Boycott Canada

24. März 2006 at 09:33 Hinterlasse einen Kommentar

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Morgen beginnt die Robbenjagd; das Eis ist zwar noch dünn, aber das ist weniger ein Problem für die Jäger denn für die Beobachter, da sie mit ihren Helikoptern nicht landen können. Der Startschuss fällt zunächst für die Tötung von 91.000 Tieren im Golf des St. Lawrence Stroms, im April finden dann weitere 234.000 Robben an der Nordküste von Newfoundland and Labrador ihr Ende. Den First Nations ist es übrigens erlaubt, davon insgesamt 10.000 Tiere zu erlegen, soviel zur Tradition.
Wegen des dünnen Eises wird das Massaker wohl noch brutaler werden, als es eh schon ist. Die Jäger werden versuchen, die Tiere im Wasser zu töten oder auf losem Küsteneis, von dem die jungen Robben, die noch nicht schwimmen können, auch nicht flüchten können.

Wenigstens eine Politikerin hat die unglaubwürdige Argumentationslitanei von jahrhundertealter Tradition, Einkommen der arbeitslosen Fischer im Winter und Regulierung einer gesunden Robbenpopulation durchbrochen und zugegeben, dass es um ein 20 Millionen Dollar Geschäft geht, für dessen Unterstützung sie alles tun würde. Madame Celine Hervieux-Payette, liberale Senatorin aus Quebec, hatte auch gleich weitere wunderbare Rechtfertigungen zur Hand: Das tägliche Massaker an unschuldigen Menschen im Irak, die Exekution von vor allem schwarzen Amerikanern in us-amerikanischen Gefängnissen, der nahezu freie Verkauf von Handfeuerwaffen in den USA, die Destabilisierung der ganzen Welt durch die aggressive Außenpolitik der us-amerikanischen Regierung, usw. – mehr fiel ihr zu diesem Zeitpunkt nicht ein und das ist auch ganz gut so, um wenigstens noch einen Restrespekt vor ihr zu behalten. Ein Unrecht mit dem Hinweis auf anderes Unrecht rechtfertigen? Hm, die Verbreitung von Kinderpornographie ist okay, weil kleine Mädchen in Afrika beschnitten werden? Ich darf meine Frau vergewaltigen, weil mein Nachbar seine verprügelt? Interessantes Rechtsverständnis einer gewählten Volksvertreterin (aber Jacques Chirac verlässt ja auch beim EU-Gipfel aus Protest den Saal, wenn ein Landsmann Englisch statt Französisch spricht – nehmen die alle die gleichen Drogen?).

Am Mittwoch war Brigitte Bardot hier, um nach 30 Jahren erneut gegen die Robbenjagd und auch die Erhöhung der Schlachtquote zu protestieren. Während über Sir Paul McCartney und seine Frau in erster Linie verärgert berichtet wurde, musste Madame Bardot vor allem Spott einstecken. Dass sie sich seit Jahrzehnten für den Tierschutz einsetzt, war weniger ein Thema als die Tatsache, dass die ehemalige Leinwand-Ikone mit 71 Jahren Falten hat. Premierminister Stephen Harper lehnte ein Treffen oder Telefonat mit ihr ab. Er sagte, dass er den Bedürfnissen der Kanadier verpflichtet sei und es nicht seiner Natur entspreche, für Fotos mit Berühmtheiten zu posieren. Nun ist die technische Entwicklung hier zwar schon ein bisschen hinterher, aber selbst in Kanada kann man miteinander telefonieren, ohne dabei in einem Raum sein zu müssen und ein Fotograf ist auch keine zwingende Voraussetzung dafür, dass eine Verbindung zustande kommt.

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Entry filed under: alles anders in Kanada, Nonstop Nonsens.

Voltaren 2 Voltax statt Voltaren

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