Glory, glory, hallelujah

24. Januar 2009 at 15:18 Hinterlasse einen Kommentar

Letzte Woche gab es wieder einen dieser Tage, an dem ich die Franzosen gerne in einen Sack gepackt und auf den Mond geschossen hätte. Mich nerven die vollgekackten Bürgersteige, weil ich morgens im Dunkeln nicht sehen kann, ob ich mit dem Kinderwagen gerade durchfahre oder nochmal davon gekommen bin. Ich habe genug von rücksichtslosen Autofahrern, Müttern, die mit ihren kleinen Kindern über rote Ampeln laufen, Bussen, die zu spät oder gerne gar nicht kommen. Ich mag die marode Bausubstanz, die zusammen geklebten Ladenfassaden und den Müll, der überall rumliegt, nicht mehr sehen. Und die Sprache kann ich auch nicht mehr hören – geschweige denn sprechen.

Da kam mir dieser Bericht dann gerade recht! Mag sein, dass der Autor sogar in Paris lebt. Viel eher glaube ich aber, dass er zu viele französische Imagebroschüren gelesen hat oder als Lobbyist in Lohn und Brot steht. Zumindest aber arbeitet er in keinem normalen Büro und hat nur sehr begrenzten Zugang zur Pierre-Normal-Familie. Oder er verbreitet wider besseren Wissens ganz einfach das, was viele Deutsche gern über die Franzosen lesen wollen, damit sie sich darin ergehen können, wie gut es denen und wie schlecht es ihnen geht.

Denn auch in Paris wird am Schreibtisch gegessen. Oder im Gehen, während man etwas einkauft. Oder auch gar nicht. Wenn doch, dann wird abends entsprechend länger gearbeitet und man kann durchaus hinterfragen, ob eine schnelle Mittagspause, dafür aber ein Abendessen mit den Kindern nicht auch Motivation sein kann (statt immer nur von den verrohten Sitten in Deutschland zu schwadronieren).

Ja, und dann der „Dimanche Soir“. Wir schön heimelig das klingt! Und auch wäre, wenn es leckere Reste vom Mittagessen gäbe. Ein einziger Blick in einen durchschnittlichen französischen Einkaufwagen genügt, um zu wissen, dass wohl auch das „Dimanche Dejeuner“ in erster Linie aus Resten besteht – wenn auch industriell zu einem gesamten Mahl verarbeitet. Wie sieht wohl ein Reste-Essen aus Fertiggerichten aus? Genau!

Wie wäre es, wenn der Autor mal auf die Idee käme, den Leckereien der deutschen Küche zu frönen? Dann würde er z.B. merken, dass mit Sauerkraut, Schweinshaxe und Linseneintopf beliebte französische Gerichte auch anderswo hervorragend zubereitet werden.

Mir jedenfalls geht die Glorifizierung alldessen was französisch ist gehörig auf die Nerven.

PS: Vielleicht warte ich jetzt einfach mal besseres Wetter, den Gewinn der Sofort-Rente oder die Wahl der Dschungelkönigin ab, bis ich wieder etwas schreibe. Das hebt die Stimmung, setzt positive Energien und Blog-Artikel frei!

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Entry filed under: tagtäglich, Vive la France.

Freundlichkeit ist eine Zier Deutsche Sprache, schwere Sprache

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