einem Gewerbegebiet und diversen Neubau-Siedlungen endlich gefunden hatten, waren wir zwar ein wenig desillusioniert, aber immer noch guter Dinge. Das änderte sich, als wir innerhalb von, optimistisch geschätzt, 15 Minuten den gesamten Park durchquert hatten. Immer in Sicht- und Hörweite des Highways, des Gewerbegebiets und der Neubau-Siedlungen. Richtig wild also.

Auf dem Rückweg kamen wir durch Aurora (Heimat von Crossing-The-Floor-Belinda), keine Reise wert, und Richmond Hill, ganz niedlich, und freuten uns, als wir schlussendlich die Skyline von Toronto vor uns hatten.
Nachmittags gingen wir am Fluss in dem Park hinterm Haus spazieren, lauschten den zwitschernden Vögeln (hörten keine Verkehrsgeräusche) und konnten springende Lachse beobachten, die jetzt auf dem Weg zu ihren Laichplätzen sind. Wozu in die Ferne reisen?

Weil wir sonst nicht wieder einmal Zeugen eines der faszinierendsten Schauspiele im kanadischen Autoverkehr geworden wären: Gelegentlich passiert es ja, dass Notarztwagen oder Feuerwehrfahrzeuge mit kreischenden Sirenen und flackernden Blinklichtern signalisieren, dass sie irgendwo ganz dringend gebraucht werden. Als normaler Autofahrer macht man in solchen Notsituationen Platz, damit die eiligen Helfer an einem vorbei ihrem Bestimmungsort entgegen rasen können. Natürlich sind neuere Einsatzfahrzeuge in der Lage, einen Rotor zuzuschalten und über die zum Erliegen gekommene Blechlawine rüber zu fliegen, aber man weiß ja nie, ob es sich nicht doch um ein älteres Modell handelt. Der gemeine kanadische Autofahrer ist hingegen felsenfest davon überzeugt, dass immer nur die neusten Fahrzeugtypen zu seiner Rettung eilen. Er (oder sie) hört eine Sirene und bleibt dort stehen, wo er (oder sie) gerade gefahren ist – ohne auch nur den Versuch zu machen, seine (oder ihre) Limousine von ausladenden Maßen ein wenig an den Straßenrand zu manövrieren. Was passiert? Der Notarzt bleibt im Verkehr stecken, die Sirene hört sich schon ziemlich heiser an und Mutti vor uns nestelt an ihrem Hut herum, während sie sich irritiert umschaut, wer da wohl auch noch hupt. Ist ja schon laut genug.

Wir sollten uns zur Vorsicht ein paar Feuerlöscher und einen Erste-Hilfe-Koffer kaufen, das ist nie verkehrt.

PS: Kein Link zu den springenden Lachsen, da nur Hobbyangler-Seiten darüber berichten. Schlimm genug.

29. März 2006 at 09:49 Hinterlasse einen Kommentar

Man lernt für’s Leben

Gestern Abend war ich zum ersten Mal bei meinem Computerkurs. Web-Design Beginner, neun Wochen, zwei Stunden pro Woche, montags von 5:30 pm bis 7:30 pm, 115,- $. Gefunden habe ich den Kurs im Programm „Continuing Education“, was im Angebot der Volkshochschule ähnelt.

Mit dem Kurs schlage ich zwei Fliegen mit einer Klappe. Erstens lerne ich etwas und zweitens habe ich eine Ausrede für unsere Nachbarin. Sie ist eine liebe und nette Dame in den besten Jahren und hat Mitleid mit mir, weil ich eine Hausfrau bin. Sie nennt das „clipped“, meine Flügel wären gestutzt (wenn sie wüsste…). Und deshalb versucht sie immer mal wieder, mich zum Malen, Gedichte schreiben oder Tanzen gehen zu überreden und ich mag schon gar nicht mehr sagen, dass mich solche Kurse aber auch gar nicht interessieren.

Nun lerne ich also, wie Web-Design funktioniert. Wir sind zehn Leute, bunt zusammengewürfelt. Der junge Mann, der seinen fünften Kurs macht und trotzdem unsicher wirkt; ein paar Mitstreiter, die von ihrem Dienstleister unabhängig werden wollen; andere, die einfach wissen wollen, wie sowas geht; und der ältere Herr (mindestens 70), der mit der Zeit gehen möchte. Unser Lehrer heißt Masoud, er unterrichtet seit vielen Jahren und ist sympathischer als er auf den ersten Blick wirkte. Der Stoff der ersten Stunde hat mich nicht wirklich gefordert (was sich bestimmt noch ändert), aber ich freue mich, dass ich den englischen Erklärungen folgen konnte und viele technische Begriffe lerne. In der nächsten Woche bekommen wir unsere Begleitunterlagen und dann kann ich auch zu Hause hacken!

