Zu Gast bei den Newfies, Teil 1

30. August 2006 at 12:15 Hinterlasse einen Kommentar

Unsere erste richtige Kanada-Reise führte uns nach Newfoundland. Natürlich wollten wir nicht die ganze Insel bereisen (bei 15 Tagen Jahresurlaub muss man ein bisschen knausern), sondern nur die Avalon Peninsula, auf der sich auch die Hauptstadt St. John’s befindet (wir haben unsere Pläne zwar zwischendurch geändert und auch einen kurzen Abstecher auf die benachbarte Bonavista Peninsula gemacht, aber das schadet ja nix).

Da zwischen Toronto und St. John’s 1,5 Stunden Zeitunterschied liegen, waren wir trotz des Abfluges zu fast nachtschlafender Zeit erst mittags dort. Als erstes fielen uns der super freundliche Taxifahrer und die bunt gestrichenen Häuser auf – eine wunderbare Abwechslung zu den wortkargen indischen Freunden, die uns sonst kutschieren, und dem braunen und beigefarbenen Häusereinerlei in Toronto. Die Einrichtung unseres Hotelzimmers war dann wieder in verschiedenen Brauntönen gehalten, wahrscheinlich damit sich die Besucher aus Toronto ein bisschen heimisch fühlen. Ich fand’s ganz schrecklich, aber es war sauber, hatte einen tollen Blick auf den Hafen und lag sehr zentral (was sich im Nachhinein als kleiner Nachteil erwies, denn die Touristen in St. John’s sind wahre Partypeople und feiern lauthals bis in die Morgenstunden).
Den Rest des Tages und auch den folgenden verbrachten wir in St. John’s, spazierten durch den Hafen und die Strassen, genossen die farbenfrohen Häuser und den strahlenden Sonnenschein. Natürlich fuhren wir auch zum Signal Hill an der Hafeneinfahrt und zum Cape Spear, dem östlichsten Punkt Nordamerikas – so nah waren wir Europa schon lange nicht mehr gewesen.

Am dritten Tag hätte eigentlich Whale Watching auf dem Programm gestanden, doch dafür waren wir zwei Wochen zu spät (die müssten mal ihre Reiseführer aktualisieren). Die letzten Eisberge kamen übrigens vor zwei Jahren vorbei. Dafür haben wir zahlreiche nistende Puffins (Papageientaucher) und einen Mondfisch (im Englischen witzigerweise Sunfish genannt) gesehen. Auch ohne Wale ist die Bootstour von O’Brien’s wirklich zu empfehlen.

Der vierte Tag führte uns dann weiter Richtung Süden. Statt Sea Kayaking (dazu war meine Nase dann doch noch zu dick) machten wir eine kurze Wanderung (4 km) über Stock und Stein zu einer der vielen felsigen Buchten, genossen die Natur und die Einsamkeit. Beides Dinge, die unseren Urlaub sehr prägten. Obwohl die Avalon Peninsula im Vergleich zum Rest Neufundlands dicht besiedelt ist, kann man in der Tat kilometerweit fahren (und oft auch gucken) und sieht keinen Menschen, kein Haus, nur Gegend. Die übrigens recht abwechlungsreich und beeindruckend ist; sehr bergig, viele Seen, schroffe Steilküsten oder felsige Buchten, Nadelwälder, Busch- und Graslandschaften oder karger, steiniger Boden. Wenn wir die Strasse hinter einer Hügelkuppe in der Ferne nicht mehr sehen konnten, fühlten wir uns oft wie am Ende der Welt, besonders wenn es auch noch nebelig war.

Abends machten wir in einem Bed & Breakfast Rast und trafen beim Frühstück das erste Mal auf andere Mitreisende, die uns empfahlen, auch unbedingt einen Abstecher auf die Bonavista Peninsula zu machen. Es war meine erste B & B Erfahrung und eine sehr positive noch dazu. Wir hatten Glück, dass wir das Zimmer überhaupt bekamen (andere hatten abgesagt), denn sonst hätten wir in einem weniger ansehnlichen Motel übernachten müssen. Mehr Auswahl gab es nicht. Auch etwas, das wir lernen mussten. Sobald man die nähere Umgebung St. John’s hinter sich lässt, werden die Ortschaften immer kleiner und ähneln oft eher zufälligen Ansammlungen von Häusern. Supermärkte sucht man dann vergeblich, findet aber – wenn man Glück hat – einen Convenience Shop, manchmal mit, aber meistens ohne Tankstelle. Wenn man einen sieht, tut man gut daran, anzuhalten und Wasser und was man sonst noch braucht einzukaufen (wobei die Auswahl an Obst und Gemüse eher mau ist), auch wenn man noch eine Flasche hat. Es kann nämlich gut sein, dass der nächste Ort keinen hat und der übernächste auch nicht und das wird dann langsam ärgerlich. Man sollte sich auch vom Äußeren solcher Läden nicht schrecken lassen, meist sind sie erstaunlich gut sortiert. Außerdem hat man ja auch keine Alternative.

Weiter geht’s morgen mit Teil 2.

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Der grosse Tag Zu Gast bei den Newfies, Teil 2

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