Früh übt sich

10. Juni 2007 at 16:05 Hinterlasse einen Kommentar

Nicht ohne Grund bekam ich als frisch gebackene Mutter von so ziemlich jedem ein und denselben Ratschlag – immer und immer wieder: „Schlafe, wenn Dein Kind schläft!“. Und wie wahrscheinlich jede andere Mutter auch, musste ich auf die harte Tour lernen, dass sie Recht hatten. Besonders als Fritzi die Phase hatte, nur noch an meinen Oberkörper gedrückt zu schlafen– und das auch nur in aufrechter Haltung – konnte ich erahnen, dass Schlafentzug eine sehr effektive Foltermethode ist. Kein Wunder also, dass Bücher, die sich mit der Manipulation des kindlichen Schlafs beschäftigen, wahre Gelddruckmaschinen sind. Denn wieso sollte unsereins liebgewonnene Gewohnheiten ändern, wenn man doch ganz einfach den Neuling in unser Schema F pressen kann?
Auch in der Krabbelgruppe macht natürlich solch ein ‚Ratgeber‘ seine Runde. Dabei lernt das vermeintliche Wunschkind nicht nur endlich im Rhythmus seiner Eltern zu schlafen, sondern eignet sich auch gleich alle Qualitäten an, die es später als Fan von Tokio Hotel (oder wer dann auch immer angesagt sein mag) gut gebrauchen kann.
Was ist bloß aus uns geworden, dass wir unser Kind vorsätzlich und systematisch nach unserer Hilfe schreien lassen, und sie ihm dann letztendlich auch noch verweigern, nur weil Menschen, die wir persönlich gar nicht kennen, eine Anleitung dazu in Buchform veröffentlicht haben?

Ein Baby kann leider Gottes noch nicht sprechen, sondern schreit, wenn es z.B. Hunger hat, sich unwohl fühlt oder ganz einfach unsere Zuneigung spüren möchte. Doch was machen wir? Wir füttern es nicht, wir sorgen nicht für sein Wohlbefinden, ganz im Gegenteil, wir verweigern ihm auch noch unsere Liebe. Dafür schauen wir es in einem festgelegten Minutentakt an und lassen es so seine ganze Hilflosigkeit doppelt spüren. Ich möchte lieber nicht wissen, wie sich all die Babies fühlen, die auf diese Brachial-Methode zum sich irgendwann einstellenden Frust-Schlaf erzogen werden. Eines lernen sie gewiss, nämlich dass auf Mama und Papa ganz sicher kein Verlass in der Not ist. Aber die können ja endlich wieder in Ruhe schlafen und das ist den Vertrauensverlust schon wert.

Respekt und Geborgenheit sind meine Zauberwörter. Ich möchte, dass Fritzi sich respektiert fühlt – auch wenn ich nicht immer verstehe, was sie mir sagen will und auch, wenn das, was sie gerade will, meistens nicht in meinen Plan passt. Ich möchte, dass Fritzi sich geborgen fühlt – dass sie weiß, dass sie geliebt wird, egal was sie tut, und dass sie mutig und neugierig in die Welt geht, weil sie weiß, dass da jemand ist, der ihr den Rücken stärkt. Natürlich bin ich weit davon entfernt, mein Ideal von einer glücklichen Mutter-Kind-Beziehung jeden Tag auch in die Tat umzusetzen und natürlich gab es auch bei mir schon die Situation, in der ich das Schreienlassen ausprobiert habe. Außer dass ich mich beim Blick in ihre Augen so mies wie noch nie zuvor gefühlt habe, hat es nichts gebracht. Denn das Problem mit der fehlenden Zeit habe ich, nicht sie. Warum also sollte sie es für mich lösen?

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