On this date…

8. März 2006 at 15:08 1 Kommentar

Ich lebe jetzt seit einem Jahr in Kanada – eine gute Gelegenheit, mal ein bisschen sentimental zu werden.

Was ich, neben der Familie und alten Freunden, am meisten vermisse, ist das Gefühl, mich auszukennen. Andererseits ist es auch gerade das, was die ganze Sache so spannend macht. Natürlich hatte ich am Anfang schreckliche Angst, als nicht native speaker entlarvt zu werden. Aber wenn man nicht mit den Leuten spricht, muss man im Grunde darauf warten, dass jemand anklopft (wir haben keine Klingel) und einem die Welt erklärt (und das würde bestimmt zu den fünf Jahren, die jeder laut Statistik damit verbringt, auf irgendetwas zu warten, hinzugerechnet werden). Also frage ich freundlich, was ich wissen will, und erhalte meist auch eine freundliche Antwort (unfreundlich sein geht schon allein deswegen nicht, weil ich die richtig unfreundlichen Worte nicht kenne; die Frau im Park, die ihren Hund tritt, schnauze ich trotzdem an).
Aber auch wenn ich mich hier noch nicht wirklich auskenne, habe ich es bisher keine Sekunde bereut, Deutschland den Rücken gekehrt zu haben. Und das liegt neben all den neuen Dingen, die ich kennenlerne und die wenig Zeit für Wehmut lassen, sicherlich daran, dass Toronto eine tolle Stadt ist. Dabei kann ich nicht sagen, mal von einigen Ausnahmen abgesehen, dass es sich um eine schöne Stadt handelt. Aber um eine sehr lebendige und vielseitige. Es ist die Abwechslung, die mich fasziniert. Genauso wie die Gegensätze, die mir überall begegnen.
Dennoch glaube ich nicht, dass ich den Rest meines Lebens hier verbringen werde und das liegt vor allem an den profanen Dingen des Alltags: Currywurst essen, Ouzo bis zum Abwinken beim Griechen unter der U-Bahn, ein Toaster mit Brötchenaufsatz, in den Aldi-aktuell-Angeboten stöbern (und sicher sein, dass das Schnäppchen auch funktioniert), die deutsche Ordnungsliebe, Hörspiele kaufen können, Mülltrennung, TÜV, eine gut sortierte Käsetheke, Frankenweine undsoweiter undsofort.

Ob es nach Kanada unbedingt wieder Deutschland sein muss, weiß ich nicht. Mein Nachbar, der ursprünglich aus Lübeck kommt, sagte mal, dass Deutschland ihm zu klein geworden sei. Vielleicht ist es das, vielleicht ist es aber auch so, dass man, wenn man einmal damit angefangen hat, mehr entdecken will, neue Reize braucht und die Rückkehr in das alte Leben wie ein Rückschritt erscheint.

Advertisements

Entry filed under: tagtäglich.

Und nun ein warmes Bad – im eigenen Blut Tach Herr Doktor

1 Kommentar Add your own

  • 1. Claus  |  9. März 2006 um 03:00

    Hi Nicole,

    das klingt ja höchst interessant. Vielleicht solltet Ihr Euch in Richtung Asien aufmachen, soweit ich weiß habt Ihr da doch schon reichhaltige Erfahrung gesammelt ( war es nicht Indien oder so…).N’bißchen solltet Ihr aber noch in Kanada bleiben.Erstens wollte ich doch mal rum kommen, zweitens sind ja 2010 die Spiele in Vancouver ! Wie sieht es eigentlich mit Lesen aus ? Kommst Du dazu ? Was ist denn angesagt in Kanada, außer das sie jetzt den Schreiber ausliefern ( wenn die 2.Berufung durch ist) ? So genug der Worte.Wünsche noch einen schönen 9.März und muß mir demnächst mal einen Spitznamen für Dich ausdenken!

    Schöne Grüßis Claus

    Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Trackback this post  |  Subscribe to the comments via RSS Feed


Aktuelle Beiträge

März 2006
M D M D F S S
« Feb   Apr »
 12345
6789101112
13141516171819
20212223242526
2728293031  

Feeds


%d Bloggern gefällt das: