Der lange Arm des Gesetzes

21. Mai 2006 at 08:27 Hinterlasse einen Kommentar

Ich bin immer wieder erstaunt, wie extrem hier mit persönlichen Daten umgegangen wird.
Einerseits macht man im Arbeitsleben ein grosses Brimborium darum. Bewerbungsschreiben enthalten z.B. keine Angaben zum Geschlecht (kein Foto) und Alter des Bewerbers. Kein Problem, wenn der- oder diejenige Thomas Magnum oder Jessica Fletcher heißt. Trägt er oder sie einen traditionellen asiatischen oder afrikanischen Namen, wird das Vorstellungsgespräch schnell zum Blind Date. Neben vielen anderen, ist die Frage nach dem Alter streng verboten und bei Ablehnung ein Grund, eben diese anzufechten. Und selbst wenn der Bewerber dann eingestellt wurde, teilt die Personalabteilung seinem Vorgesetzten maximal den Geburtstag mit (damit er wenigstens gratulieren kann), nie das Jahr.
Wird man andererseits Opfer eines Unfalls oder Verbrechens oder festgenommen und einer Straftat angeklagt, hat niemand ein Problem damit, dass Name und Alter des Opfers sogar in den Medien veröffentlicht wird.
Jüngstes und für mich bisher erschreckendstes Beispiel ist eine Liste, die eine lokale Fernsehstation veröffentlicht hat und in der Namen, Geschlecht, Alter und Anklagen von 96 Verhafteten aufgeführt sind.
Hintergrund ist folgender: Ende dieser Woche führte die Polizei eine umfangreiche Razzia in einer Neighbourhood namens Rexdale durch, um die sogenannte Jamestown Crew auszuräuchern. Beteiligt waren 600 Polizisten, durchsucht wurden 115 Wohnungen und dabei 36 Schusswaffen, 4 kugelsichere Westen, über 24 kg Drogen, 339.000 kanadische und 50.000 US-Dollar, 4 Autos und 1 Motorrad beschlagnahmt. Es gab insgesamt 106 Festnahmen, darunter 72 Männer, 24 Frauen und 10 Jugendliche. Gegen sie wurden mehr als 1.000 Anklagen erhoben. Alles in allem war das die grösste Polizeiaktion in der Geschichte Torontos und ohne Frage ein bemerkenswerter Erfolg gegen das organisierte Verbrechen in dieser Stadt, der mit Recht darauf hoffen lässt, dass bewaffnete Gewaltverbrechen zurückgehen werden, da diese Gang u.a. einen florierenden Waffenhandel betrieb.
Warum allerdings diese Liste der Verdächtigen veröffentlicht wurde, ist mir nicht klar. Keiner von ihnen wurde bisher verurteilt und während die Polizei sich selbst lobt, wie professionell die ganze Aktion abgelaufen sei, sprechen Zeugen davon, dass Kinder von der Polizei mit Waffen bedroht worden und Festnahmen wahllos erfolgt seien.

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Entry filed under: alles anders in Kanada, Nonstop Nonsens.

Sieben Fässer Wein… Happy Victoria

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