Nach uns die Sintflut

2. November 2006 at 09:41 Hinterlasse einen Kommentar

Ich habe es schon immer geahnt, doch nun gab es die Bestätigung schwarz auf weiß: Kanadier sind Umweltschweine (wobei ich mich ausdrücklich davon distanziere, das rosa Borstenvieh für irgendwelche menschlichen Fehltritte verantwortlich zu machen). Laut eines Berichtes des WWF ist Kanada, hinter den Vereinigten Arabischen Emiraten, den USA und Finnland (!) der viertgrösste Ressourcenverbraucher weltweit.
Während es heute schon so ist, dass durchschnittlich jedem Menschen 1,8 Hektar Welt zur Verfügung stehen, um daraus seine Grundbedürfnisse zu decken, und er aber tatsächlich 2,2 Hektar dafür verbraucht, schlägt der kanadische Lebensstil mit einem Verbrauch von sage und schreibe 7,6 Hektar zu Buche (Deutschland belegt Rang 23 mit 4,5 Hektar). Das ist ein Wert, den man selbst mit gutgemeinten Aktionen wie „Energiesparlampen statt Glühbirnen“ nicht wirklich reduzieren kann.

Interessant ist dabei, dass dem Großteil unserer kanadischen Freunde nicht einmal bewusst sein dürfte, wie unverantwortlich sie sich verhalten. Sei es, weil sie mit ihrer Einwanderung Lebensumstände hinter sich gelassen haben, in denen Umweltschutz nun wirklich gar keine Rolle spielte oder weil sie schlichtweg keine Alternativen kennen – gut, eine gehörige Portion Ignoranz ist natürlich auch mit dabei. Wer sein ganzes Leben in Räumen verbracht hat, die Sommer wie Winter die gleiche Temperatur haben, fragt sich nicht, was das an Energie kostet. Wer nie in einem Land war, in dem man an der Supermarkt-Kasse für Plastiktüten bezahlen muss, der findet nichts schlimmes daran, bei jedem Einkauf zwanzig davon nach Hause zu schleppen. Wer nicht weiß, wieviel sein Auto auf 100 km verbraucht, so wie viele von Gerolds Kollegen und Mitarbeitern, den stören 18 Liter auch nicht weiter. Und wer in einem Condominium wohnt, wo mit der Miete alle Energiekosten abgedeckt sind, der schaltet die Heizung oder Klimaanlage eben nicht aus, wenn er lüftet.

Es ist also noch ein weiter Weg, den der Umweltschutz in Kanada zurücklegen muss. In anderen Ländern gibt es wenigstens ein Bewusstsein dafür, dass es auch anders gehen kann und muss und es hapert ’nur‘ an den Lobbyisten und somit der Umsetzung, aber davon sind wir hier noch ganz weit entfernt.
Immerhin streitet sich das Parlament bereits seit einigen Tagen in der „Question Period“ (ein in seinem Unterhaltungswert kaum zu überbietendes Spektakel, in dem Parlamentsmitglieder den jeweiligen Ministern mehr oder weniger unbequeme Fragen stellen und bei dem es, abhängig vom Provokationsgrad der Frage oder Antwort, schon mal heiß hergehen kann) über die Abkehr vom Kyoto-Protokoll hin zum eher lächerlichen „Made in Canada“ Clean Air Act.

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Entry filed under: alles anders in Kanada, Nonstop Nonsens, tagtäglich.

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