Born to be breastfed

13. Februar 2007 at 11:41 1 Kommentar

Die Deutschen sind schon wahre Weltmeister im Mütter-ein-schlechtes-Gewissen-einreden (man ist ja gleich eine Rabenmutter, wenn man nur daran denkt, dass man auch gerne mal wieder die Tageszeitung lesen würde), aber die Kanadier holen langsam auf. Zwar ist Stillen in der Öffentlichkeit immer noch ziemlich verpönt (nicht so schlimm wie in den USA, wo man als stillende Mutter schon mal aus dem Flugzeug entfernt wird), aber wozu gibt es schließlich diese tollen Ponchos, die man über sich und sein Baby werfen kann – Nipplegate lässt grüssen. Man sieht dann zwar nicht mehr, wer an der Brust hängt, aber so viele Möglichkeiten gibt es ja nicht.
Entscheidet sich die glückliche Mutter dennoch dafür, nicht zu stillen, geht die Hatz los. Denn auf Schritt und Tritt bekommt man eingetrichtert, wie gut Breastfeeding für Mutter und Kind ist und es gehört schon ein sehr gesundes Nervenkostüm dazu, sich selbst allen möglichen Krebsrisiken auszusetzen und ein zeitlebens krankes Kind gross zu ziehen. Ich stille zwar, aber selbst vor mir haben die Parolen der Jünger des Busens der Natur nicht halt gemacht.
Ich bekam mein Fett von der Public Nurse weg, die auf Wunsch junge Eltern betreut und ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen soll (erst erhält man eine telefonische Beratung und wenn man möchte, kommt sie auch noch mal vorbei). Obwohl meine Milch gut fließt und Fritzi wächst und gedeiht, habe ich so manche Stunde heulend darüber verbracht, dass ich nur acht- bis neun- statt zehnmal stille, sie manchmal zuviel Vor- und zu wenig Hintermilch bekommt (und deswegen grün in ihre Windeln pupst) und meine Milchbildung wegen all der Gedanken, die ich mir mache, sowieso bald zum Erliegen kommt. Als der kleine Wurm Blähungen hatte, wollte ich mich nur noch von Fencheltee ernähren, weil die Public Nurse meinte, dass Milchprodukte, Süßigkeiten, Kaffee und natürlich die üblichen Verdächtigen das Problem sein könnten (dabei wiege ich jetzt schon 4,5 kg weniger als vor meiner Schwangerschaft – ich brauche meine tägliche Ration Schokolade einfach!).
Zum Glück ist meine Kinderärztin eine sehr bodenständige Frau, und nicht fixiert auf’s Stillen, und hat mir erklärt, was eigentlich alles normal ist – und das ist eine ganze Menge!

Fazit: Da man gefragt wird, ob man die Beratung der Public Nurse in Anspruch nehmen möchte, würde ich davon abraten. Denn Stillen ist erklärte Politik der Stadt Toronto und deshalb das Allheilmittel für alles und quasi der Lebensmittelpunkt einer jeden Mutter. Ich finde, das sollte lieber das Baby sein und Ratschläge kann man sich bei erfahrenen Müttern mindestens genauso gut holen.

PS: Auch den Geburtsvorbereitungskurs kann man sich eigentlich sparen – oder zumindest nicht so ernst nehmen. Wir haben den Kurs im Mount Sinai gemacht und gingen davon aus, dass die Trainerinnen daher auf dem neusten Stand seien. Falsch gedacht! Abgesehen davon, dass sie das Thema Geburt, Wehen und Schmerzen völlig verklärt dargestellt haben und der Kaiserschnitt in ihrem Weltbild praktisch gar nicht existierte, hatten sie auch keine Ahnung davon, welche Prozesse bei der Geburt und danach im Krankenhaus ablaufen oder welche Schmerzmittel aktuell angeboten werden. Unsere Ansicht nach 140,- verschenkte Dollar und sechs verpatzte Abende.

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Doctor, Doctor Strollen wie ein VIP

1 Kommentar Add your own

  • 1. Sabrina  |  18. Februar 2007 um 10:43

    Hallo Nicole!
    Schön, wieder mal was neues von Euch zu lesen.
    Jaja, das Stillen. Ich sage Dir nur eins, ich habe keine Minute gestillt, weil ich nämlich kaum Milch hatte, heißt, meine Tochter ist komplett mit der Flasche großgezogen worden, und man hat mich auch vollgequatscht, wie schlecht das doch wäre.
    Meine Tochter ist jetzt 13 Jahre alt und gesund und munter und hatte überhaupt keine Nachteile durch die Flasche – und die Bindung zu mir ist auch nicht auf der Strecke geblieben – manchmal könnte es sogar ein bissi weniger sein ;o)
    Geburtsvorbereitungskurse sind auch nicht das Wichtigste auf der Welt. Ich war genau einmal in so einem Kurs und habe trotzdem eine Traumgeburt hinter mir – wenn es sowas überhaupt gibt, rein schmerztechnisch gesehen. Es ging nachts um 1.30 Uhr los und um 5.49 Uhr war das Prinzesschen schon da. Hat also mit Atemübungen nix zu tun… in meinen Augen.

    Ich kann Dir nur raten, handele aus dem Bauch raus, was Dir Deine Gefühle sagen, das ist immer genau das Richtige. Man wird von der Öffentlichkeit viel zu sehr verrückt gemacht. Jedes Kind ist anders, es gibt keine Allheilmittel. Manche Dinge muss man auch auf sich zukommen lassen, das regelt sich alles irgendwie.

    Mach‘ Dich locker, das schaffst Du schon :o) Verrücktmachen macht auch Dein Kind verrückt, weil Du dann nämlich das Verrücktmachsyndrom hast und das auch ausstrahlst. Also, einfach chillen, Baby! LOL

    Viele, liebe Grüße und alles Gute aus D
    von Sabrina

    PS: Komme wahrscheinlich Anfang Mai für eine Woche nach Toronto, mal die Lage checken. Meine File-number ist mittlerweile auch eingetroffen. Kann’s kaum noch abwarten! *sry*

    Antwort

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