Fleischeslust

4. Juli 2006 at 08:52 Hinterlasse einen Kommentar

Am Wochenende war nicht nur Canada Day (und weil dieser wichtige Tag auf den Samstag fiel, hatten alle Sesselpupser am Montag frei – die Postboten natürlich auch), außerdem fand das alljährliche Toronto Ribfest statt. Nun sind Rippchen in Deutschland zwar nicht unbedingt Abfall, aber als Gourmetschmaus würde sie wohl auch keiner bezeichnen. Hier ist das anders; in Restaurants kann man viel Geld für gute Ribs bezahlen, es gibt so manchen Wettbewerb um die besten Rippchen und die Zubereitung ist eine Kunst für sich. Also war der Besuch des Ribfestes längst überfällig.

Das Festgelände war in drei Bereiche aufgeteilt: Zuerst musste man die Verkaufsbuden über sich ergehen lassen (Sonnenbrillen für 1 Dollar, zwei Gürtel für 10 usw. – qualitativ hochwertige Waren also), dann konnte man entweder zum Völlereisektor abzweigen oder in Richtung Karussells und Losbuden schlendern. Wer hier einmal einen Jahrmarkt gesehen hat, wird nie versucht sein, sich selbst oder gar sein Kind in eins der anwesenden Fahrgeschäfte zu setzen. Selbst die antiquierten Kettenkarussells vermitteln in Deutschland mehr Sicherheit.
Wir gingen also dorthin, wo der Rauch in den Himmel stieg, zu den Ribs. Und das war in der Tat ein einmaliger Anblick. In Reih und Glied standen die Grillmeister mit ihren Ständen nebeneinander, vor ihren Räucherbuden hatten sie all die Pokale aufgebaut, die sie bisher gewonnen hatten. Zusätzlich waren ihre Stände mit Plakaten geschmückt, die ihre Erfolge anpriesen. Einigermaßen schockierend waren die 20 Meter langen Schlangen hungriger Ribfans vor jeder Bude, auch bei den Fritten, Maiskolben und Grillzwiebeln sah es nicht besser aus (man bekommt die Ribs nämlich ohne Beilagen; es sei denn, man sieht Hähnchen als solche an).
Auf der Suche nach einer etwas kürzeren Schlange, und natürlich aus Neugier, guckten wir erstmal ein paar Köchen auf den Grill. Interessant war dabei, dass die Ribs alle vorgegart waren und erst zum Schluss – unter Einsatz von richtig viel Sauce, die mit einer Art Miniatur-Mop aufgetragen wird – auf den Grill kommen. Wir stellten uns dann beim Vorjahressieger an und zogen einige Zeit später um ein Full Rack Rips reicher und 20 Dollar ärmer mit einem Packen Fleisch von dannen – und hatten das nächste Problem. Man konnte sich nämlich nirgendwo hinsetzen. Plötzlich machten auch all die Grüppchen mit Picknick-Ausstattung Sinn, wir hatten natürlich keine Klappstühle oder -tische dabei. Also Rippchen im Stehen. Hinterher noch ein Softeis und wir traten satt und zufrieden den Heimweg an.

Eins hätte ich fast vergessen: Bier wurde auch angeboten und man durfte seinen Becher sogar mit zu den Grillbuden nehmen, das roch schon ein bisschen nach Anarchie. Nur der Karussellbereich war verbotene Zone.

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Entry filed under: alles anders in Kanada, on the road again.

Canada Day Weltmeister der Herzen

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