Rangierbahnhof

13. Juli 2006 at 10:33 Hinterlasse einen Kommentar

Mehrmals täglich vollzieht sich bei uns ein merkwürdiges Ritual: Unsere Nachbarn parken ihre Autos um, das vom Straßenrand in die Auffahrt und das aus der Auffahrt an den Straßenrand. So macht’s nicht nur einer, sondern die gegenüber und diejenigen, die zwei Häuser rechts und links von uns wohnen. Ein Zufall kann das also nicht mehr sein.
Nun muss man dazu wissen, dass besagte Nachbarn zwar drei bis vier Autos fahren, aber auch sehr lange Auffahrten und zum Teil Doppelgaragen ihr Eigen nennen. Das Problem ist dabei, dass die wenigsten Garagen und Auffahrten ihrem eigentlichen Zweck dienen dürfen.
Unser rangierender Nachbar rechts von uns hat seine Doppelgarage schon so lange nicht mehr betreten, dass mittlerweile eine Waschbärenfrau dort ihre Jungen gross zieht (sehr süß übrigens). Ich vermute auch, dass es noch einige Generationen dauern wird, bis sie darin einmal gestört wird, da der Nachbar erst den Schrott (unter anderem einen ausgeschlachteten Kleinwagen), der den Zugang versperrt, wegräumen müsste.
Ähnlich sieht es beim Parkkünstler gegenüber aus. Nur sind es hier Kisten, Kartons, Säcke und ausgemusterte Möbelstücke, die man – anders als ein fahruntüchtiges Vehikel – theoretisch auch mal selbst zur Müllkippe bringen könnte.
Es ist nun nicht so, dass unsere gesamte Nachbarschaft aus passionierten Messies besteht (dabei scheint es sich eher um ein gesamtkanadisches Problem zu handeln, denn auf meinen Spaziergängen und -fahrten habe ich bisher nur wenige Garagen gesehen, in denen auch tatsächlich Autos standen oder es zumindest könnten), denn der Nachbar links von uns hat seine Garage vorsätzlich in einen Lagerraum umgewandelt. Mittlerweile ist er pensioniert, verdiente seine Feierabendbierchen aber früher als Handwerker und hat immer noch ein Faible für Werkzeuge aller Art und im weitesten Sinne. Wenn also Canadian Tire einen Satz Schraubendreher im Angebot hat, kauft er davon gleich fünf Packungen. Irgendwann stößt jede Werkstatt an ihre (Platz)Grenzen, so auch seine. Deshalb stehen nun zwei seiner drei Wagen (ein Truck für Fahrten zum Baumarkt, ein alter schwarze Cadillac für sonntags und ein weißer Ami-Schlitten für alltags) in der Einfahrt und einer auf der Strasse. Er ist übrigens auch überzeugt davon, dass unsere Strasse die einzige in Toronto ist, in der man 24 Stunden lang parken darf, was natürlich Unsinn ist (in der ganzen Stadt gilt ein Limit von drei Stunden, es sei denn, ein Schild sagt etwas anderes), aber wozu soll man das mit ihm diskutieren?

Advertisements

Entry filed under: alles anders in Kanada, tagtäglich.

Essen gut, alles gut Der feine Unterschied

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Trackback this post  |  Subscribe to the comments via RSS Feed


Aktuelle Beiträge

Juli 2006
M D M D F S S
« Jun   Aug »
 12
3456789
10111213141516
17181920212223
24252627282930
31  

Feeds


%d Bloggern gefällt das: