Moneytalk

31. Januar 2006 at 14:29 Hinterlasse einen Kommentar

Als ich noch in Deutschland gewohnt habe, habe ich immer gedacht, dass Nordamerika das Land der Erfindungen und Innovationen sei. Natürlich weiß ich, dass Nordamerika ein Kontinent ist und USA und Kanada Länder, aber ich habe da nicht gross unterschieden. Die einen spielen gerne Krieg und könnten ihre Allgemeinbildung optimieren, die anderen haben viel Gegend und töten Robbenbabys, weil sich Pelzhandel leider immer noch lohnt.
Trotzdem dachte ich, dass hier in jedem Haushalt ein Multimedia Center steht, die Kühlschränke sich ihre Einkaufslisten selbst schreiben, im Supermarkt alle Einkäufe vom Einkaufswagen gescannt und beim Rausgehen automatisch abgerechnet werden und eben alles viel technisierter ist als in Deutschland.

In Wirklichkeit ist das Ende der technischen Fahnenstange mit dem Blackberry erreicht, an dem sich alle festhalten, seit man in Kneipen und Restaurants nicht mehr rauchen darf. In die Kühlschränke passt zwar der Hirsch vom letzten Jagdausflug rein, aber man muss froh sein, wenn der Eiswürfelbereiter ohne Probleme funktioniert. Komme ich im Supermarkt an die Kasse, nehme ich mir für die Wartezeit erstmal eine der Zeitschriften aus dem Regal, denn die Self Scan Kassen meide ich mittlerweile, weil mich all die Fehlermeldungen einfach kirre machen. Die Anschaffung eines Multimedia Centers ist für die Dauerwerbesendungen auf allen Kanälen, unterbrochen von fünfminütigen Spielfilmeinspielungen, nicht zu rechtfertigen.

Das alles ist gar nichts im Vergleich zum Bankenwesen! Überweisungen, Bankeinzug, Online Banking, Kontoauszugsdrucker? Wo kommen wir denn her? Natürlich kann man hier, wo in Deutschland das freundliche Schild steht „Kreditkartenzahlung erst ab 10,- Euro“, getrost seine Bagel-Combo für 4,50 mit seiner Visa-Karte zahlen. Es ist aber nicht möglich, eine Rechnung zu überweisen. Das scheitert schon allein daran, dass nirgendwo Kontoverbindungen angegeben werden. Was macht man stattdessen? Richtig, man zahlt per Scheck. Handwerkerrechnungen, TV-Gebühren, Handy-Rechnung, Strom, Gas, sogar die Miete – alles per Scheck. Mittlerweile haben wir es geschafft, die Kosten für Wasser, Strom und Gas einziehen zu lassen und auch das Gehalt wird überwiesen.
Doch die Geschichte endet ja nicht damit, dass wir einen Scheck ausstellen und den weitergeben. Der Scheck kommt auch irgendwann per Post wieder zu uns zurück, damit wir ihn ablegen können. Schön abgestempelt von beiden Banken und manuell zu unserem von der Bank ausgedruckten Kontoauszug dazu sortiert. Wenn man nämlich selber einen Kontoauszug am Geldautomaten ausdruckt, kostet das extra Gebühren. Kostenlose Gehaltskonten gibt es hier auch nicht, also hat man die monatlichen Gebühren. Dispokredite kennt man ebenfalls nicht; überzieht man, kostet das Gebühren. Vereinbart man mit der Bank, dass nicht überzogen werden darf und geht dann ein Scheck zurück, kostet das Gebühren. Schecks muss man der Bank natürlich auch abkaufen, dafür gibt es aber auch verschiedene Designs.


Unsere Bank hat übrigens im Financial District ein Gebäude mit einer vergoldeten Fassade stehen. Angeblich spart das Energie.

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Entry filed under: alles anders in Kanada, Technik, die begeistert.

Bescherung High Efficiency

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