Wer hat Angst vorm schwarzen Mann

4. Juni 2006 at 07:15 Hinterlasse einen Kommentar

Während wir am Freitag dabei waren, deutschen Stangenspargel mit selbstgemachter Sauce Hollandaise und jungen Kartoffeln zu genießen, haben Angehörige der RCMP (Royal Canadian Mounted Police) und des CSIS (Canadian Security Intelligence Service) in einer von langer Hand geplanten Aktion 12 Männer, mit fremdländisch klingenden Namen, und 5 Jugendliche, über die noch nichts veröffentlicht wurde, festgenommen. Gestern Abend flackerten nicht nur ihre Namen und ihr Alter über die Bildschirme, sondern auch ihre Adressen (Ort, Strasse und Hausnummer) – sechs kommen aus Mississauga, vier aus Toronto und zwei aus Kingston. Einige sind kanadische Staatsbürger und alle leben seit langem in Kanada.
Als sie gestern dem Haftrichter vorgeführt wurden, glichen Gerichtsgebäude und -saal einem Hochsicherheitstrakt. Reporter schafften es trotzdem, den Vater eines Verdächtigen zu interviewen und auch wenn er erst beteuerte, dass sein Sohn unschuldig sein müsse, räumte er hinterher ein, dass er keine Ahnung habe, was der so mache, da er nicht mehr zu Hause wohne. Und auch die gefilmte Abfahrt von drei Ehefrauen, mit schwarzen Burkas vermummt, trug nicht dazu bei, der Öffentlichkeit den Eindruck zu vermitteln, es handele sich um einen Justizirrtum, wie einer der Anwälte immer wieder argumentierte.
Insgesamt waren 400 Polizisten und Geheimdienstler im Einsatz und es wurden drei Tonnen Ammoniumnitrat zum Bau von Bomben und diverses Bombenbauzubehör beschlagnahmt. Mögliche Ziele sollten aber nicht, wie zuerst gemeldet, der öffentliche Nahverkehr Torontos oder der CN Tower sein, sondern Ziele im Süden Ontarios. Auch wenn es anscheinend keine direkte Verbindung zu Al Quaida gibt, stehen die Festgenommenen der Terrorvereinigung gedanklich näher als der Demokratie Kanadas und wollten ihre Anschläge in deren Namen ausführen.
Mittlerweile wird auch vermutet, dass zumindest drei der Verhafteten Kontakte zu zwei Männern unterhalten haben, die im Frühjahr in den USA unter Terrorverdacht festgenommen wurden. Die beiden, 19 und 21 Jahre alt, waren im März 2005 in Toronto, offensichtlich um Trainingsmöglichkeiten und Taktiken mit anderen islamistischen Extremisten zu diskutieren. Ein Trainingscamp befindet sich hier ganz in der Nähe, im idyllischen Cottage Country, der Sommerfrische der Torontonians.
Der freitägliche Einsatz konnte zum Glück Schlimmeres verhindern und so können wir heute Abend das Wochenende der deutschen Küche unbeschwert mit selbstgemachten Königsberger Klopsen ausklingen lassen.

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