Anders als die anderen

2. Juni 2006 at 08:48 Hinterlasse einen Kommentar

Einer der Gründe, warum ich unseren Indien-Urlaub damals nicht so gelungen fand, war, dass wir in vielen Situationen die einzigen Weißen unter eben vielen Indern waren und ungehemmt angestarrt und um Geld angehauen wurden. Deswegen bin ich mittlerweile ganz froh, dass wir uns für unseren ersten längeren Auslandsaufenthalt ein Land ausgesucht haben, in dem Kaukasier doch recht verbreitet sind und unsere Zelte nicht in Asien aufgeschlagen haben.
Anders als in Deutschland sind aber eben diese Kaukasier hier nicht weitestgehend unter sich und es ist schon erstaunlich, wie wenig ich Asiaten oder Schwarze im Straßenbild überhaupt noch wahrnehme. Sie sind da, genau wie ich, und die weiße Eintönigkeit wird mir in Deutschland zu Anfang bestimmt komisch vorkommen.
Wie mag sich da nur ein dunkelhäutiger Mensch fühlen, der z.B. in der ostdeutschen Provinz lebt und nicht nur angestarrt, sondern womöglich auch noch angegriffen wird? Und das nicht, weil er wie die Glatzen, die auf ihn einschlagen, faul rumhängt und Vater Staat auf der Tasche liegt, sondern weil er kein potentieller Kunde des keimigen Sonnenstudios neben dem geschlossenen Postamt ist und ihren furchtbaren Dialekt auch in 100 Jahren nicht lernen wird.

Nun bin auch ich der Meinung, dass Deutschland kein Einwanderungsland ist – und zum Glück haben das einige ernstzunehmende Wissenschaftler und Politiker bereits bemerkt, bevor Herr Koch seine unsägliche Rede gehalten hat. Denn die sozialen Sicherungssysteme sind in Deutschland einfach zu gut und die Einwanderungskriterien im Vergleich dazu zu schwach. Schauen wir uns dagegen Kanada an, sieht das Ganze anders aus. Laut eines UN Berichtes bekamen 2001 nur 39% aller Arbeitslosen finanzielle Unterstützung vom Staat, auch wenn sie vorher Arbeitslosenversicherung bezahlt haben. Besonders betroffen sind z.B. Immigranten. Für diese doch recht miese Unterstützung muss der gemeine Einwanderer vergleichsweise harte Kriterien in Punkto Sprachkenntnisse, Schul- und Berufsausbildung und finanziellem Hintergrund erfüllen. All das schützt natürlich nicht vor Missbrauch und wer will, findet überall seine Lücke. Aber es bewirkt doch, dass die allermeisten Leute, die hierher kommen, sich etwas aufbauen und Eigenverantwortung zeigen.
Die Kehrseite der Medaille sind 11,2% Arme in Kanada, trotz einer boomenden Wirtschaft, und auch darin finden sich die Immigranten wieder (neben Aboriginals, African-Canadians, Frauen mit niedrigem Einkommen und Single Moms).
Das System ist also keinesfalls perfekt und die braungefärbten Gesinnungsgenossen wären immer noch ein Problem.

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Entry filed under: alles anders in Kanada, Nonstop Nonsens.

Wer bremst, verliert Wer hat Angst vorm schwarzen Mann

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