Archive for Juni, 2007

Bonne Fête Papa

Am Sonntag durften sich dann auch endlich die Väter in Frankreich feiern. Und ebenso wie in Kanada bekommen sie als Anerkennung ihrer Dienste in erster Linie Alkohol, Power Tools und so sinnvolle Kleinigkeiten wie Mini-Kühlschränke für’s Auto, die Komplettausstattung für die Pokernight oder das unvermeidliche Rasierzeug geschenkt.

Fritzi hatte sich dazu entschlossen, ihrem Papa mit einer Radwanderkarte der Ile de France eine Freude zu bereiten. Wobei sie offen ließ, ob sie ihn einfach nur darin bestärken wollte, endlich wieder mehr Zeit in sein Hobby zu investieren oder damit gar ausdrücken wollte, dass ja nun Mama’s Schwangerschaftsbauch seit langem perdu ist und der Papa ihr allmählich gleich tun könnte.

Wahrscheinlich malt sie ihm im nächsten Jahr ein Bild.

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19. Juni 2007 at 15:44 Hinterlasse einen Kommentar

Im Untergrund

Am Sonntag wagten wir das Abenteuer, mit öffentlichen Verkehrsmitteln Richtung Downtown Paris zu fahren. Ich wollte ja lieber Spaten und Staubwedel schwingen, aber zum Glück sprach der sonst schwer arbeitende Mann ein Machtwort. Hätte er das nicht getan, hätte ich am Mittwoch auf dem Weg zur Krabbelgruppe eine böse Überraschung erlebt.

Die Pariser Metro ist nämlich alles andere als kinderwagenfreundlich. Die Busfahrt die Hauptstraße unserer kleinen Stadt entlang zum Bahnhof des RER war kein Problem, auch der Vorortzug bzw. dessen Bahnhof war barrierefrei. Aber schon bald standen wir vor der ersten Herausforderung: Kein Aufzug weit und breit, als wir in die Metro umsteigen wollten. Also auf die Rolltreppe, die nicht gerade gemütlich die Steigung hochschaukelte – da musste man den Übergang schon rechtzeitig schaffen. Würde es überall in den Metro-Stationen Rolltreppen geben, hätte ich mich damit bestimmt irgendwann angefreundet und wäre in Nullkommanix Meister im Kinderwagen-die-Rolltreppe-rauf-und-wieder-runter-fahren geworden. Daraus wird aber leider nichts, denn die Metro-Stationen sind gespickt mit vielen kleinen und grösseren Treppen, die man nur zu Fuss bewältigen kann (Wie machen das eigentlich Rollstuhlfahrer? Leben die alle auf dem Land? Oder in bestimmten Vierteln? Und sind da die Metro-Stationen dann moderner?).

Ich mache mich also morgen mit Fritzi im Carrier auf den Weg. Mal sehen, wie das wird. Gerold kann mir ja abends den Rücken massieren.

12. Juni 2007 at 15:57 Hinterlasse einen Kommentar

Früh übt sich

Nicht ohne Grund bekam ich als frisch gebackene Mutter von so ziemlich jedem ein und denselben Ratschlag – immer und immer wieder: „Schlafe, wenn Dein Kind schläft!“. Und wie wahrscheinlich jede andere Mutter auch, musste ich auf die harte Tour lernen, dass sie Recht hatten. Besonders als Fritzi die Phase hatte, nur noch an meinen Oberkörper gedrückt zu schlafen– und das auch nur in aufrechter Haltung – konnte ich erahnen, dass Schlafentzug eine sehr effektive Foltermethode ist. Kein Wunder also, dass Bücher, die sich mit der Manipulation des kindlichen Schlafs beschäftigen, wahre Gelddruckmaschinen sind. Denn wieso sollte unsereins liebgewonnene Gewohnheiten ändern, wenn man doch ganz einfach den Neuling in unser Schema F pressen kann?
Auch in der Krabbelgruppe macht natürlich solch ein ‚Ratgeber‘ seine Runde. Dabei lernt das vermeintliche Wunschkind nicht nur endlich im Rhythmus seiner Eltern zu schlafen, sondern eignet sich auch gleich alle Qualitäten an, die es später als Fan von Tokio Hotel (oder wer dann auch immer angesagt sein mag) gut gebrauchen kann.
Was ist bloß aus uns geworden, dass wir unser Kind vorsätzlich und systematisch nach unserer Hilfe schreien lassen, und sie ihm dann letztendlich auch noch verweigern, nur weil Menschen, die wir persönlich gar nicht kennen, eine Anleitung dazu in Buchform veröffentlicht haben?

