Zuviel Sauberkeit ist gar nicht gesund

5. April 2006 at 09:02 2 Kommentare

Nachdem mein family doctor am 20. März krank war, ein Schelm, wer böses dabei denkt, hatte ich nun also gestern den Termin für die jährliche Ganzkörperuntersuchung.

Es ging damit los, dass mich die Empfangsdame in den Behandlungsraum führte, peinlich berührt aufforderte „Take everything off and cover yourself with the sheet.“ und damit vor ein schier unlösbares Problem stellte: Wie sollte ich vermeiden, dass mein nackten Füsse mit dem abgewetzten und fleckigen Teppich in Kontakt kamen? Das nächste Mal einfach Badelatschen mitnehmen? Nun war die Praxis meines Hamburger Hausarztes auch mit zum Teil altertümlichen Möbeln eingerichtet und einige Instrumente von biblischem Alter. Doch der Fußboden glänzte, die Metallinstrumente waren spiegelblank und ich hatte nie Bedenken, mir dort einen Fußpilz zu holen.
Augen zu und durch – so sass ich, in ein Papierlaken gewickelt, bald wartend auf der Liege und fragte mich, ob es irgendwo auch noch einen Raum für meine Krebsvorsorge gibt und ich in das Laken gewickelt über den Flur dahin laufen müsste. Um es vorweg zu nehmen, es gab ihn nicht.
Nach kurzer Zeit kam Frau Doktor im blau gemusterten Nachmittagsteekleid hinein und begann mit der Untersuchung. Sie leuchtete in meine Augen, guckte in die Ohren, ich musste „Aah“ sagen und sie horchte meine Brust ab. Soweit so gut. Dann kam der intimere Teil, den ich hier nicht unnötig ausführen möchte, nur soviel: Auch dafür wurde die Liege und kein Stuhl genutzt und diese Liege stand mit der kurzen Seite, an der ich aufgrund meiner Position eigentlich die Ärztin vermutet hätte, an der Wand und sie musste sich einigermaßen verrenken, um überhaupt an mich ranzukommen.
Danach durfte ich dem Labor im Erdgeschoss einen Besuch abstatten. Hier trugen die Mitarbeiter wenigstens weiße Kittel, aber ansonsten sah es auch dort eher wie in einer – immerhin neueren und saubereren – Abstellkammer aus. Doch die asiatische Laborantin traf beim Blutabnehmen auf Anhieb meine Vene, mir wurde nicht schlecht und so verließ ich letztendlich erleichtert den Ort des Geschehens.

In zwei Wochen habe ich den nächsten Termin, dann besprechen wir die Ergebnisse. Und im nächsten Sommer werde ich mir einen neuen family doctor mit einem etwas höheren Hygieneanspruch suchen. Sommer soll die beste Zeit sein, weil dann viele im Urlaub sind, was Ärzte, die normalerweise keine Patienten mehr annehmen, gnädiger stimmt. Und in diesem Jahr werde ich hoffentlich keinen Arzt mehr brauchen (die grosse Untersuchung wird von OHIP nur einmal pro Jahr bezahlt).
Zumindest meinen Zahnarzt weiß ich nun viel mehr zu schätzen. Das ist wie mit den deutschen Bürgersteigen und Straßenlaternen nach unserem Indien-Urlaub.

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Entry filed under: tagtäglich.

Identitätskrise Kein Happy End

2 Kommentare Add your own

  • 1. Harald Jäger  |  5. April 2006 um 15:04

    Sei gegrüßt Nicole!
    Ich bin ein Cousin von Gerold. Komme aus Rinderfeld und wohne in Stgt. mit meiner Freundin Anja zusammen.
    Meine Mutter Hedwig hat mir eure Blogger Seite genannt. Ich hab mich durch sowas noch nie durchgekämpft. Schaut aber richtig gut aus 🙂 Da muss ich an meiner 3 Jahre alten Homepage wohl noch arbeiten.
    LG aus Stuttgart und VLG an Gerold.
    Harry

    Antwort
  • 2. Stefan Zoll  |  13. Oktober 2010 um 21:22

    Ein wirklich sehr informativer Blog! Weiter so :)!!

    Antwort

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