Sieben Fässer Wein…

19. Mai 2006 at 08:17 Hinterlasse einen Kommentar

…können uns nicht gefährlich sein!
Vor zwei Tagen gab eine Vereinigungen namens MADD (Mothers Against Drunk Driving – nicht zu verwechseln mit Mad, obwohl Zyniker gewisse Parallelen entdeckt haben wollen) eine Pressekonferenz, auf der sie einige Forderungen zum Thema Jugendliche, Führerschein und Alkohol aufstellten. Seltsamerweise sassen nur Männer auf dem Podium, aber Väter können sich ja auch wie Mütter fühlen.
Die Herren von MADD machten den Anwesenden anschaulich klar, welch tickende Zeitbombe jugendliche Autofahrer darstellen, wenn sie mit 19 Jahren erstmalig legal Alkohol trinken dürfen und ihnen gleichzeitig eine uneingeschränkte Fahrerlaubnis ausgestellt wird. Deswegen vertritt MADD die Auffassung, dass jugendlichen Autofahrern erst ab einem Alter von 21 Jahren erlaubt sein sollte, Alkohol zu trinken (wenn sie noch fahren wollen). Besser wäre es allerdings, gleich dem Beispiel Manitobas zu folgen und Alkoholgenuss während der ersten 5 Jahre nach Erhalt des Führerscheins zu verbieten. In Ontario ist es zur Zeit so, dass jugendliche Autofahrer bis zum Erhalt ihrer dauerhaften Fahrerlaubnis (dann sind sie i.d.R. 18 oder 19 Jahre alt) keinen Alkohol trinken dürfen.

Die ganze Veranstaltung erinnerte mich stark an das Abstinenzlertreffen, auf dem Michels Vater dem Alkohol abschwören musste, nachdem Michel die Tiere des Katthult-Hofes – und sich selbst – mit vergorenen Kirschen betrunken gemacht hatte.

Denn natürlich fragt sich keiner, warum die Jugendlichen mit 19 Jahren eigentlich so wild auf Alkohol sind. Das liegt nicht vielleicht daran, dass sie vorher (theoretisch) nichts trinken dürfen und sie meinen, einen gewissen Nachholbedarf zu haben? Es stellt auch keiner in Frage, dass die restriktive Alkoholpolitik vielleicht nicht mehr zeitgemäß und womöglich insgesamt gescheitert ist, denn offensichtlich hat die Verteufelung des Alkohols nicht den gewünschten Erfolg gebracht.
Ein bisschen mehr Vertrauen und das Zugeständnis, sich selbst ausprobieren zu dürfen, würde den meisten Jugendlichen sicher schon genügen. Zumindest hätten sie dann nicht jeden Abend, den sie nüchtern bleiben weil sie Auto fahren, das Gefühl etwas zu verpassen.

Und weil es so schön ist, hier ein paar Details zum kanadischen Führerschein auf Probe:
1. Stufe G1 (12 Monate, kann auf 8 Monate reduziert werden)

  • Blutalkoholwert = 0%
  • Eine Autofahrer mit dauerhafter Fahrerlaubnis (seit mind. 4 Jahren) muss auf dem Beifahrersitz mitfahren (Blutalkoholwert nicht höher als 0,05%).
  • Dieser begleitende Autofahrer ist der einzige Fahrgast auf dem Beifahrersitz.
  • Die Anzahl der weiteren Fahrgäste darf die Anzahl der funktionierenden Sicherheitsgurte nicht übersteigen.
  • Strassen, die eine Mindestgeschwindigkeit von 80 km/h erfordern (es gibt sie also doch!), dürfen nicht befahren werden.
  • Nachtfahrverbot (Mitternacht bis 5 Uhr morgens)

2. Stufe G2 (12 Monate)

  • Blutalkoholwert = 0%
  • Die Anzahl der Fahrgäste darf die Anzahl der funktionierenden Sicherheitsgurte nicht übersteigen.
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Entry filed under: alles anders in Kanada, Nonstop Nonsens.

Krieg und Frieden Der lange Arm des Gesetzes

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