Deutsche Sprache, schwere Sprache
Februar 19, 2009
Nicht nur die Geschmäcker, auch das Ruhebedürfnis der Leute ist verschieden. Der schwer arbeitende Mann braucht seine Ruhe, das glückliche Kind braucht seine Ruhe und auch die stolze Mutter braucht ihre Ruhe. So weit, so gut.
Schwierig wird es, wenn Papa seine Ruhe braucht, Mama ihre Ruhe braucht und Fritzi „seine“ Ruhe braucht. Da korrigiert die Mama ganz automatisch – „ihre“ Ruhe heisst es richtig. Und da man pädagogisch wertvoll nicht einfach nur korrigiert, sondern auch erklärt, hört sich das dann (vereinfacht) so an: Mein Haus, mein Auto, meine Ruhe. Daraus folgt: Der Mann braucht seine Ruhe, die Frau braucht ihre Ruhe und die Fritzi – als ganz kleine Frau – braucht ebenfalls ihre Ruhe.
Dummerweise weiss Fritzi, dass sie ein Mädchen ist und so kam, was kommen musste: „Das Mädchen braucht ihre Ruhe.“ Da stand ich nun in meinem dünnen Hemd. Ein Junge ist ein kleiner Mann, ein „der“ und braucht „seine“ Ruhe. Ein Mädchen ist zwar eine kleine Frau, aber keine „die“, sondern ein „das“ und braucht ebenfalls „seine“ Ruhe. Nur, wie sag ich’s meinem Kinde?
Heute zumindest gar nicht, ich habe etwas vor mich hin genuschelt und weiter die Betten bezogen.
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