Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs

28. August 2006 at 09:14 Hinterlasse einen Kommentar

Immer wenn sich die USA einer akuten oder vermeintlichen Terrorgefahr ausgesetzt sehen, fühlt sich Kanada gleich mit bedroht. Auch wenn es, anders als kanadische Politiker gerne behaupten, so gut wie keine Rolle in der Weltpolitik spielt und ohne seinen Afghanistan-Einsatz auf kaum einer Extremisten-Landkarte zu finden wäre.
Nach den Chaos-Tagen von Heathrow hat die kanadische Regierung nicht lange gezögert und alle Flüssigkeiten und gel- oder cremeähnliche Substanzen an Bord von Flugzeugen verboten. Und zwar auf allen Flugstrecken. Duty Free Shops ist es nicht mehr erlaubt, Alkoholika, Kosmetik oder Parfum an den Mann oder die Frau zu bringen und die Imbissbuden hinter den Sicherheitskontrollen dürfen Getränke nur noch in Bechern verkaufen (die man selbstverständlich nicht mit an Bord nehmen darf).
Auch wenn dieses Brimborium nur die Hilflosigkeit der Regierenden zeigt, sind mir alle Sicherheitsvorkehrungen lieber, als in der Luft in Schutt und Asche gebombt zu werden. Das Problem dabei ist nur, dass die Airlines ihre Serviceangebote, die man kaum noch als solche bezeichnen kann, natürlich nicht angepasst haben. Man bekommt an Bord selbstverständlich keine zusätzliche Flasche Wasser oder Hautcreme gegen die trockene Luft (zumindest nicht wenn man Economy fliegt, wozu es inländisch keine Alternative gibt, nicht einmal gegen Bezahlung). Aber wahrscheinlich werden sie ihre Chance bald erkennen und Dinge, die das Fliegen angenehmer machen, zu Wucherpreisen verkaufen.

Von all dem ahnten wir nichts, als wir uns am Donnerstag in der vorletzten Woche um 5:30 morgens in die Schlange vor dem Check-In einreihten. Ich mit einer Nase so dick wie ein Tennisball, schniefend, röchelnd und ständig an der Wasserflasche nuckelnd, um den Hals zu beruhigen. Das böse Erwachen kam, als uns die unfreundliche Angestellte von Skyservice die aktuelle Sachlage darstellte: Weder Penatencreme für die rote Nase noch – mein persönlicher Super-Gau – Labello seien an Bord gestattet, Wasser sowieso nicht.

Ich verwende Labellos (hier nur als Synonym, weil Fettstift nicht so nett klingt; denn einen Labello – also den von Beiersdorf – nehme ich nur, wenn es wirklich gar keine Alternative gibt) seit ich 16 bin, selbst nachts wenn ich aufwache.

So schmierte ich am Schalter ein letztes Mal die Lippen ein und ab mit dem guten Stück in den Koffer. Voller Hoffnung suchte ich nach den Sicherheitskontrollen einen Duty Free Shop auf und musste die nächste Enttäuschung hinnehmen (siehe oben). Als wir an Bord gingen hatte ich bereits das Gefühl, die Haut meiner Lippen in Fetzen abziehen zu können und freute mich riesig auf den dreistündigen Flug.
Dann aber hatte Gerold die Idee. Als Reiseproviant hatten wir Landjäger und gegrillte Mettenden eingepackt (und wären auch damit beinahe an den Sicherheitskontrollen gescheitert). Von einem Mettende war nur noch die Hälfte da und die triefte vor Fett – der perfekte Labelloersatz. Damit mich keiner komisch anguckte, weil ich meine Lippen mit einer Wurst einschmierte, habe ich die Fettbombe in eine Serviette gewickelt – ein bisschen Eitelkeit war bei aller Verzweiflung noch vorhanden – und so den Flug am Ende doch relativ gut überstanden (auf das unbeschreibliche Glücksgefühl beim Anblick meines Koffers will ich mal nicht näher eingehen).

Mehr zu unserem Urlaub dann morgen.

PS: Dick-Fritz ist wieder fast so fidel wie vorher. Ein bisschen wird er noch behandelt und das Fell muss auch noch nachwachsen, aber das Schlimmste ist erstmal überstanden. Vielen Dank für die Genesungswünsche!

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Glück im Unglück Der grosse Tag

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