Tach Herr Doktor

10. März 2006 at 08:42 Hinterlasse einen Kommentar

Nachdem wir unseren Beißerchen nun über ein Jahr lang die wohl verdiente Reinigung ihrer Oberfläche von Kaffee, Tee und Rotwein verwehrt hatten, waren wir am Mittwoch zum ersten Mal bei einem kanadischen Zahnarzt. Naja, um ehrlich zu sein, wir waren bei einem deutschen Zahnarzt, der hier um die Ecke praktiziert.
Ich gehe wirklich gern zum Zahnarzt, was selbst ihn verwunderte, und wurde auch nicht enttäuscht. Über eine Stunde hat er untersucht, gesäubert und poliert. Inklusive Röntgenaufnahmen hat das Rundum-Wohlfühl-Paket 264,66 $ gekostet; pro Person versteht sich, denn Gerold wurde zeitgleich von seiner Kollegin verwöhnt. Solch eine Aufmerksamkeit kann ein Arzt seinen Patienten wohl nur dann schenken, wenn der Lohn seiner harten Arbeit nicht von OHIP (Ontario Health Insurance Plan) kommt. Und das ist bei Zahnärzten der Fall.

Jede Provinz betreibt eine eigene, also staatliche Krankenversicherung. Gesetzliche Krankenversicherungen, so wie wir sie kennen, gibt es nicht. Private schon, aber nicht als Alternative zur staatlichen, wenn man ein bestimmtes Treppchen auf der Karriereleiter erklommen hat. Einwanderer haben in den ersten drei Monaten keinen Anspruch auf eine Krankenversicherung über OHIP, Angehörige der kanadischen Streitkräfte und der Royal Canadian Mounted Police, Strafgefangene und Flüchtlinge auch später nicht. Zumindest für die Einwanderer gibt es private Krankenversicherungen, so eine hatten wir auch, was die anderen machen, weiß ich nicht.
OHIP deckt „medizinisch notwendige Behandlungen“ ab, nicht mehr und nicht weniger. Zahnbehandlungen gehören nicht dazu, denn man kann auch prima ohne Zähne leben. Und weil man genau weiß, dass Zähne niemals den Wettstreit mit der schicken gelben Handtasche gewinnen könnten, kann man sie privat versichern; gute Arbeitgeber erledigen das für ihre Angestellten.

Die staatliche Krankenversicherung mag aus einer durchaus lobenswerten Grundidee hervorgegangen sein, wurde mittlerweile aber leider von der Realität eingeholt. Lange Wartezeiten auf Operationen, Hausärzte, die keine Patienten mehr annehmen und der Vormarsch privater Kliniken, die Patienten mit nicht versicherten Behandlungen versorgen, sind nur ein paar Probleme, mit denen sich das hiesige Gesundheitswesen rumschlägt. Es gilt das Hausarzt-Prinzip und ich habe bei neun Praxen angerufen, bis ich endlich einen Termin bekommen habe. Dort war ich dann gestern zum Vorstellungsgespräch und am 20. März wird meine annual health examination („from head to toe“) durchgeführt. Ich bin gespannt, was mich erwartet, denn der family doctor macht auch die frauenärztlichen Untersuchungen. Das fand ich schon etwas befremdlich, worauf sie mir gleich versicherte, dass sie mich bei Problemen an einen ‚Spezialisten‘ überweisen würde.

Advertisements

Entry filed under: alles anders in Kanada, Nonstop Nonsens.

On this date… Wer den Schaden hat

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Trackback this post  |  Subscribe to the comments via RSS Feed


Aktuelle Beiträge

März 2006
M D M D F S S
« Feb   Apr »
 12345
6789101112
13141516171819
20212223242526
2728293031  

Feeds


%d Bloggern gefällt das: