Meine Rente ist sicher

5. März 2008 at 08:38 Hinterlasse einen Kommentar

In der letzten Woche sind Fritzi und ich zum ersten Mal ohne männlichen Schutz nach Deutschland gereist. Und ebenfalls zum ersten Mal habe ich erlebt, was es heißt, als Mutter mit Kind allein zu reisen.

Los ging es schon am Flughafen in Paris. Wir wussten es, waren schon oft genug da gewesen, hatten es aber doch irgendwie vergessen: Auf dem „Charles de Gaulle“ findet die erste Sicherheitskontrolle bereits vor dem Einchecken statt und so schlängelte und schleppte ich mich allein mit Kinderwagen, Koffer, Teddyrucksack, Wickel-, Hand- und Fototasche durch das Gewühl zum Check-In-Schalter. Dort angekommen, hievte ich den Koffer auf’s Band, passte auf Fritzi auf, baute den Kinderwagen auseinander, holte Fritzi vom Nachbarschalter zurück, wartete mit einer quengelnden Fritzi auf die Ankunft der zwei Plastiksäcke, in die der Kinderwagen gepackt werden sollte, klaubte mein restliches Hab und Gut wieder zusammen und trat schlussendlich die lange Reise zum Gate an. Viel Geschleppe, viel Gelaufe, aber zum Glück eine annehmbare Toilette direkt am Gate, wo ich Fritzis Hände waschen konnte, die vom Krabbeln (warum sie nicht laufen wollte, weiß der Himmel) auf dem Fußboden so schwarz waren, dass sie bequem ihre Fingerabdrücke hätte abgeben können. Soviel Abhärtung durch Dreck muss dann auch wieder nicht sein.

Weiter ging es in Bremen. Immerhin bot sich ein Mitreisender an, mein Handgepäck aus dem Flugzeug rauszutragen und ein anderer hilfsbereiter Herr angelte meinen Koffer vom Band herunter. Was nicht kam, war der Kinderwagen, der am CDG aus Sicherheitsgründen immer aufgegeben werden muss. Als es endlich soweit war, erwachte der diensthabende Zollbeamte aus seiner Erstarrung; sein bis dahin leerer Blick fand ein Ziel: Uns! Das war auch nicht weiter schwer, denn wir waren die letzten zwischen den Gepäckbändern. Interessiert beobachtete er nun, wie ich einen Kinderwagen auspackte, aufbaute und gleichzeitig dem potenziellen Insassen hinterherlief, der eindeutig genug getragen worden war und außerdem zu lange gesessen hatte. Soviel Multitasking war zuviel für den guten Mann.

Dann kam der Rückflug, erste Station wieder Bremen. Hier kann man den Kinderwagen zwar mit zum Flugzeug nehmen, er muss aber natürlich durch die Sicherheitskontrolle (auseinander gebaut!) und dann auch irgendwie die Treppen zum Bus runter. Ich glaube, wir waren ungefähr drei Frauen an Bord und dreimal dürft Ihr raten, wer mit mir den Kinderwagen runter trug und im Bus geholfen hat. Natürlich keiner der Männer. Das rächte sich prompt, denn ich sollte als erste an Bord gehen. Vor dem Flugzeug das gleiche Spiel wie am CDG – Kinderwagen auseinander bauen und in Plastiksäcke einpacken. Mit Sturm Emma ein zeitraubendes Unterfangen, noch zeitraubender wenn keiner mithilft und den wehenden Sack aufhält.

In Paris war es dann etwas einfacher: Ein Sack war unterwegs verloren gegangen und als Fritzi in ihrem Wagen vor der Glasscheibe neben dem Gepäckband sass, auf der anderen Seite stand Gerold, da konnte ich in Ruhe unseren Koffer auflesen, der mittlerweile eine Reisetasche als Begleitung bekommen hatte. Koffer- und Kinderwagen schieben ist nicht ganz einfach, geht aber, auch wenn einige Hacken dran glauben mussten. Es ist schließlich enorm wichtig, dass, wenn man einen Kinderwagen sieht, schnell noch vorweg huscht.

Fazit: Alleinerziehend, und damit meistens alleinreisend, möchte ich wirklich nicht sein. Ob im Kinderparadies Frankreich oder in der Kinderhölle Deutschland – die Leute waren überall gleich freundlich bzw. unfreundlich und angenervt. Man braucht schon ein dickes Fell, um die Blicke und Mienen so mancher – wahrscheinlich kinderloser – Zeitgenossen zu ertragen. Ich habe mir dann immer vorgestellt, dass Fritzi später ganz allein für meine Rente arbeiten wird und all die Miesepeter zum Sozialfall werden (möglichst im Ausland, denn sonst liegen sie ihr ja wieder auf der Tasche).

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