Ein Baby kann leider Gottes noch nicht sprechen, sondern schreit, wenn es z.B. Hunger hat, sich unwohl fühlt oder ganz einfach unsere Zuneigung spüren möchte. Doch was machen wir? Wir füttern es nicht, wir sorgen nicht für sein Wohlbefinden, ganz im Gegenteil, wir verweigern ihm auch noch unsere Liebe. Dafür schauen wir es in einem festgelegten Minutentakt an und lassen es so seine ganze Hilflosigkeit doppelt spüren. Ich möchte lieber nicht wissen, wie sich all die Babies fühlen, die auf diese Brachial-Methode zum sich irgendwann einstellenden Frust-Schlaf erzogen werden. Eines lernen sie gewiss, nämlich dass auf Mama und Papa ganz sicher kein Verlass in der Not ist. Aber die können ja endlich wieder in Ruhe schlafen und das ist den Vertrauensverlust schon wert.

Respekt und Geborgenheit sind meine Zauberwörter. Ich möchte, dass Fritzi sich respektiert fühlt – auch wenn ich nicht immer verstehe, was sie mir sagen will und auch, wenn das, was sie gerade will, meistens nicht in meinen Plan passt. Ich möchte, dass Fritzi sich geborgen fühlt – dass sie weiß, dass sie geliebt wird, egal was sie tut, und dass sie mutig und neugierig in die Welt geht, weil sie weiß, dass da jemand ist, der ihr den Rücken stärkt. Natürlich bin ich weit davon entfernt, mein Ideal von einer glücklichen Mutter-Kind-Beziehung jeden Tag auch in die Tat umzusetzen und natürlich gab es auch bei mir schon die Situation, in der ich das Schreienlassen ausprobiert habe. Außer dass ich mich beim Blick in ihre Augen so mies wie noch nie zuvor gefühlt habe, hat es nichts gebracht. Denn das Problem mit der fehlenden Zeit habe ich, nicht sie. Warum also sollte sie es für mich lösen?

10. Juni 2007 at 16:05 Hinterlasse einen Kommentar

Unter Müttern

Am Mittwoch waren wir zum ersten Mal bei der Krabbelgruppe der Evangelischen Kirche von Paris. Nicht weil ich evangelisch bin, sondern weil der Vormittagstermin der Katholischen Kirche einfach zu früh ist. Und weil so schönes Wetter war, haben wir uns im Parc Monceau getroffen. Der Park war voller Kinder und – frei von Hunden!

Für mich war es überhaupt das erste Mal, dass ich bei einer Krabbelgruppe war und wenn der schwer arbeitende Mann Fritzi und mich nicht einfach eingepackt und hingefahren hätte, würde ich heute noch nicht wissen, was Fritzi anderen Kindern voraus hat, sondern nur das sehen, was sie nicht kann, und mich fragen, was ich falsch gemacht habe, das PEKiP-Buch wieder rauskramen und im Internet verzweifelt nach Informationen zur Frühförderung suchen. Was für ein Blödsinn!
Und ich habe noch eine Lektion gelernt: Die kleinen Kinder bekommen hier in Frankreich alle ein quietschendes Gummitier namens „Sophie, la Girafe“ geschenkt. Deshalb sind Fritzi und ich gleich gestern in den Ort gegangen und haben uns auch eine gekauft. Auf der kaut sie seitdem mit einer Hingabe herum, dass es eine wahre Wonne ist, ihr dabei zuzusehen.

Auf dem Rückweg kamen wir auch beim hiesigen Sportartikel-Laden vorbei und nun ratet mal, womit der sein Schaufenster dekoriert hat? Mit einem Poster von einem Raptorstrikot – ein durch und durch erfreulicher Tag!

8. Juni 2007 at 17:44 Hinterlasse einen Kommentar

Bonne Fête Maman

In Kanada gelten „I love you Mom“-Herzchen-Halsketten, -Schlüsselanhänger oder -Plüschtiere als tolle Geschenkidee zum Muttertag (zumindest nach Meinung der Werbeblättchen). Hier in Frankreich gibt es Parfum, Blumen oder edles Konfekt. Fritzi hat mir heute zu unserem ersten Muttertag eine Algenmaske für bzw. gegen die gestresste Haut und eine Massagebürste gegen die schweren Beine geschenkt.

So stand ich also heute Morgen im Bad, schaute in mein grünes Gesicht und runter auf die rot gebürsteten Beine und fast zwangsläufig entwickelte sich daraus ein innerer Dialog, der sich um folgende Fragen drehte: Sehe ich wirklich so fertig aus, dass meine knapp sechs Monate alte Tochter (die mich ja noch nie anders als übermüdet und erschöpft gesehen hat) an einer Anti-Stress-Maske nicht vorbeigehen kann, ohne an mich zu denken? Und warum sind die grün und nicht farblos oder weiß und riechen lecker nach Erdbeere oder Zitrone? Kann diese Noppen-Borsten-Bürste wirklich schaffen, was meine Stütz-Kniestrümpfe nicht schaffen? Und warum wirken die eigentlich nicht mehr (in der Schwangerschaft war ich noch sehr zufrieden damit, aber das tägliche neben Fritzi sitzen, stehen, liegen ist dann wohl doch zuviel)?

Im nächsten Jahr will Fritzi mir ein Bild malen.

3. Juni 2007 at 16:06 Hinterlasse einen Kommentar


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