28. März 2006 at 10:10 Hinterlasse einen Kommentar

Die hässliche Fratze

Heute ist der erste Büroarbeitstag seit dem Beginn der Robbenjagd, die Angestellten kehrten nach einem sonnigen Wochenende an ihre Schreibtische zurück, um online Zeitung zu lesen und Kommentare zu schreiben. Fred O'Regan, Chef des International Fund for Animal Welfare, sagte laut BBC, dass die Robbenjagd eine „cruel hunt for products that nobody needs“ sei und weiter „Canada is better than this“. Ich freue mich in Zeiten des Pessimismus-Chic über jeden Optimisten und es tut mir weh, gerade ihn enttäuschen zu müssen. Aber nach der Lektüre der Kommentare, die auf der Homepage der Globe and Mail abgedruckt sind, weiß ich, Kanada ist so. Oder zumindest die Kanadier, die sich öffentlich äußern, sind so.

Da wird gefragt, wo man denn Robbenfleisch probieren und Kleidung aus deren Fellen kaufen könnte. Man bedauert, dass die Demonstranten nicht schlimmer gerammt worden seien und untergegangen sind. Es gibt Angebote, ja geradezu den leidenschaftlichen Wunsch, selbst Robben zu töten, um es denen mal richtig zu zeigen. Wer es nicht mitansehen könne, wie Robben getötet werden, dem wird geraten, doch einfach wegzuschauen. Alle Nicht-Kanadier, namentlich Amerikaner, Paul McCartney und Brigitte Bardot, sollten sich gefälligst aus dem Thema raushalten, weil es nur Kanadier angehe und von denen die Mehrheit für die Jagd sei. Wer etwas anderes behauptet, der lügt. Und natürlich immer wieder das Beispiel von der Kuh, dem Huhn, dem Schwein und die Mär von der Tradition, der Kultur und dem Fischer, der nur seine Familie ernähren will.

Da haben wir sie also, diese weltoffene, tolerante und multikulturelle Gesellschaft. Leider höre ich nirgendwo Gegenstimmen, zumindest nicht aus Kanada. Keine Prominenten, die sich engagieren, keine Politiker, die Alternativen kennen, keine Protestaktion von Greenpeace Canada. Was soll man davon halten?

27. März 2006 at 12:09 Hinterlasse einen Kommentar

Noch ein Minzplätzchen

In, Ihr ahnt es schon, Mississauga gibt es ein chinesisches Restaurant namens Mandarin. Dabei handelt es sich nicht um ein Restaurant im eigentlichen Sinne, Mandarin ist vielmehr eine Restaurant-Kette, die chinesische Mainstream-Köstlichkeiten anbietet und mit der authentischen asiatischen Küche aber auch rein gar nichts zu tun hat. Das stört weiter nicht, ganz im Gegenteil, ich gehe richtig gerne dorthin. Ganze zwei Wochen habe ich mich auf unseren gestrigen Besuch gefreut, denn normalerweise nehmen wir das lunch buffet für 9,99 + tax mit, haben das aber irgendwie nicht hingekriegt. Also standen wir gestern nach dem vormittäglichen Einkauf pünktlich um 11:30 zum brunch buffet auf der mandarinschen Matte. Ich hatte mir das Frühstück gespart (das Abendessen später übrigens auch – außer ein paar kalorienreichen Knabbereien gegen den Appetit, von Hunger konnte keine Rede sein) und so passten ein Vorspeisenteller, drei Teller Hauptgerichte und zwei Teller Nachtisch rein.
Mandarin hat für jeden Geschmack etwas zu bieten: Salatbuffet, Suppen, Sushi, Pommes Frites, Kartoffelbrei, Erbsen, Bratwurst, Pizza, Torten, Eis, Gebäck, Früchte, Pudding, Waffeln, Bruschetta, Knoblauchbrot und dazwischen vier Reihen chinesische Gerichte – ein wahres Schlaraffenland, samstags für 14,99 + tax.
Wir waren froh, dass wir schon fast fertig waren, als eine 38 Köpfe zählende Grossgruppe das Restaurant enterte, was weniger ein Problem des Platzes denn des ästhetischen Anblicks war. Ob jung oder alt, die kanadische Ausgehuniform war offensichtlich Pflicht, um Teil des geselligen Beieinanders sein zu dürfen. Wenn die dehnbaren Kleidungsstücke wenigstens neu oder zumindest gepflegt gewesen wären, selbst als Nachtwäsche waren sie meiner Meinung nach nicht zu gebrauchen. Und dann kam es natürlich so, wie es kommen musste: Alle stürmten zum Buffet und kamen mit derart gehäuften Tellern wieder, als ob es kein Morgen gäbe. Manche brachten sich auch direkt zwei Teller mit. Warum befällt Menschen gerade an Buffets solch eine Verzweiflung, wo doch diese Bewirtungsform den ständig bereitstehenden Nachschub quasi garantiert?

26. März 2006 at 09:58 Hinterlasse einen Kommentar

Voltax statt Voltaren

Mönsch, das hättet Ihr mir auch mal sagen können!

24. März 2006 at 10:46 1 Kommentar

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