Wo Gesang ist, da suche das Weite

18. Juli 2008 at 14:07 Hinterlasse einen Kommentar

Ich beneide Gerold immer darum, wenn er beruflich nach Hamburg reisen darf. Naja, eigentlich beneide ich nicht ihn, sondern die Reise. Oder anders gesagt, ich möchte nur reisen, aber nicht beruflich. Denn einmal angekommen, sitzt Gerold den ganzen Tag in Besprechungen und als ob sie alle noch nicht genug Zeit miteinander verbracht hätten, gehen sie abends auch noch gemeinsam essen.

Leider kann ich nicht immer dabei sein, in Erinnerungen schwelgen, Currywurst essen und durch die Geschäfte bummeln, und so blieb ich vor einiger Zeit allein zurück, während sich der schwer arbeitende Mann aufmachte, in die schönste Stadt der Welt zu reisen.
Mein Schwermut wich aber schon am nächsten Morgen einer gewissen Erleichterung, nämlich in genau dem Moment, als Gerold mich mit dem Abendblatt in der Hand anrief und die Einschaltquoten vom Wochenende vorlas. Uneinholbarer Sieger war „Das Frühlingsfest der Volksmusik“ (oder so ähnlich, es ist ja schon Sommer und so erinnere ich mich nicht mehr ganz genau), samstags in der ARD. Ich war sprachlos vor Entsetzen.
Dazu muss ich folgendes anmerken: Wir haben an besagtem Samstag nach der Tagesschau nicht gleich die Kurve gekriegt und so lief der Quotenkönig bereits, als wir mit Wein zu Weib und Gesang ins Wohnzimmer zurückkehrten. Ich kannte Florian Silberlocke nur als (wie ich finde, urkomische) Switch-Parodie und so ließen wir das lustige Stelldichein einfach mal weiterlaufen. Wir hörten uns seine Kranken- und Krückengeschichte an und sahen langbeinige Tänzerinnen einen French Can-Can tanzen (natürlich nicht Oben-ohne). So weit, so grausig. Doch dann kam ein rotes Pferd auf die Bühne und die folgende Darbietung war das schlimmste, was ich seit langem gesehen hatte. Zum Glück bestand der Text des Liedes aus ungefähr einer Zeile und „lalalalala“ – mehr wäre auch nicht zu ertragen gewesen. Als Nachtisch oder Verdauerli, man kann es sehen wie man will, lauschten wir noch einer Dirndlträgerin, die sich so darüber freute, dass wir da sind, dass sie das gleich auch singen musste. Eine Darbietung in Gebärdensprache hätte mir vollauf gereicht.
Ich weiß jetzt gar nicht mehr, ob wir noch umgeschaltet oder gleich den Stecker gezogen haben und schlafen gegangen sind. Mein Heimweh war jedenfalls kuriert (zumal ich wusste, dass auch ich bald mal wieder reisen darf – davon mehr beim nächsten Mal).

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